An der Strączkowa-Straße in Wrocław befindet sich eine Wohnsiedlung, die als Osiedle na Błoniu bekannt ist. Der Komplex aus eigenartigen Häusern entstand Anfang der 1920er Jahre nach einem Entwurf des deutschen Architekten und Stadtplaners Ernst May. Heute, mehr als 100 Jahre nach seiner Fertigstellung, begeistert die Siedlung noch immer mit ihren ungewöhnlichen Lösungen und originellen Hausformen, obwohl die Zeit ihr nicht gerade gnädig gewesen ist.
Die Siedlung auf der Wiese in Breslau
Die Bebauung der Siedlung in Błonie (dt. Siedlung Oltaschin) erfolgte auf Grundstücken, die der Gemeinde von Baron von Richthofen-Boguslavitz überlassen wurden, was die Umsetzung des Programms für den sozialen Wohnungsbau ermöglichte, das nach dem Ersten Weltkrieg in Schlesien entwickelt wurde. Das Projekt wurde aus öffentlichen Mitteln finanziert, unter Beteiligung von Arbeitgebern und zukünftigen Bewohnern. Die Arbeiten wurden von Breslauer Bauunternehmen unter der Schirmherrschaft der Organisation Schlesische Heimstätte durchgeführt. Das 1921 entworfene Projekt wurde unter der Aufsicht des Autors Ernst May realisiert und vor 1924 fertiggestellt.

Das Konzept eines kleinen Wohnkomplexes
Das Projekt entstand zu einer Zeit, als Ernst May sich mit dem Thema des sozialen Wohnungsbaus und kleiner Siedlungen beschäftigte. Er ließ sich von der Idee der Gartenstadt und traditionellen Dorfstrukturen inspirieren und passte diese an die Bedürfnisse des sozialen Wohnungsbaus an. In Ołtaszyn bei Breslau schlug er eine einheitliche, intime Anordnung mit einem zentralen Gemeinschaftsraum in Form eines Platzes vor, wobei die Grundstücke rationell genutzt und die Kosten begrenzt wurden. Ein wichtiger Bestandteil von Mays Projekt waren Gärten und Wirtschaftsgebäude, die zur teilweisen Selbstversorgung der Bewohner beitrugen.

Die Siedlung in Błonie in Wrocław – Grundriss und Architektur
Die Siedlung in Błonie hat die Form eines länglichen Rechtecks, dessen Achse durch die Strączkowa-Straße und den zentralen Platz, heute bekannt als Skwer Kozi Park, gebildet wird. Der Komplex umfasst 16 Doppelhäuser und vier Einfamilienhäuser, die rhythmisch entlang der Straße und um den kleinen Platz herum angeordnet sind. Die zweistöckigen Gebäude aus Hohlziegeln wurden mit hohen, wellenförmigen Walmdächern mit roten Dachziegeln gedeckt, die zum Markenzeichen der Siedlung wurden. Individuellen Ausdruck verliehen ihnen die über den Eingängen gemalten Wappen der Berliner Malerin Lotte Hartmann im Art-déco-Stil.

Veränderungen und Erhaltungszustand
Nach 1945, insbesondere nach der Eingemeindung von Ołtaszyn in Wrocław, begann ein Prozess der allmählichen Umgestaltung des ländlichen Raums. In den 1960er Jahren wurden größere Grundstücke in kleinere Parzellen aufgeteilt und mit neuen Häusern bebaut. Diese Eingriffe in den ursprünglichen, historischen Komplex wirkten sich negativ auf dessen Integrität und idyllische Atmosphäre aus. Im Laufe von mehr als 100 Jahren seit Fertigstellung des Bauvorhabens haben sich auch die Häuser selbst verändert. Einige sind verschwunden, andere wurden so umgebaut, dass die frühere Raffinesse von Ernst May kaum noch zu erkennen ist. Ihr größter Feind sind Veränderungen an den Gebäuden, die Veränderung der Fenstergrößen und der Einbau von Dachfenstern. Trotz dieser Modernisierungen ist die grundlegende städtebauliche Struktur der Siedlung erkennbar geblieben und lässt die frühere Idee erahnen. Im Jahr 2022 feierten die Bewohner der Siedlung in Błonie ihr hundertjähriges Bestehen.
Quelle:miejscawewroclawiu.pl, odkrywamyprzedwojennydolnyslask.blogspot.com
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Ołtaszyn in den 1930er Jahren und heute. Quelle: Herder Institut – Marburg und Google Earth
Die Siedlung Ende der 1920er Jahre und heute. Quelle: Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit Bonn&Berlin und Google Maps
Eines der Doppelhäuser im Jahr 1924 und 2024. Quelle: Siedlungs-Wirtschaft. Blätter für intensiven Kleingartenbau und Siedlung, Jahrgang II, Nr. 11, November 1924 und Google Maps










