Die St.-Anna-Kirche an der Krakowskie Przedmieście steht bereits seit über 500 Jahren auf dem Warschauer Hang. Sie hat Brände und Kriege überstanden, muss heute jedoch erneut gerettet werden. Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass das Kirchengebäude Risse aufweist. Ursache für diese Probleme ist der instabile Hang, der sich seit dem Bau der W-Z-Straße im Jahr 1949 langsam verschiebt. Ein tiefer Aushub für das Bauprojekt Ende der 1940er Jahre beeinträchtigte die Stabilität des Hangs. Damals traten umfangreiche Risse in den Mauern der Kirche auf. Das Gebäude konnte damals gerettet werden. Heute kehrt das Problem zurück: Die historischen Mauern weisen erneut Risse auf, und als Gegenmaßnahme sind umfangreiche Restaurierungsarbeiten geplant.
Die St.-Anna-Kirche: mittelalterliche Anfänge
Die Anfänge der Kirche reichen bis ins Jahr 1454 zurück, als Fürstin Anna die Bernardiner nach Warschau holte. An der Czerska-Straße entstanden ihr Kloster und die erste Kirche, die 1518 den Gläubigen übergeben wurde. Das Gebäude bewahrt gotische Überreste aus jener Zeit im Presbyterium, in der Apsis, in der Sakristei und an den Strebepfeilern. Nach einem Brand im Jahr 1515 wurde die Kirche in den Jahren 1521–1533 wieder aufgebaut. Im Jahr 1578 entstand der Glockenturm, und um 1620 wurde die Kapelle der Familie Kryski errichtet. Ein weiterer Brand Mitte des 16. Jahrhunderts führte zu einem umfassenden Umbau. In den Jahren 1658–1667 erhielt die Kirche eine barocke Gestalt, wobei die mittelalterlichen Mauern erhalten blieben. An den Arbeiten waren Giovanni Battista Gisleni und Tylman von Gameren beteiligt.
Gotik, Barock und Klassizismus in einem Gotteshaus
Die Kirche vereint Elemente der Gotik, des Barocks und des Klassizismus. Von der Hangseite aus sind die gotische Apsis und die Strebepfeiler zu sehen, während die Fassade zur Krakowskie Przedmieście 1788 von Chrystian Piotr Aigner entworfen wurde. Die klassizistische Fassade weist Pilaster, Säulen und Figuren der vier Evangelisten auf, die Franz Pinck zugeschrieben werden. Im Innenraum sind die barocke Polychromie von Walenty Żebrowski, die Altäre, die Kanzel und die Orgel erhalten geblieben. Von großem Wert sind auch die mit Intarsien verzierten Beichtstühle, Schränke und Türen von Bruder Paschalis Scholtz. In der Kirche befinden sich außerdem die Kapelle des seligen Władysław von Gielniów sowie die Loreto-Kapelle aus dem 19. Jahrhundert von Henryk Marconi. Seit 1928 dient das Gebäude als Akademiekirche.

Die St.-Anna-Kirche und die Kriegszerstörungen
Die auf Warschau abgeworfenen Bomben beschädigten die Kirche bereits 1939. Zerstört wurden die Loreto-Kapelle, das Dach über dem Hauptschiff und der Dachstuhl der Kuppel der Kapelle des seligen Władysław. 1944 besetzten die Deutschen die Kirche und richteten darin einen Verteidigungsstützpunkt ein, doch das Gebäude erlitt keine schwerwiegenden Schäden. Nach dem Krieg leitete Beata Trylińska den Wiederaufbau. Im Jahr 1945 wurde ein neues Dach errichtet, ein Jahr später der durch einen Orkan umgestürzte Westgiebel. Die größte Gefahr für das Denkmal entstand während des Baus der W-Z-Straße in den Jahren 1947–1949. Die Aushubarbeiten für einen riesigen Tunnel gruben in den Hang ein, und in den Mauern traten Risse auf. Die Apsis, das Presbyterium und ein Teil der Kapelle begannen gefährlich abzusacken. Die Lage war so ernst, dass der Kirche ein Einsturz drohte.
Der Kampf um die St.-Anna-Kirche in Warschau
Die Rettungsmaßnahmen wurden unter der Leitung von Prof. Wacław Żenczykowski durchgeführt. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde der Boden mit Stahlbetonpfählen verstärkt, die Fundamente wurden mit einem Stahlbetonring verbunden und der Hang gesichert. Zudem wurde Elektroosmose eingesetzt, um die Wasserwanderung im Boden einzudämmen. Die Methode von Prof. Romuald Cebertowicz war damals bahnbrechend. Nach der Stabilisierung der Kirche wurde das Dach wieder aufgebaut, und 1950 wurden die gotischen Relikte freigelegt. Die Sicherungsmaßnahmen verhinderten zwar eine Katastrophe, doch der Hang bewegt sich weiterhin. Nicht unerheblich sind auch die Erschütterungen, die durch den Auto- und Straßenbahnverkehr auf der W-Z-Strecke verursacht werden.

Sensoren, Laserscanning und die Zukunft der Kirche
Da der Hang weiterhin zyklische, kriechende Verschiebungen aufweist, müssen alle Risse an den Wänden und am Gewölbe sorgfältig beobachtet werden. Neue Risse wurden bereits früher festgestellt, unter anderem im Jahr 2009. Die damals durchgeführten Gutachten ergaben keine unmittelbare Gefahr für die Sicherheit der Kirche. Da es sich jedoch um ein unschätzbares, 500 Jahre altes Denkmal handelt, wurde die Kirche einer ständigen geodätischen, photogrammetrischen und lasergestützten Überwachung unterzogen. Die installierten Spezialsensoren erfassen selbst kleinste Verschiebungen der Konstruktion. So lässt sich überprüfen, ob bestehende Risse stabil bleiben oder ob sie aktiv sind.
Die St.-Anna-Kirche weist Risse auf und muss gerettet werden
Die neuesten Informationen zur Kirche sind nicht besonders optimistisch. Es hat sich herausgestellt, dass die reine Beobachtung nicht mehr ausreicht. Das Gotteshaus weist Risse auf und erfordert konkrete Rettungsmaßnahmen. Wie Katarzyna Górecka-Ruszel von der Akademie der Bildenden Künste in Warschau in einem Interview mit TVP berichtete, sind einige Risse so groß, dass man durch sie Tageslicht sehen kann. Im September soll am Hauptaltar ein riesiges Gerüst aufgestellt werden, anschließend beginnt die Verstärkung des beschädigten Gewölbes mithilfe spezieller Kohlefasernetze. Der nächste Schritt wird die Konservierung und Restaurierung der historischen Polychromien sein.
Quelle: tvp.info, niedziela.pl
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