Die Zusammenarbeit von Aleksandra Mętlewicz und Maciej Jasina vom ICH Studio mit Agnieszka und Filip – den Eigentümern des Hauses in Kiekrz bei Posen – begann mit einer Freundschaft. Die persönlichen Beziehungen sorgten nicht nur für einen professionellen Ablauf der Arbeiten, sondern führten auch zu einer offeneren und ehrlicheren Kommunikation zwischen den Bauherren und den Architekten. Dadurch konnten die Designer ein bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Interieur schaffen. Wie sieht dieses Familienhaus aus? Seht selbst.
Die Beziehung zwischen den Planern und den Eigentümern schuf Raum für bewusstes Experimentieren. Es ging nicht um Originalität um der Originalität willen, sondern darum, Lösungen zu finden, die der Sensibilität der Bewohner, ihrem Budget und ihren alltäglichen Bedürfnissen entsprechen. Jedes nicht standardmäßige Element hatte seine Berechtigung und wurde ausführlich besprochen. Obwohl sich die ersten Inspirationen von Agnieszka und Filip um ruhige Japandi- und skandinavische Interieurs drehten, stellte sich schnell heraus, dass sie ein Haus mit Charakter suchten und keine Scheu vor Farbe und mutigen Entscheidungen hatten. Die Designer mussten also eine Formensprache finden, die ihr Temperament widerspiegelt, anstatt ihre Inspirationen lediglich wörtlich in den Entwurf zu übertragen.
Agnieszka selbst hat es treffend zusammengefasst: „Das Beste daran ist, dass selbst ich nicht wusste, dass ich genau so ein Haus wollte, wie ich es jetzt habe, und ihr wusstet es.“ Für ICH Studio sind genau solche Momente der Kern des Designs – die Schaffung eines Raums, den die Bewohner als ihren eigenen erkennen, auch wenn sie ihn sich zuvor nicht vorstellen konnten.
Offener Wohnbereich
Den zentralen Teil des Hauses bildet ein offener Wohnbereich, der Wohnzimmer, Küche und Esszimmer miteinander verbindet. Auf der einen Seite befinden sich das Schlafzimmer der Eigentümer, eine Toilette und ein Hauswirtschaftsraum, auf der anderen Seite Leons Zimmer sowie das Gästezimmer. Die Aufteilung in einen Gemeinschaftsbereich und private Flügel wurde durch die Materialwahl unterstrichen – die Flure wurden mit natürlichem Eichenfurnier verkleidet, und die Türen wurden in den Holzflächen versteckt, sodass die Wegeführung die Wände nicht durch willkürliche Einschnitte unterbricht.

Eine der wichtigsten Entscheidungen war die Umkehrung der ursprünglichen Anordnung des Wohnzimmers. Anstelle der klassischen Platzierung des Sofas in der Mitte schlugen die Designer ein maßgefertigtes Multifunktionsmöbelstück vor. Auf der Eingangsseite bietet es Platz für Schlüssel, einen großen Kleiderschrank sowie eine Sitzbank mit Schubladen für Schuhe, während es auf der Wohnzimmerseite in eine TV-Einbaueinheit übergeht. Es handelt sich um eine räumliche Komposition aus ineinander übergehenden Elementen aus Holz, Stahl und Spiegel – durch den verspiegelten Sockel wirkt das Ganze, als würde es über dem Boden schweben.
Natürliche Materialien
Im gesamten Haus wurden natürliche, schlichte Materialien verwendet: Eichenfurnier, Mikrozement, Stahl, Stein und Spiegel. Die ruhige Grundstimmung wird durch kräftige Akzente durchbrochen – eine ziegelrot-korallenfarbene Kücheninsel sowie ein intensiv grünes Sofa. Die kräftige Farbe verleiht dem Interieur Energie und einen individuellen Charakter.
Über dem Esstisch hängen Papierlampen von &Tradition, deren sanftes Licht die Geometrie der Einbauten ausgleicht. Im Wohnzimmer befindet sich außerdem ein Akustikbild von Acustio – der subtile Farbverlauf verbessert die Akustik des offenen Raums und ist ein Beispiel für ein Element, das Ästhetik und Funktion vereint.

Küche, Leons Zimmer und private Räume
Die Küche ist vollständig zum Esszimmer und zum Wohnzimmer hin offen und bildet so einen natürlichen Teil des Alltags. Ihr Mittelpunkt ist eine ziegelrot-korallenfarbene Kücheninsel, die speziell für dieses Haus entworfen wurde. Ein Teil des Sockels ist mit Holz verkleidet, ein anderer Teil mit einem Spiegel, was dem massiven Körper Leichtigkeit verleiht und je nach Blickwinkel für Abwechslung sorgt. Naturholz, eine Arbeitsplatte aus Stahl und lichtreflektierende Oberflächen bilden den Hintergrund für Keramik, Bücher und Pflanzen – der Raum ist stimmig, wirkt aber nicht gekünstelt.
Leons Zimmer entstand rund um seine Faszination für den Weltraum. Anstelle einer neutralen, beigen Ästhetik wurde ein energiegeladener Raum entworfen, der auf Rot-, Blau- und Dunkelgrüntönen basiert. Das wichtigste Element ist eine Wand mit einer Illustration einer Rakete und Planeten, ergänzt durch rote Möbel und ein tiefblaues Regal der Marke Tylko. Offene Regalböden bieten Platz für Sammlungen, Bücher und Modelle, während verschließbare Module dabei helfen, Ordnung zu halten. Das Zimmer ist ausdrucksstark, fröhlich und bereit, gemeinsam mit Leon zu wachsen.
Das Schlafzimmer der Eigentümer ist ruhiger – hier dominieren natürliche Eiche und eine helle Farbpalette. Schränke, Holzgriffe, Kopfteil, Frisiertisch und Regale wurden speziell für diesen Raum entworfen. Die zurückhaltende Farbpalette bedeutet keineswegs Anonymität, denn den Charakter bestimmen Proportionen, originelle Formen und präzise Details.
Das Badezimmer wurde in einen neutralen Nassbereich und einen ausdrucksstarken Eingangsbereich unterteilt. Die Wände sind mit kleinen Ziegelfliesen verkleidet, und dieselbe Farbe findet sich auch bei den Einbauten und am Waschbecken wieder. So entstand ein monochromer Total-Look, der durch ein Raster aus hellen Fugen strukturiert wird – die intensive Farbe macht den kleinen Raum zu einem der einprägsamsten Orte im Haus.

Alltag und Konsequenz
Die Eigentümer waren der Meinung, dass auch der Hauswirtschaftsraum seinen eigenen Charakter haben sollte. Dort wurden ein dunkelblauer Akzent, heller Aglomarmor auf der Arbeitsplatte und an der Wand sowie eine funktionale Einbaukombination mit einer Kleiderstange integriert. Da dieser Raum fast täglich genutzt wird, wurde er so gestaltet, dass er nicht nur praktisch, sondern auch angenehm ist.
Bei der Gestaltung des Hauses in der Nähe von Posen ging es nicht darum, effekthascherische Ideen durchzusetzen, sondern um die konsequente Umsetzung eines stimmigen Konzepts, das dank des Vertrauens der Eigentümer und der Erfahrung von ICH Studio möglich wurde. Genau in diesem Ansatz sehen Aleksandra Mętlewicz und Maciej Jasina den Sinn ihrer Arbeit – nicht darin, einen einzigen Stil aufzuzwingen, sondern darin, für jeden Kunden einen Raum zu finden, den er sich vielleicht gar nicht vorstellen kann, den er später aber als seinen eigenen erkennt.
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Über das Studio:
ICH Studio besteht aus Aleksandra Mętlewicz, Innenarchitektin, und Maciej Jasina, Architekt. Die Entscheidung, ein gemeinsames Studio zu gründen, war die natürliche Folge langjähriger Arbeit an privaten und gewerblichen Projekten, die sowohl einzeln als auch gemeinsam realisiert wurden. Der Name ICH bezieht sich einerseits auf „er und sie“, also zwei Perspektiven, Erfahrungen und Sensibilitäten. Wichtiger ist jedoch die zweite Bedeutung: Jeder Innenraum soll in erster Linie ein Raum für seine Bewohner sein. Kein weiteres Projekt, das einem einzigen Stil des Büros untergeordnet ist, sondern ein Entwurf, der sich aus dem Charakter, dem Alltag, dem Budget und den Bedürfnissen konkreter Menschen ergibt. Der Sitz von ICH Studio ist zugleich Atelier und Treffpunkt. Aleksandra und Maciej laden ihre Kunden dorthin ein und zeigen ihnen nicht nur, wie sie entwerfen, sondern auch, wie sie selbst mit den Materialien und Lösungen leben, die sie vorschlagen. Glaubwürdigkeit und persönliche Erfahrung sind für sie ebenso wichtig wie Ästhetik. Das hier vorgestellte Haus ist das erste Projekt, das offiziell unter dem Namen ICH Studio veröffentlicht wurde, und verdeutlicht gut die Werte, auf denen das Studio seine Tätigkeit aufbauen möchte.
Entwurf: Aleksandra Mętlewicz und Maciej Jasina – ICH Studio
Fotos: MIGDAŁ Studio
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