Ein Haus aus Kartons. Das ungewöhnliche Light House in Amsterdam

Das „Light House“ in Amsterdam ist ein Haus, das die Art und Weise, wie man Räume erleben kann, neu definiert. Entworfen von den Architekten des Büros Studioninedots, entstand es als Antwort auf den Wunsch eines Paares mit zwei Kindern, das von einem Ort träumte, der Nähe fördert – sowohl innerhalb der Familie als auch in der Beziehung zur Umgebung. Die Architekten erhielten nahezu völlige gestalterische Freiheit, und das Ergebnis ist ein Gebäude, das wie eine vertikale Landschaft aus Licht, Luft und wechselnden Perspektiven wirkt.

Das Haus steht auf Centrumeiland – einem neuen Stadtteil von Amsterdam, wo individuelles Bauen und ein nachhaltiger Ansatz in der Architektur Teil des lokalen Charakters sind. Das Light House zeichnet sich durch eine Komposition aus, die an eine Anordnung von scheinbar frei angeordneten Kisten erinnert. Jede von ihnen beherbergt eine andere Aktivität: Kochen, gemeinsame Zeit verbringen, Ausruhen, Arbeiten oder Treffen mit Freunden. Anstatt das Familienleben auf das Erdgeschoss zu konzentrieren, haben die Architekten es auf mehrere Ebenen verteilt und so eine Struktur geschaffen, die man nicht nur im Inneren, sondern auch auf ihren Flächen und zwischen ihnen bewohnen kann.

Architektur aus Kisten

Beim Bewegen durch das Haus erleben die Bewohner wechselnde Beziehungen zwischen den Räumen. Es entstehen gemütliche Nischen, ideal zum Arbeiten oder Ausruhen, sowie hohe, lichtdurchflutete Freiräume, die den Kontakt zur Umgebung verstärken. Direkt über der Küche (dem Herzstück des Hauses) schwebt ein ruhiger, in der Struktur schwebender Raum. Dies ist eine private Entspannungszone, die zum Lesen, für Yoga, zum Filme schauen oder einfach für einen Moment der Einsamkeit gedacht ist.

Neue Wege, das Haus zu nutzen

Der untere Teil des Gebäudes wurde mit einer Wand aus quadratischen Glasbausteinen verkleidet. Diese lassen diffuses Licht durch und verwischen gleichzeitig die Schärfe des Blicks von außen. Dadurch ist das Leben der Bewohner von der Straße aus nur in Form abstrakter Umrisse sichtbar, was ein Gleichgewicht zwischen Offenheit und Privatsphäre gewährleistet. Das Motiv des Quadrats kehrt auch in den Stahlelementen an der Gartenfassade wieder und verleiht dem Baukörper einen einheitlichen, ausdrucksstarken Charakter.

Auf der obersten Ebene haben die Architekten einen Raum geschaffen, der als „Ferienhaus“ bezeichnet wird – ein hoher Raum mit gewölbten, bis zur Decke reichenden Fenstern, der sich zur Terrasse mit Blick auf den IJmeer hin öffnet. Es ist ein Ort der Begegnung, des Feierns und der gemeinsamen Erholung. Die gesamte Struktur wurde so konzipiert, dass sie sich mit der Familie verändern kann: Die einzelnen „Kästen“ lassen sich neu interpretieren, umgestalten und auf neue Weise nutzen.

Ein Haus, das mit der Familie wächst

Das Light House wurde als leichte Stahlkonstruktion mit vorgefertigten Holzelementen errichtet. Ein solches modulares System fördert Flexibilität, einfache Demontage und eine langfristig nachhaltige Nutzung. Das Haus verwaltet das Wasser auf dem eigenen Grundstück und fügt sich so in die ökologischen Ambitionen der Insel ein.

Das Ergebnis ist eine Architektur, die dazu inspiriert, den Raum neu zu entdecken. Light House verbindet intensive und ruhige Momente, offene und geschützte Bereiche und schafft so ein Haus, das zugleich überraschend und tief auf seine Bewohner abgestimmt ist. Es ist ein Ort, der ständig zur Interaktion einlädt – mit den Liebsten, mit der Umgebung und mit dem Raum selbst. Auf diese Weise entstand ein Haus, das wir meist mit der Landschaft japanischer Städte assoziieren.

Entwurf: Studioninedots

Fotos: Sebastian van Damme

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