In der luxemburgischen Gemeinde Niederanven wurde das erste gedruckte Haus des Landes gebaut. Sein „Bau“ dauerte nur eine Woche. Es handelt sich um ein Pilotprojekt, das von Coral Construction Technologies, einer Abteilung von ICE Industrial Services, in Zusammenarbeit mit ODA Architects entwickelt wurde. Im Rahmen des Projekts wird untersucht, ob mit fortschrittlichen Baumethoden robuster und erschwinglicher Wohnraum in kürzerer Zeit als mit dem herkömmlichen Hausbau geschaffen werden kann.
Kleine Grundstücke als ungenutzte Ressource
In Luxemburg herrscht ein deutlicher Mangel an Wohnraum. Der jährliche Bedarf wird auf etwa 7.000 neue Wohnungen geschätzt, während weniger als die Hälfte davon tatsächlich gebaut wird. Nur ein kleiner Prozentsatz davon sind preislich begrenzte Bauprojekte, die der breiten Bevölkerung zur Verfügung stehen. Viele Gemeinden sehen sich die restlichen Grundstücke innerhalb der Siedlung an. Diese gelten in der Regel als zu schmal oder zu ungewöhnlich geformt, um ein vollwertiges Haus zu beherbergen. Das Projekt Tiny House LUX wirft daher die Frage auf, ob es möglich ist, solche Grundstücke für kleine, gut gestaltete Häuser für Menschen zu nutzen, die in ihrem Viertel bleiben wollen.
Das gedruckte Haus – eine lokal entstandene Idee
Die Initiative ging von Bujar Hasani von ODA Architects aus, der zusammen mit den Behörden von Niederanven nach einer Möglichkeit suchte, kleine Häuser zu bauen, die den nationalen Anforderungen an Bau und Energieverbrauch entsprechen. Das Team entschied, dass der 3D-Druck von Beton auf so engem Raum am besten funktionieren würde. Ziel des Projekts war es, ein nachhaltiges und energieeffizientes Gebäude mit dem Standard eines klassischen Gebäudes zu schaffen, das im Eiltempo gebaut wird.
Vom Entwurf bis zur Installation auf dem Grundstück
ICE Industrial Services, genauer gesagt deren auf Bauautomatisierung spezialisierte Abteilung Coral Construction Technologies, wurde mit der Realisierung des Hauses beauftragt. Das Unternehmen übersetzte das Architekturmodell in eine digitale Datei, die die von den Druckrobotern benötigten Daten enthielt. Der erste Prototyp stand auf einem schmalen, länglichen Grundstück von 3,5 m Breite und 17,7 m Länge. Die Nutzfläche des Hauses beträgt 47 Quadratmeter. Die Innenaufteilung basiert auf einer klaren Achse, die den Blick über die gesamte Länge des Gebäudes führt und den kleinen Raum offener erscheinen lässt.

Der Bau brachte zwei wichtige Premieren auf dem luxemburgischen Markt. Zum ersten Mal wurde ein Wohngebäude mit lokal verfügbaren Zuschlagstoffen gebaut. Außerdem wurde zum ersten Mal eine Holzplattform mit Schraubfundamenten anstelle der traditionellen Betonfundamente verwendet. Durch diese Art der Gründung wird das Gewicht des gesamten Gebäudes verringert und der Umfang der Erdarbeiten begrenzt. Der Druck wurde mit einer mobilen Coral-Einheit unter Verwendung von Standardbeton aus einem örtlichen Werk ausgeführt. Weltweit gibt es nur wenige Systeme, die mit diesem Material arbeiten können, ohne spezielle Mischungen importieren zu müssen. Der Druck selbst dauerte etwa eine Woche, während die vollständige Realisierung mit der Fertigstellung vier Wochen in Anspruch nahm.
Die Technologie ermöglicht die Gestaltung von Details während des Drucks. In diesem Fall wurden unter anderem eine Duschnische und ein Platz für ein verdecktes Regal geschaffen, was die Installationszeit der Armaturen verkürzte und das Schmieden der Wände überflüssig machte.
Das gedruckte Haus – Materialien und Effizienz
Der Aufbau besteht aus Holz und mineralischen Elementen ohne synthetische Zusätze. Der hölzerne Sockel und das geringe Gewicht des Daches ermöglichen einen problemlosen Rückbau des Gebäudes in der Zukunft. Durch das Druckverfahren selbst wird nur so viel Material eingebracht, wie tatsächlich benötigt wird, was den ökologischen Fußabdruck reduziert. Die Energieversorgung des Hauses erfolgt über Photovoltaikmodule. Auch hier wurde eine Fußbodenheizung auf der Basis von Heizfolien eingesetzt. Nach Süden ausgerichtete Fenster- und Türöffnungen verbessern die Energiebilanz in den kälteren Monaten.
Realistische Nutzung und Schlussfolgerungen für die Gemeinden
Das Tiny House LUX hat sowohl eine Wohn- als auch eine Forschungsfunktion. Die Gemeinde unterstützt das Projekt, um zu sehen, wie eine solche Methodik auf einem realen Grundstück funktioniert. Das Modell zeigt eine qualitativ hochwertige und umweltschonende Ausführung und ermöglicht eine Verdichtung der Bebauung, die die bestehende Struktur der Städte und Dörfer nicht beeinträchtigt. Das digitale Verfahren, die Möglichkeit, lokalen Beton zu verwenden, und die Mobilität der Ausrüstung machen die Lösung leicht anpassbar für weitere Grundstücke mit ähnlichen Parametern.
Gedrucktes Haus und Entwicklungsmöglichkeit auf schwierigen Grundstücken
In vielen Städten und Gemeinden gibt es ungenutzte Grundstücke mit ungewöhnlichen Formen. Wenn ein klarer Vereinbarungsweg und ein Katalog replizierbarer Lösungen geschaffen wird, kann das Drucken vor Ort mit lokalen Materialien den Bau neuer, energieeffizienter Häuser dort beschleunigen, wo Menschen bereits arbeiten, lernen und leben. Tiny House LUX schafft ein Beispiel, das als Grundlage für künftige Entwicklungen dienen kann und den Weg für die effektive Erschließung kleiner, bisher übersehener Grundstücke ebnet.
Projekt: ODA Architekten
Preis: 317.000 €
Fotos: BoysPlayNice
Lesen Sie auch: Architektur | Interessante Fakten | Technik | Beton | Einfamilienhaus | whiteMAD auf Instagram


















