In Florenz entsteht ein neues Terminal für den Flughafen Amerigo Vespucci. Interessanterweise wird es auf dessen Dach einen vollwertigen Weinberg geben. Die Grünfläche soll das Gebäude in die toskanische Landschaft einfügen und die Bedeutung der Region für den weltweiten Weinbau unterstreichen. Das Konzept des Architekturbüros von Rafael Viñoly entstand mit dem Ziel, die Denkweise über Verkehrsanlagen zu verändern und den Schwerpunkt von rein funktionalen Baukörpern auf komplexere Beziehungen zur Umgebung und zum Umfeld zu verlagern.
Das neue Terminal in Florenz
Das markanteste Element des gesamten Projekts ist ein weitläufiger Weinberg mit einer Fläche von etwa 7,7 Hektar, der sich über das sanft geneigte Dach des Gebäudes erstreckt. Geplant ist, dort 38 parallele Rebreihen anzupflanzen, die aus der Luft betrachtet einen geordneten Rhythmus bilden und gleichzeitig eine praktische Funktion erfüllen. Der Anbau hat nicht nur eine symbolische Bedeutung, die mit der jahrhundertealten Tradition der Weinherstellung in dieser Region Italiens verbunden ist. Die Trauben werden vor Ort geerntet und in speziell dafür konzipierten Kellern unter dem Dach verarbeitet.
Entwurf des Architekturbüros von Rafael Viñoly
Der neue Terminal wurde für die Abfertigung von über 5,9 Millionen Passagieren pro Jahr konzipiert. Die funktionale Anordnung des Gebäudes basiert auf einer einfachen, übersichtlichen Komposition, bei der sich die Ankunfts- und Abflugbereiche gegenüberliegen, auf beiden Seiten eines weitläufigen Raums, der an eine städtische Piazza erinnert. Ein solches Schema erleichtert die Orientierung erheblich. Vom Eingangsbereich führen Rolltreppen zu einer höher gelegenen Ebene mit Passkontrolle, Einkaufsbereich und Gastronomie. Weiter geht es in die Abflughalle mit Blick auf die Startbahn und die umliegenden Hügel.

Weingut auf dem Dach des Aeroporto Internazionale di Firenze Amerigo Vespucci
Die Konstruktion der Überdachung wurde den Anforderungen des Weinbaus und der Innenbeleuchtung angepasst. Die mit Sträuchern bewachsenen Erdstreifen werden durch längliche Oberlichter getrennt, die Tageslicht in den Terminalraum leiten. Jeder Streifen ist mehrere Meter breit und mehrere hundert Meter lang, was zu einer markanten Dachstruktur führt, die in der toskanischen Landschaft wohlbekannt ist. Die gewählte Gebäudekonstruktion ermöglicht die Erhaltung der Bodenschicht und der Bewässerungssysteme und lässt gleichzeitig Flexibilität bei der Innenraumgestaltung. Das Gründach wirkt sich zudem auf die Energiebilanz des Gebäudes aus und verbessert dessen Wärmedämmung.
Neues Terminal mit Gründach
Der Entwurf des Büros Rafael Viñoly Architects berücksichtigt ein ausgebautes öffentliches Verkehrssystem, darunter eine Stadtbahnlinie, die eine reibungslose Anbindung des Flughafens an die Stadt und die gesamte Region gewährleistet. Auch die Start- und Landebahn wurde umgebaut. Seine Ausrichtung wurde um 90 Grad gedreht und die Landebahn verlängert, was den Betrieb größerer Flugzeuge ermöglicht und die Sicherheit des Flugbetriebs in dem schwierigen Gelände verbessert. Das gesamte Projekt wurde unter Berücksichtigung hoher Umweltstandards entwickelt, was sich im Bestreben widerspiegelt, die LEED-Platinum-Zertifizierung zu erhalten.
Entwurf: Rafael Viñoly Architects
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