Die Kirche des Heiligen Apostels Andreas in Kościelec bei Koło in Großpolen besteht derzeit aus einem romanischen Chor aus dem 12. Jahrhundert und einem modernen, aus Ziegeln erbauten Kirchenschiff. Der in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnene umfassende Umbau hat das Erscheinungsbild der Kirche grundlegend verändert und wirft bis heute Fragen hinsichtlich der Art und des Ausmaßes von Eingriffen in Denkmäler auf.
Ein romanischer Schatz aus dem 12. Jahrhundert
Kościelec Kolski kann sich einer der wertvollsten Relikte der romanischen Sakralarchitektur in Großpolen rühmen. Die erste St.-Andreas-Kirche entstand hier wahrscheinlich bereits Mitte des 12. Jahrhunderts. Es handelte sich um ein kleines, einschiffiges Gebäude aus behauenen Steinen, das im Osten durch eine halbrunde Apsis abgeschlossen war. Sein Innenraum maß lediglich etwa 4,8 mal 7,3 Meter. Von der alten Kirche sind Mauern, zwei romanische Fenster in der Apsis sowie Spuren von Öffnungen und einer Treppe, die zur Empore führte, erhalten geblieben. Gerade dieser steinerne Teil dient heute als Presbyterium der größeren Kirche. Um das Jahr 1601 herum wurden von Norden her eine gemauerte Sakristei und eine Schatzkammer angebaut – das Datum ist an der Mauer erhalten geblieben. Die Kirche wurde in den folgenden Jahrhunderten schrittweise modernisiert, und jede Epoche hinterließ ihre eigenen Spuren.

Das hölzerne Kirchenschiff von Rafał Gurowski
Lange Zeit war das Hauptelement der Kirche das hölzerne Kirchenschiff. Im Jahr 1760 finanzierte der damalige Landrat von Koło, Rafał Gurowski, den Umbau des Gebäudes. Im Rahmen der Arbeiten wurde die Westwand der romanischen Kirche abgerissen und ein geräumiges Hauptschiff in Blockbauweise mit zwei Vorhallen angebaut. Im 19. Jahrhundert wurde der Holzteil verlängert, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden weitere Elemente am Eingang hinzugefügt. So entstand ein sehr malerischer Komplex. Das kleine, aus Stein erbaute Presbyterium aus dem 12. Jahrhundert harmonierte mit dem großen, hölzernen Hauptschiff aus dem 18. Jahrhundert. Im Inneren waren wertvolle Einrichtungsgegenstände zu sehen: ein Rokoko-Hauptaltar mit einem Gemälde der Muttergottes von Tschenstochau, zwei barocke Seitenaltäre, ein Gemälde des Heiligen Rochus aus dem 18. Jahrhundert sowie ein Weihwasserbecken aus dem Jahr 1771. Die Kirche blieb in dieser Form bis ins letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erhalten.
Die St.-Andreas-Kirche in Kościelec – ein großangelegter Umbau
Im Jahr 1990 begann die bedeutendste Umbauphase in der über 800-jährigen Geschichte der Kirche. Initiator des Vorhabens war Pfarrer Stanisław Kurant, der seit 1963 mit Kościelec verbunden war. Nach seinem Tod im Jahr 1998 wurden die Arbeiten von Pfarrer Władysław Waszak fortgesetzt. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde das hölzerne Kirchenschiff aus dem 18. Jahrhundert abgerissen, und an seiner Stelle entstand ein neuer gemauerter Baukörper, der anschließend mit einem Satteldach gedeckt wurde. Der Geschichte der Pfarrei zufolge wurden in den Jahren 2003–2009 der Bau des Hauptschiffs sowie Arbeiten am Innenraum durchgeführt. Neben der Kirche entstanden zudem zwei Glockentürme. Ergänzt wurde das Ensemble durch einen niedrigeren Teil mit kunstvoll verzierten Fassaden. Am 25. September 2011 weihte Bischof Wiesław Mering die Kirche ein. Der Name des Architekten, der für den Entwurf des Anbaus verantwortlich war, ist der Öffentlichkeit nicht bekannt. Quellen der Pfarrei heben hingegen das finanzielle Engagement der Gemeinde und der jeweiligen Pfarrer hervor.

Der neue Backsteinkörper weckt Zweifel
Gerade das heutige Kirchenschiff ruft heute die größten Vorbehalte hervor. Seine Größe überragt das Presbyterium aus dem 12. Jahrhundert deutlich, und die schlichte Backsteinform knüpft weder direkt an die romanischen Proportionen noch an den Holzbau an. Dieser war zum Zeitpunkt des Abrisses mehrere hundert Jahre alt und stellte für sich genommen einen unschätzbaren Bestandteil des Gotteshauses dar. Es ist daher verwunderlich, dass überhaupt jemand die Genehmigung zum Abriss des historischen Kirchenschiffs erteilt hat. Der älteste Teil der Kirche ist zwar erhalten geblieben, doch ihre Umgebung hat sich völlig verändert. Von außen lässt sich die frühere Anordnung heute kaum noch erkennen.
Die St.-Andreas-Kirche in Kościelec – was ist übrig geblieben?
Derzeit ist die Kirche eine ungewöhnliche Mischung aus mehreren Epochen. Der älteste Teil ist der romanische Steinbau aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, dazu kommen eine gemauerte Sakristei und eine Schatzkammer aus der Zeit um 1601, die Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert sowie das heutige Kirchenschiff. Der größte und unersetzliche Verlust ist der Abriss des von Rafał Gurowski gestifteten Holzbaus. Wenn eine Erweiterung des Gebäudes notwendig war, hätte man dies dann nicht mit mehr Respekt vor der Geschichte bewerkstelligen können? Die Modernisierung der Kirche sorgt für anhaltende Kontroversen und wirft Fragen hinsichtlich der Rechtmäßigkeit eines derart weitreichenden Eingriffs in das Denkmal auf.
Quelle:naszapolska.pl, zabytek.pl, parafiakoscielec.com




