Die mutige Erweiterung der ehemaligen Feuerwache aus dem Jahr 1912 stellt heute eine der markantesten architektonischen Eingriffe in das historische Stadtgefüge von Québec in Kanada dar. Der neue Teil des Gebäudes versucht nicht, alt zu wirken – im Gegenteil, seine zeitgenössische Formensprache unterstreicht den Wert der erhaltenen Substanz und wird gleichzeitig den Bedürfnissen des neuen Nutzers gerecht: dem Jugendtheater Les Gros Becs.
Zwischen Geschichte und Neuanfang
Die 1912 von G. E. Tanguay entworfene und 1996 vom Architekturbüro Julien et Plante für Robert Lepages Ex Machina erweiterte Feuerwache war bereits zuvor ein Beispiel für Architektur, die sich mit ihrer Funktion weiterentwickelte. Als Ex Machina das Gebäude 2021 verließ und die Einrichtung Les Gros Becs die Räumlichkeiten übernahm, entstand der Bedarf an einer weiteren Umgestaltung – diesmal umfassend sowohl eine Modernisierung als auch eine erhebliche Erweiterung.
Das neue Theater mit einem Saal für 350 Zuschauer und einem multifunktionalen Raum entstand in einem Stadtteil, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Das Projekt musste daher im Dialog mit dem Kontext stehen: mit der historischen Bebauung, mit der früheren Funktion als Feuerwehrhaus, mit der schwarzen Granit-„Black Box“ aus den 90er Jahren sowie mit der neuen Mission der Institution, die sich an ein junges Publikum richtet.
Eine Zeitreise
An der Ecke der Straßen Dalhousie und Barricade entstand eine kleine Piazzetta mit einem Kunstwerk, die als städtischer Knotenpunkt fungiert – sie eröffnet Ausblicke auf den Parc des Canotiers, das Museum der Zivilisationen und den Sankt-Lorenz-Strom. Neue, zurückhaltende Baukörper bilden den Hintergrund für die historische Feuerwache und insbesondere deren Turm, einen der markantesten Punkte im Panorama der Umgebung.

Die wichtigste städtebauliche Maßnahme ist jedoch die „Durchquerung“, die von der Dalhousie Street zur Bell Street verläuft. Dieser Spalt, der durch die erhaltenen Gebäude verläuft, wird zu einem Foyer, das zwei Eingänge verbindet: den Haupteingang für die Öffentlichkeit und den für Schulklassen. Eine der Holztüren wurde mit einer blauen Glastür kombiniert, um die neue Funktion des Ortes zu signalisieren. Nach dem Überschreiten der Schwelle setzt die Farbe des Fußbodens dieses Motiv fort, als wäre der Fluss weiterhin in der Struktur des Gebäudes präsent.
Nach oben führende Innenräume
Zentraler Punkt des Foyers ist ein offenes Treppenhaus, das zum Theatersaal, zum Lesesaal und zu einem multifunktionalen Raum führt. Während man die Treppe hinaufsteigt, gibt der Turm der Feuerwache durch die Verglasung des Leuchtturms, der das Treppenhaus krönt, nach und nach den Blick frei.
Der Lesesaal im zweiten Stock nutzt die hohen Fenster des ursprünglichen Gebäudes. Im dritten Stock erhellen Dachgauben im Mansarddach das Foyer des Mehrzweckraums. Eine kleine dreieckige Terrasse neben den Verwaltungsbüros bietet einen Blick auf den Fluss und schafft einen gemütlichen Arbeitsbereich.

Das Spiel der Reflexionen
Die Innenräume wurden so gestaltet, dass sie für das junge Publikum eine freundliche, leicht theatralische Reise darstellen und gleichzeitig die Materialsprache der historischen Feuerwache weiterentwickeln. Der graue Stein des Erdgeschosses findet seine Entsprechung in den spiegelnden Edelstahlverkleidungen, die sowohl das Holz des Theatersaals als auch die Bewegung im Treppenhaus reflektieren. Der orangefarbene Ziegel des zweiten Stockwerks harmoniert mit dem metallischen Kupfer, und das Holz des Dachgeschosses – mit den Goldtönen sowie den Holzverkleidungen des Foyers des Mehrzwecksaals.
Der Theatersaal selbst interpretiert das Motiv der Fassade neu und arbeitet mit vier Holztönen, die sich zu einer rhythmischen, aber nicht wörtlichen Komposition fügen.
Energieeffizienz
Das Projekt basiert auf den Prinzipien der „Zirkularität“. Das neue Theater integriert und saniert nicht nur die Feuerwache aus dem Jahr 1912 und das Ex-Machina-Gebäude aus dem Jahr 1996, sondern fügt auch einen neuen Teil hinzu, wobei die bestehende Stahlbeton- und Stahlkonstruktion genutzt wird. Darüber hinaus wurde der schwarze Granit aus dem ehemaligen Theater von Robert Lepage recycelt und wiederverwendet.
Die neue, vollständig verglaste Fassade zeichnet sich durch Langlebigkeit und hohe Energieeffizienz aus, dank Befestigungssystemen mit thermischen Trennschichten. Es ist eine zeitgenössische Schicht, die nicht mit der Geschichte konkurriert, sondern diese ergänzt – so wie die gesamte Erweiterung, die bewusst Altes mit Neuem verbindet, um einen offenen, funktionalen Raum zu schaffen, der bereit ist für weitere Jahrzehnte theatralischer Geschichten.
Entwurf: SBTA inc. Delort et Brochu architectes
Fotos: James Brittain
Quelle: V2COM
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