Die Entwürfe der Architekturbüros FOROOM, Drucianka und Nowy Kamionek wurden in der den Einwohnern der Hauptstadt bekannten Ausstellung „Pläne für die Zukunft“ gezeigt, die im ZODIAK, dem Warschauer Architekturpavillon, präsentiert wurde. Beide beweisen, dass die zeitgenössische Wohnarchitektur die Geschichte des Ortes gekonnt mit den Bedürfnissen einer modernen Stadt verbindet. Die interessantesten Richtungen der architektonischen Entwicklung Warschaus sind bis zum 2. August 2026 zu sehen.
Drucianka in Praga-Nord
In Warschau mangelt es nicht an Bauprojekten auf ehemaligen Industriegeländen. Nur wenige davon setzen sich jedoch so direkt mit der Geschichte des Ortes auseinander wie Drucianka, ein Projekt des Architekturbüros FOROOM auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik für Draht, Stifte und Nägel in Praga-Nord. Die historische Fabrik, deren Anfänge bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreichen, war jahrzehntelang eines der Symbole für die Entwicklung dieses Stadtteils. Bis heute sind hier Gebäude erhalten geblieben, die an die Zeit erinnern, als Praga zu den wichtigsten Produktionszentren der Hauptstadt gehörte. Der vom Architekturbüro FOROOM erarbeitete Bauentwurf ist ein Versuch, die neue Wohnbebauung in die bestehende Struktur des historischen Areals einzufügen. Anstatt das erhaltene Industriegefüge zu dominieren, nutzt die neue Architektur es als Bezugspunkt.

Das Projekt sieht den Bau von Mehrfamilienhäusern mit Dienstleistungsangeboten im Erdgeschoss vor. Ein Schlüsselelement des Konzepts war die Erhaltung der Lesbarkeit der historischen städtebaulichen Struktur der ehemaligen Fabrik. Die Bebauungslinien, die Proportionen der Baukörper sowie die Gestaltung der Fassaden wurden daher dem Verhältnis zu den bestehenden historischen Gebäuden untergeordnet. Die Architekten verzichteten bewusst auf eine wörtliche Nachbildung historischer Formen. Stattdessen verwendeten sie Materialien und Proportionen, die mit dem industriellen Erbe des Ortes assoziiert werden. Heller Backstein stellt eine Anspielung auf die ehemaligen Fabrikgebäude dar, und die metallenen Fassadenelemente erinnern an die Tätigkeit des Werks, das jahrzehntelang mit der Metallverarbeitung verbunden war. Eine wichtige Rolle spielt auch die Art und Weise, wie der Raum zwischen den Gebäuden gestaltet ist.

Das Projekt sieht eine öffentlich zugängliche Passage vor, die durch das Gelände der ehemaligen Fabrik führt, sowie interne Gemeinschaftsräume, die die Bewohner und Nutzer der im Erdgeschoss angesiedelten Dienstleistungen integrieren sollen. Dadurch entsteht keine abgeschottete Wohnanlage, sondern ein vollwertiger Teil des städtischen Gefüges. Im Projekt wurde auch großer Wert auf ökologische Lösungen gelegt. Grünflächen sind sowohl auf Bodenniveau als auch auf den Garagendecken und den Dächern der Gebäude vorgesehen. Diese Lösung verbessert die Regenwasserrückhaltung und begrenzt die Erwärmung der Bebauung. Anstatt die historischen Gebäude als „Dekoration“ für das neue Bauprojekt zu betrachten, nutzt das Projekt ihre Präsenz, um die Identität des gesamten Komplexes zu stärken.

Nowy Kamionek in Praga-Południe
Zu den auf der Ausstellung „Pläne für die Zukunft“ vorgestellten Projekten von FOROOM gehörte auch das Projekt Nowy Kamionek. Das im Herzen von Praga-Południe entstehende Bauprojekt verbindet das industrielle Erbe von Kamionek mit moderner Architektur und einer intimen Bebauungsdichte. Das Projekt umfasst 114 funktionale Wohnungen (29–147 m²) mit Panoramafenstern sowie Balkonen, Terrassen und Gärten. Die Backsteinfassade mit Glas- und Stahlelementen knüpft an die historische Bebauung des Stadtteils an. Das als „städtischer Campus“ konzipierte Projekt verbindet die Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen und der Nähe zu Bildungseinrichtungen und Dienstleistungen, darunter die Nachbarschaft zur SWPS-Hochschule. Das Erdgeschoss ist mit Dienstleistungslokalen belegt, und Gemeinschaftsbereiche, darunter eine begrünte Dachterrasse, fördern die Integration der Bewohner.
In dem Projekt kommen energieeffiziente LED-Beleuchtung sowie Lösungen zum Einsatz, die den Energieverbrauch in den Gemeinschaftsbereichen senken. Geplant sind ein Regenwasserrückhaltesystem zur Bewässerung der Grünflächen sowie begrünte Dachflächen zur Förderung der Biodiversität, eine Fahrradinfrastruktur und Ladestationen für Elektroautos. Der Innenhof, die Dachterrasse und die Dienstleistungsflächen im Erdgeschoss beleben den Straßenraum und stärken dessen stadtbildprägenden Charakter, wodurch ein natürliches Zentrumfür die Aktivitäten der Bewohner entsteht. Das Gebäude ist barrierefrei, wodurch die Gemeinschaft eine offene und inklusive Dimension erhält.

Die Präsenz der Projekte Drucianka und Nowy Kamionek in der Ausstellung „Pläne für die Zukunft“ zeigt, dass die Wohnarchitektur in Warschau zunehmend über die klassische Funktion der Schaffung neuer Wohnadressen hinausgeht. Sie wird zu einem Instrument zur Gestaltung des städtischen Raums und zur Wiederbelebung der Erinnerung an Orte. Die Projekte des Architekturbüros FOROOM fügen sich in diese Richtung ein und verbinden den Respekt vor dem lokalen Erbe mit Lösungen, die eine nachhaltige Entwicklung und den Aufbau von Nachbarschaftsgemeinschaften fördern. Projekte dieser Art geben heute die Richtung vor, in die sich Warschau entwickelt – eine Stadt, die bewusst aus ihrer Geschichte schöpft, aber konsequent in die Zukunft blickt.
Projektteam Nowy Kamionek: M. Pędzich, B. Grotte, R. Jedliński, K. Waligóra, K. Konopka, K. Harunowicz, A . Dziubela, M. Grychtol, E. Gurczyńska
Projektteam Drucianka: B. Grotte, R. Jedliński, M. Pędzich, K. Waligóra, M. Makuszewski, M. Mucha, P. Ruta, T. Szenajch.
Weitere Informationen: www.foroom.com.pl
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