Das Wohnhaus in der Chmielna-Straße 130 in Warschau wurde in das Denkmalregister eingetragen. Das Gebäude stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und besitzt einen besonderen, vielschichtigen Wert. Es überstand nämlich die enormen Zerstörungen der Stadt während des Zweiten Weltkriegs und verfügt trotz seines Leerstands weiterhin über unschätzbare Elemente der ursprünglichen Ausstattung, darunter das Treppenhaus und die Torpassage. Zusammen mit den benachbarten Mietshäusern bildet es zudem ein denkmalgeschütztes Zeugnis der früheren, typischen Bebauung dieser Gegend. Die Entscheidung über die Eintragung traf der Denkmalschutzbeauftragte der Woiwodschaft Masowien, Marcin Dawidowicz.
Chmielna 130 – Entstehungsgeschichte
Das Gebäude an der Adresse Chmielna 130 entstand in den Jahren 1896–1897 auf Initiative von Naftal und Frajda Nisenszal, Vertretern der jüdischen Gemeinde, die im Handel und im Immobiliengeschäft tätig waren. Das Objekt wurde als Mietshaus errichtet, das für die Vermietung von Wohnungen unterschiedlichen Standards sowie von Gewerbeflächen im Erdgeschoss bestimmt war. Seine Lage am westlichen Abschnitt der Chmielna-Straße gehörte damals zu den sehr attraktiven Adressen des sich entwickelnden Stadtteils Wola, in der Nähe wichtiger Verkehrswege und der Eisenbahn. Das hohe architektonische Niveau des Gebäudes, die Verwendung langlebiger Materialien sowie die Verzierungen deuten darauf hin, dass sich das Projekt an die wohlhabenderen Einwohner der Stadt richtete, darunter Kaufleute und Handwerker.
Die Geschichte des Gebäudes bis 1939
Im Laufe der folgenden Jahre wechselte das Mietshaus mehrmals den Besitzer, was für solche Objekte im dynamisch wachsenden Warschau der Jahrhundertwende typisch war. Dennoch behielt das Gebäude seine Wohn- und Dienstleistungsfunktion sowie seinen ursprünglichen Grundriss bei, mit einer deutlichen Trennung zwischen dem Vorderhaus und dem Hinterhaus. Das Objekt veranschaulicht gut die intensive Entwicklung des Mietwohnungsbaus an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, insbesondere in den von Juden bewohnten Stadtteilen, die eine sehr wichtige Rolle bei der Gestaltung dieses Teils der Stadt spielten. In Dokumenten und Überlieferungen aus dieser Zeit wurde der hohe Standard der Wohnungen hervorgehoben, u. a. das Vorhandensein einer Ofenheizung sowie die Sorgfalt bei der Ausführung einzelner Details.

Der Zweite Weltkrieg
Die Geschichte des Wohnhauses wurde stark von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs geprägt, die zur Zerstörung eines Großteils der Warschauer Bebauung führten. Das Gebäude befand sich bereits im September 1939 im Bereich intensiver Kämpfe um den Hauptbahnhof und den Postbahnhof, als die Umgebung Ziel von Bombardements und Artilleriefeuer war. Anschließend wurde dieses Gebiet zum Schauplatz von Kämpfen während des Warschauer Aufstands. Anfang August und im September 1944 gab es in der Nähe Widerstandsnester der Aufständischen, darunter Einheiten der Gruppe „Chrobry II“, die um die Verteidigung strategischer Eisenbahn- und Verkehrseinrichtungen kämpften. Dennoch überstand das Wohnhaus die Kämpfe nahezu unbeschadet.
Chmielna 130 – weitere Geschichte
Nach 1945 erwogen die neuen Behörden den Abriss eines Großteils der erhaltenen Bebauung in diesem Viertel. All dies geschah im Rahmen einer groß angelegten Neugestaltung des Stadtraums von Warschau sowie neuer Konzepte für den Wiederaufbau und die Erweiterung der Stadt. Letztendlich blieb ein Teil der nördlichen Fassadenreihe der Chmielna-Straße mit dem Wohnhaus Nr. 130 erhalten. Leider erfuhren die drei Nachbarhäuser nie eine echte Renovierung. Langjährige Vernachlässigung führte zu einer systematischen Verschlechterung des Zustands dieser Gebäude. Dies hatte schließlich zur Folge, dass fast die gesamte Fassadendekoration (mit Ausnahme des Erdgeschosses) abgetragen und die Balkone entfernt wurden, da sie als gefährlich für Anwohner und Passanten eingestuft wurden. Derzeit steht das Mietshaus leer.
Erhaltene Ausstattung des Gebäudes
Trotz dieser schwierigen Geschichte hat das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert seinen ursprünglichen Grundriss mit einem Innenhof sowie einen Teil der historischen Verzierungen bewahrt. Das Erdgeschoss ist nach wie vor mit eleganter Bossenwerkverkleidung versehen, und in den Schaufenstern der Geschäfte sind noch immer kunstvolle Metallarbeiten zu sehen. Leider ist von der reich verzierten Fassade heute keine Spur mehr zu sehen. Die Balkone wurden früher von gusseisernen Konsolen mit massiver, profilierter Form getragen. Heute ragen sie wie Stümpfe aus der Fassade heraus. Sehr interessant ist der erhaltene Torbogen mit seiner gesamten, von verschiedenen Stilen inspirierten Verzierung. Im Inneren des Hauses fällt das in Weiß- und Blautönen gehaltene Treppenhaus mit seinen verzierten Podesten und bemalten Wänden ins Auge. Erhalten geblieben sind auch der Kachelofen, der den Flur beheizt, sowie die originale Türverkleidung mit wunderschönen Schnitzereien. Im Gebäude sind zudem gusseiserne Geländer, Stoßleisten und Keramikfliesen zu sehen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Eintragung des Mietshauses in das Denkmalregister den Weg für die lang ersehnte Renovierung ebnet und das rettet, was die Geschichte nicht zerstört hat.
Quelle: Denkmalschutzbehörde der Woiwodschaft Masowien
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