Auf halbem Weg zwischen Noto und Syrakus, an der Ostküste Siziliens, inmitten der Olivenhaine und sanften Hügel des Iblea-Tals, liegt die Dimora delle Balze – ein Anwesen aus dem 19. Jahrhundert, in dem die Zeit langsamer zu vergehen scheint.
Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1886 zurück, als der Aristokrat Don Salvatore Zocco beschloss, für seine Familie eine Sommerresidenz in den wilden Gebieten namens Passo Ladro zu errichten. Damals entstand ein befestigter Komplex mit einem Wachturm an der Spitze. Obwohl die Eigentümer diesen Ort nur saisonal besuchten, blieb das Anwesen über die Jahre hinweg lebendig. Leider verfiel es im Laufe der Zeit in Stille und Vergessenheit.
Erst in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre, als es in den Besitz der Familie Lops überging, begann es, seinen früheren Glanz wiederzuerlangen. Damals erhielt es seinen heutigen Namen – Dimora delle Balze –, inspiriert von der Landschaft der umliegenden Hügel, die wie die Rüschen eines Kleides wogen. Balze bedeutet im wörtlichen Übersetzung aus dem Italienischen eben genau das: Rüschen.
Ursprünglich sollte der Ort als Raum für private Treffen und Familienfeiern dienen. Mit der Zeit öffnete sich die Dimora jedoch für Gäste. Für ihr heutiges Erscheinungsbild ist Elena Lops verantwortlich, die gemeinsam mit den Designern Stefano Guidotti und Draga Obradović den alten Mauern neues Leben einhauchte – indem sie ihre Geschichte hervorhob und sie subtil mit zeitgenössischer Sensibilität verband.

Schon beim Überschreiten des Eingangstors, beim Spaziergang durch die repräsentative Viale dei Carrubi – eine Allee aus Johannisbrotbäumen, an deren Ende sich hinter dem Grün ein Wachturm erhebt und zu dessen Füßen ein großes, hölzernes Eingangstor in den Innenhof führt –, spürt man, dass man es mit etwas Einzigartigem zu tun hat. Es ist eine Kulisse von fast filmischem Charakter – was kein Zufall ist, denn Elena Lops ist von Beruf Bühnenbildnerin.
Ehemalige Stallungen und Wirtschaftsgebäude wurden in Zimmer und Suiten umgewandelt, von denen jedes einen individuellen Charakter und einen Namen hat, der von der sizilianischen Kultur und Kunst inspiriert ist. So bezieht sich beispielsweise das Zimmer „Prohibito“ auf den Film „Die verbotene Frucht“ von Frank Capra aus dem Jahr 1932.
Bei der Renovierung wurden die ursprünglichen Steinmauern freigelegt, die bisher unter Putzschichten verborgen waren, sowie Fresken aus der Zeit des Risorgimento, die natürlich zum Ausgangspunkt für die Innenausstattung wurden.

Viele Einrichtungselemente konnten gerettet werden, und neue ergänzen sie harmonisch – es handelt sich um Details, die über Jahre hinweg sorgfältig auf lokalen Antiquitätenmärkten aufgestöbert wurden – von Messingkerzenleuchtern bis hin zu den für Sizilien charakteristischen „Teste di Moro“, also den Keramikköpfen der Mauren aus Caltagirone.
Ein integraler Bestandteil der Dimora sind die Außenbereiche – steinerne Innenhöfe und Terrassen, die mit lokalem Stein aus dem nahegelegenen Ort Modica gepflastert sind. Der zentrale Innenhof mit seiner charakteristischen Palme und der antiken Sonnenuhr bestimmt den Tagesrhythmus, weitere führen zum Wintergarten – einem schattigen, von den Gästen geliebten Ort der Entspannung – und öffnen den Blick auf das Tal des Flusses Manghisi.
Das Ganze ist von mediterraner Vegetation umgeben – Zitronenbäume, Jasmin und duftende Kräuter, die diesen Ort mit dem Duft des Südens erfüllen.
Text und Fotos: Agi Sibiga (https://agisibiga.com)
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