Ein Gebäude mit preisgünstigen Wohnungen in Wrocław. Es ist ein Projekt eines Studenten

„t.bs – tu. blisko swoich“ ist ein Abschlussprojekt von Martyna Chudalewska, einer Architekturstudentin der Technischen Universität Wrocław. Ein von ihr entworfenes Mehrfamilienhaus könnte in der Rychtalska-Straße in Wrocław gebaut werden. Martyna Chudalewska bereitete ihr Projekt mit der inhaltlichen Unterstützung von Łukasz Wojciechowski, Ph.

Polen sieht sich mit einer zunehmenden Wohnungsknappheit konfrontiert, und insbesondere Wrocław spürt den Druck der steigenden Immobilienpreise. Der Durchschnittspreis pro Quadratmeter liegt in der Stadt bereits bei 11 200 PLN, während er in prestigeträchtigen Wohnsiedlungen wie Zacisze mehr als 14 000 PLN beträgt. Bei einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 6 900 PLN müsste ein Durchschnittsbürger fast 11 Jahre lang sein gesamtes Nettoeinkommen zur Seite legen, um eine Wohnung in Standardgröße zu kaufen. Auf dem Mietmarkt geben die Haushalte mit den niedrigsten Einkommen 20-40 % ihres Einkommens für die Miete aus, während dieser Indikator in vielen Ländern der Europäischen Union 20 % nicht überschreitet.

Mieterfreundliche Architektur

Als Antwort auf diese Herausforderungen wurde das Projekt „t.bs – tu. close to your own“ von Martyna Chudalewska ins Leben gerufen. Das Gebäude in der Rychtalska-Straße in Wrocław, das nach der Formel der Sozialen Wohnungsbaugesellschaft entwickelt wurde, ist der Beweis dafür, dass sozialer Wohnungsbau erschwingliche Preise mit hochwertiger Architektur verbinden kann. Das Projekt erhebt sich direkt am Ufer der Alten Oder, neben dem historischen Getreidespeicher, dessen industrielle Silhouette als landschaftsprägende Dominante des gesamten Komplexes behandelt wurde.

Gemeinschaftsfreundlicher Raum

Das Gebäude verfügt über 38 Wohnungen unterschiedlicher Größe und Aufteilung, die von kompakten Studios bis hin zu geräumigen Familienwohnungen reichen. Jede Wohnung hat Zugang zu einem Balkon, einer Loggia oder einem privaten Garten, und die sorgfältig gestalteten Innenräume sorgen für optimale Belichtung und Komfort bei der täglichen Nutzung. Das Gebäude wird durch eine umfangreiche gemeinsame Infrastruktur ergänzt: Fahrradraum, Waschküche, Kinderwagenraum, Nachbarschaftsraum und eine Bäckerei im Erdgeschoss des Gebäudes. Auf diese Weise finden die Bewohner in der neuen Siedlung ein nahezu autarkes Umfeld vor, das den Aufbau lokaler Bindungen fördert.

Zentraler Akzent des Projekts ist das begrünte Atrium, das einen Spielplatz und Ruhezonen umfasst. Auf dem Dach des Gebäudes ist ein öffentlicher Erholungsraum mit Panoramablick auf die Oder als natürliche Erweiterung des Stadtparks angelegt. Das Konzept „here. close to your own“ betont die nachbarschaftlichen Beziehungen und die Nachhaltigkeit der Gemeinschaft und stellt das Wohlbefinden der Bewohner über die maximale Nutzung der einzelnen Grundstücke.

Respekt vor Kontext und Natur

Die niedrige, horizontale Form des Gebäudes wurde an den Maßstab der Nachbarschaftsbebauung angepasst, um nicht mit dem historischen Aufzug zu konkurrieren. Dank eingehender Landschafts- und Umweltanalysen konnten die meisten der vorhandenen Bäume erhalten werden, so dass der Eingriff in das natürliche Grün auf ein Minimum reduziert wurde. So fügt sich ‚t.bs – tu. close to its own‘ in das Stadtgefüge ein und bildet eine freundliche Kulisse zu den benachbarten Bauwerken.

Das Projekt entspricht den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung durch die Verwendung von begrünten Dächern auf mehr als 70 Prozent der Fläche und Regenwasserrückhaltesystemen. Darüber hinaus wurde eine Infrastruktur für erneuerbare Energiequellen vorbereitet, die die Betriebskosten senken und den CO2-Fußabdruck reduzieren wird. Martyna Chudalewska ließ sich von lokalen Entwicklungen wie New Żerniki und europäischen Beispielen für Gemeinschaftswohnungen inspirieren: Byker Estate in Newcastle, Malminkartano in Helsinki oder La Mémé in Brüssel. Ihnen allen gemeinsam ist die Überzeugung, dass das Recht auf Wohnen kein Luxus ist, sondern die Grundlage für soziale Gleichheit.

Architektur als Instrument des Wandels

In einer Zeit, in der Immobilien immer mehr die Rolle von Investitionsgütern spielen, erinnert uns ‚t.bs – here. close to your own‘ daran, dass Architektur den Bewohnern und dem Aufbau gerechter Städte dienen sollte. Martyna Chudalewska beweist, dass die Gestaltung von Zugänglichkeit und Gemeinschaft zu einer Kraft für einen echten sozialen Wandel werden kann.

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Über die Autorin:

Martyna Chudalewska – Studentin an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Wrocław. In ihren Projekten konzentriert sie sich auf einen sozial verantwortlichen Ansatz in der Architektur und achtet dabei auf den Kontext und die alltäglichen Bedürfnisse der Nutzer. Sie interessiert sich für die Themen barrierefreier Wohnraum, partizipatives Design und die Auswirkungen des Raums auf das Wohlbefinden der Bewohner.

entwurf: Martyna Chudalewska

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