stary dom w górach

Ein altes Haus im Orlické-Gebirge. Heute ist es eine Oase inmitten der Natur

Ein altes Haus im Orlické-Gebirge, das im tschechischen Teil der Sudeten liegt, hat dank des Teams vom Architekturbüro No Architects ein zweites Leben erhalten. Sie haben den Bauernhof zu einem ganzjährig nutzbaren Gebäude mit einer Fläche von 420 m² umgebaut. Das historische Haus hat seinen früheren Glanz wiedererlangt und wurde um einen neuen Baukörper erweitert. So entstand ein weißer Komplex, der durch einen durchbrochenen Verbindungsgang miteinander verbunden ist.

Das Sudetenland – Geschichte

Die Geschichte des Sudetenlandes (dt. Sudetenland) ist geprägt von großen demografischen Veränderungen nach 1945. Die Berggebiete an der Grenze zwischen der Tschechoslowakei, Deutschland und Österreich wurden früher fast ausschließlich von deutschsprachiger Bevölkerung bewohnt, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Häuser verlassen musste. Im Adlergebirge verschwanden Hunderte von Dörfern und Tausende von Weilern, und mit ihnen das Alltagsleben, die Traditionen und die Geschichte. Der Bauernhof, dessen Umbau das Architekturbüro No Architects übernommen hat, gehört zu solchen verlassenen Objekten. Im Laufe der Jahre diente er als Ort mit unterschiedlichster Nutzung. Die aufeinanderfolgenden Renovierungen und chaotischen Modernisierungen wurden ohne klares Konzept durchgeführt, weshalb sie zufällige Anbauten und verstreute Funktionen hinterließen.

stary dom w górach
Gebiete, die vor 1945 innerhalb der heutigen Grenzen Tschechiens überwiegend von deutschsprachiger Bevölkerung bewohnt waren. Foto: Milhaus/Wikimedia Commons

Altes Haus im Adlergebirge

Fast 70 Jahre lang verlor das Haus nach und nach seine Nutzbarkeit und seine optische Einheitlichkeit. Im Laufe der Zeit entstand rund um das Anwesen ein kleines Erholungszentrum, das unter anderem vom örtlichen Skiclub genutzt wurde. Dennoch verbesserte sich der bauliche Zustand des Gebäudes nicht und es musste weiterhin dringend saniert werden. Die Architekten begannen daher mit der Planung eines Gesamtkonzepts, das zu recht radikalen, aber notwendigen Maßnahmen führte. Diese bestanden darin, alle nachträglich errichteten Anbauten zu entfernen und das gesamte Anwesen neu zu ordnen. Der dabei anfallende Abbruchstein wurde recycelt, und die Funktionen des neuen Gebäudes wurden in einem einzigen, übersichtlichen Komplex zusammengefasst.

Ein weißes Haus auf einem Steinfundament

Die neue Vision der alten Hütte in den Sudeten basierte auf sehr konkreten Farben und Materialien. Das gesamte Gebäude ist in Schneeweiß gehalten, das alle Fassaden, Dächer und sonstigen Elemente bedeckt. Sogar das Streugut auf den Zufahrtswegen ist weiß. Das historische Haus erhielt ein neues Dach aus hochbeständigem Blech, das durch einen überdachten Holzgang mit Schiebewänden sanft in den neuen Teil übergeht. Die Gebäude stehen auf Fundamenten aus lokalem Stein, was einen Bezug zum früheren Charakter dieser Region herstellt. Die Fenster des Hauses wurden mit gehärtetem Glas und Stahlrahmen mit erhöhter Haltbarkeit gesichert. Das ist in einem so rauen Bergklima wichtig.

Bergarchitektur der Sudeten

Die Bedingungen in diesem Teil der Sudeten sind sehr anspruchsvoll. Auf einer Höhe von etwa 900 m ü.d.M. beträgt die durchschnittliche Jahrestemperatur nur etwa 4 Grad Celsius, und die Schneedecke hält sich sogar bis zu 100 Tage lang. Auf den Bergkämmen hingegen übersteigt die Anzahl der Schneetage sogar 200! Zudem treten dort häufig Nebel, starke Winde und intensive Regenfälle auf. Das Projekt musste sich daher mit schwierigen Bedingungen auseinandersetzen. Die Architekten des Büros No Architects verwendeten dafür sehr langlebige Materialien und fanden Wege, die Betriebskosten zu senken. So entstanden unter anderem ein unter der Wiese verlegter Erdwärmetauscher, eine Photovoltaikanlage auf dem Gründach sowie ein Wassersammelsystem.

Selbstversorgung und Technologie

Die technischen Einrichtungen wurden im ausgebauten Keller des alten Gebäudes untergebracht. Die aus Sonnenenergie gewonnene Energie versorgt die Heizsysteme und die Anlagen, die den gesamten Komplex betreiben. Das Wasser stammt aus einem neu gebohrten Brunnen und wird in eine biologische Kläranlage geleitet. Die Niedertemperatur-Fußbodenheizung wird durch massive Kamine ergänzt, die Wärme mit Eigenschaften abgeben, die der Sonnenstrahlung ähneln. Das Ganze funktioniert im Rahmen eines integrierten Managementsystems, das dank Satellitenverbindung aus der Ferne zugänglich ist.

Altes Haus im Orlické-Gebirge

Die Apartments und das Haus des Verwalters wurden im Geiste der Einfachheit und Nachhaltigkeit entworfen. Die Ausbaumaterialien wurden mit Blick auf die Nutzung durch Kindergruppen und Familien ausgewählt. Hier dominieren natürliche Strukturen, helle Oberflächen und widerstandsfähige Elemente. Die Innenräume sollen Freiheit und Entspannung inmitten der Berge fördern, ohne übermäßige Förmlichkeit.

Entwurf: No Architects
Team: Jakub Filip Novák, Daniela Baráčková, Klára Rašková, Lenka Juračková, Jana Kutáček Sedlická
Fotos: Studio Flusser
Drohnenaufnahmen: No Architects

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