fot. Justyna Śmidowicz

Ein interaktiver Reiseführer für Posen, erstellt von Frauen

„Einführung in Posen. Ein Reiseführer durch das Herz der Stadt“ ist ein Eigenprojekt von Asia Lip, das aus einer inneren Notwendigkeit heraus entstanden ist und dem Wunsch entspringt, die Stadt auf eine aufmerksamere und ästhetischere Weise zu beschreiben als in klassischen Publikationen. Dieser interaktive Reiseführer durch Posen, der vollständig von Frauen erstellt wurde, umfasst fast 500 Seiten und erzählt von der Stadt, die sich in den Mietshäusern, Hinterhöfen und Details verbirgt.

Es handelt sich nicht um eine Sammlung von kurzen Empfehlungen oder eine Liste von „Must-See“-Orten. Stattdessen entstand eine sorgfältig gestaltete städtische Erzählung, in der die Architektur zum Ausgangspunkt für eine Geschichte über die Identität der Stadt wird. Neben den bekanntesten Orten im Stadtzentrum finden sich hier Mietshäuser, Gassen, Hinterhöfe, Fassaden, Details und weniger offensichtliche Orte, die den Charakter von Posen mitprägen.

VON DER STÄDTISCHEN LEIDENSCHAFT ZU EINEM FÜNFJÄHRIGEN PROJEKT

Initiatorin des Projekts ist Asia Lip, Stadtführerin des PTTK in Posen, bekannt durch ihr Profil @poznanska_kamienica, auf dem sie seit Jahren Gebäude, architektonische Details und deren Geschichten zeigt. Im Jahr 2020 lernte sie Jagoda Jankowska kennen, eine Grafikdesignerin und Illustratorin, die heute für die visuelle Gestaltung der Marke Mood Scent Bar verantwortlich ist. Die gemeinsame Leidenschaft für die Stadt, Architektur, Geschichte und das Erzählen von Geschichten über den Raum entwickelte sich schnell zu der Idee, ein modernes Kompendium des Wissens über Posen zu schaffen.

Zu Beginn fehlte noch eine wichtige Person: eine Fotografin. Auf die Anzeige von Asia und Jagoda auf Instagram meldeten sich viele Interessenten, doch erst mit Justyna Śmidowicz fanden sie sofort eine gemeinsame Sprache und visuelle Sensibilität. Die Mädchen trafen sich zum ersten Mal am Faschingsdonnerstag 2021, und in den folgenden Jahren durchstreiften sie gemeinsam die Stadt auf der Suche nach Motiven, Materialien und Geschichten, aus denen sich eine vielschichtige Erzählung über Posen zusammenfügen ließ.

Im Jahr 2024 waren die Texte und Fotos fertig. Damals lernte Asia durch einen glücklichen Zufall Marika Krystman kennen, die die Redaktion des Textes übernahm. Auch weitere Personen aus dem Bekanntenkreis der Initiatorinnen schlossen sich dem Projekt an: die Korrektorinnen Ela Woźniak und Julita Paprotna sowie Sylwia Mosińska, die für den Satz der Publikation verantwortlich war.

EIN PROJEKT, DAS SICH DEN KANONEN EINES REISEFÜHRERS ENTZIEHT

Obwohl die Arbeiten am Reiseführer im Jahr 2025 abgeschlossen wurden, verging noch einige Zeit, bis das Projekt das Licht der Welt erblickte. Der Grund? Seine Form entzog sich von Anfang an den üblichen verlegerischen Rahmenbedingungen.

Ein gewagtes Konzept, ein Nischenthema und der umfangreiche Umfang schreckten potenzielle Verlage von einer Zusammenarbeit ab. Das Team beschloss jedoch, nicht von den ursprünglichen Plänen abzuweichen und seiner Vision treu zu bleiben. Letztendlich entschieden sich die Autorinnen dafür, den Reiseführer selbst in elektronischer Form zu veröffentlichen.

Diese Lösung erwies sich nicht nur als praktisch, sondern auch als sehr im Einklang mit der Idee des Projekts stehend. Die digitale Form ermöglichte es, die Ästhetik der Publikation zu bewahren und gleichzeitig ein Werkzeug zu schaffen, das sich bequem während eines Spaziergangs durch die Stadt nutzen lässt.

POZNAŃ, ERZÄHLT DURCH DIE ARCHITEKTUR

„Einführung in Posen“ ist nicht als klassischer Reiseführer konzipiert. Es ist vielmehr der Versuch, die Stadt anhand ihrer Struktur, ihres Rhythmus und ihrer Details zu zeigen – also anhand dessen, was im Alltag oft unbemerkt bleibt und gleichzeitig die Atmosphäre von Posen mitprägt.

Die Publikation umfasst sowohl repräsentative Orte im Stadtzentrum als auch Mietshäuser, Hinterhöfe, Gassen und weniger offensichtliche Orte. Dadurch bewegt sich der Leser nicht nur an den bekanntesten Adressen, sondern hat die Möglichkeit, die Stadt auf eine organischere und bewusstere Weise zu erleben.

Foto: Justyna Śmidowicz

Die Autorinnen des Reiseführers konzentrieren sich nicht nur auf die Geschichte der Gebäude, sondern auch auf ihre weniger sichtbaren Elemente, die Veränderungen, denen sie unterlagen, sowie auf den städtebaulichen Kontext, der tief in der komplexen Vergangenheit der Stadt verwurzelt ist. Gerade diese Achtsamkeit macht das Projekt sowohl für Einwohner als auch für Menschen interessant, die Posen zum ersten Mal besuchen.

Ein wesentlicher Teil dieser Erzählung sind auch Archivmaterialien, Fotografien, historische Ansichten und Quellen, die es ermöglichen, die Veränderungen bestimmter Straßen, Plätze, Fassaden und anderer Teile des städtischen Gefüges nachzuzeichnen. Diese Gegenüberstellung zeitgenössischer Fotos mit dem historischen Kontext sorgt dafür, dass der Reiseführer nicht nur als Werkzeug für die Erkundung des Hier und Jetzt dient, sondern auch als eine Form des städtischen Dokuments und des visuellen Archivs.

EIN REISEFÜHRER, DEN MAN UNTERWEGS NUTZEN KANN

Die Stärke des Projekts liegt nicht nur in seinem Inhalt, sondern auch in seiner Form. Der Reiseführer wurde als modernes, interaktives Werkzeug konzipiert, das an die heutige Art des Stadtbesuchs angepasst ist.

Anstelle einer schweren Papierpublikation erhält der Nutzer eine Lösung, die unterwegs genutzt werden kann – beim Spaziergang, beim Verweilen vor einer Fassade oder bei der Planung der eigenen Route. Das Projekt verbindet ausführliche Beschreibungen mit Fotomaterial, einer übersichtlichen Routenstruktur, Links zu Google Maps sowie Archivfotos und Quellenmaterial.

Dies ist heute besonders wichtig, da wir von Reiseführern immer häufiger nicht nur Wissen, sondern auch Intuition, eine gute Erzählweise und eine ansprechende visuelle Gestaltung erwarten.

Foto: Justyna Śmidowicz

DIE STADT MIT DEN AUGEN DER FRAUEN

Der interaktive Reiseführer für Posen reiht sich in den immer stärker werdenden Trend des bewussten Entdeckens von Städten ein, der sich vom schnellen „Abhaken von Sehenswürdigkeiten“ abwendet und stattdessen auf ein individuelleres, in den lokalen Kontext eingebettetes Erlebnis setzt.

Eine neue Perspektive, das Verlassen ausgetretener Pfade und die Möglichkeit, die Stadt persönlicher zu erleben, sind das Wertvollste, was „Einführung in Posen“ zu bieten hat. Das Projekt verbindet die Popularisierung von Architektur, städtische Bildung und zeitgenössisches Gebrauchskunstdesign in einer praktischen, ästhetisch ausgefeilten Form.

Weitere Informationen: https://poznanskakamienica.pl

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