An einem der Hänge in Gliczarów entstand ein Haus, das nicht nur den extremen Bedingungen des Geländes gerecht wird, sondern diese auch kreativ nutzt. Das Projekt des Architekturbüros Karpiel Steindel ist ein Beispiel für Architektur, die aus der lokalen Tradition hervorgeht, sich aber nicht auf deren wörtliche Nachbildung beschränkt. Stattdessen bietet es eine zeitgenössische Interpretation einer Berghütte – eine bekannte, vertraute Form, die dank moderner Technologien und Konstruktionen gleichzeitig mutig neu interpretiert wurde.
Die Investoren, Menschen, die tief mit den Bergen verbunden sind, wussten von Anfang an, dass ihr Haus mehr als nur eine funktionale Unterkunft sein sollte. Es sollte ein Raum werden, der ihrem Lebensstil entspricht – dynamisch, voller Bewegung, Nähe zur Natur und ständigem Kontakt mit der Umgebung. Die gemeinsame Sensibilität der Architekten und Eigentümer ermöglichte es, ein Projekt zu schaffen, das diese Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar noch verstärkt.
Architektur, die in der Tradition verwurzelt ist
Eines der wichtigsten Ziele war es, die klassische funktionale Anordnung umzukehren. Aufgrund der extremen Neigung des Grundstücks wurde der Eingang zum Haus auf der Ebene des Dachgeschosses entworfen, zu dem eine Fußgängerbrücke führt. Diese Lösung sorgt nicht nur für eine übersichtliche Kommunikation, sondern ist auch ein praktisches Element – sie kann als zusätzlicher Parkplatz dienen. Die Zufahrtsstraße schlängelt sich unter dem Gebäude entlang, und die Einfahrt in die Garage wird zu einem ersten spektakulären Erlebnis: Hinter dem Tor öffnet sich ein Panoramafenster mit Blick auf die Tatra, das normalerweise dem Wohnbereich vorbehalten ist.

Die Inspiration für die Form des Obergeschosses war eine Karpatenhütte. Die Fassaden und das Dach wurden mit Holzschindeln gedeckt – einem Material, das tief in der lokalen Tradition verwurzelt ist. Das Holz wurde gebürstet, um seine natürliche Struktur hervorzuheben und ihm einen rohen, edlen Charakter zu verleihen. Im Kontrast zu dieser Wärme wurde das Erdgeschoss aus Beton gefertigt, der sowohl eine konstruktive als auch eine ästhetische Funktion erfüllt. Die Betonwände dienen als Stützmauern und bilden gleichzeitig ein solides Fundament für den leichteren Holzbaukörper.
Eine Konstruktion, die zum Blickfang wird
Die Architekten setzten auf eine Konstruktion, die nichts verbirgt. Eine Reihe von Stahlbetonpfeilern bildet die Fassade und dringt in den Innenraum ein, wodurch ein ausdrucksstarkes, sich wiederholendes Muster entsteht. Die Verglasungen verleihen dem Ganzen Leichtigkeit, und die Überhangkonstruktion des Erdgeschosses, das mehr als 2,5 Meter über das Erdgeschoss hinausragt, verstärkt den Eindruck, über dem Hang zu schweben. Die Unterseite dieses Stockwerks ist mit Spiegelblech verkleidet, das den Himmel, das Grün und den steinigen Untergrund reflektiert und so einen fast illusorischen Schwebeeffekt erzeugt.
Wie sieht das Innere aus? Im Untergeschoss befinden sich eine Garage, Technikräume und ein umfangreicher Wellnessbereich mit Sauna, Whirlpool, Fitnessraum und Entspannungsbereich. Im Erdgeschoss befindet sich der Wohnbereich mit einem Wohnzimmer, das sich über zwei Stockwerke bis zum Dachfirst erstreckt. Dadurch schmückt das Panorama der Tatra jeden Tag das Innere. Auf dieser Ebene befinden sich auch zwei Schlafzimmer, weitere Schlafzimmer sind im Dachgeschoss untergebracht.

Das Haus wurde für eine vierköpfige Familie entworfen, deren aktiver Lebensstil viel Stauraum für Sportgeräte erforderte – von Fahrrädern über Skier bis hin zu Kletterausrüstung. Jedes Element der funktionalen Anordnung entspricht den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer.
Ein Haus, das von der Landschaft lebt
Große, nach Süden ausgerichtete Fensterfronten sorgen für natürliche Beleuchtung und passive Beheizung im Winter, während auskragende Dachüberstände den Innenraum im Sommer vor Überhitzung schützen. Das Gebäude ist mit modernen Anlagen ausgestattet – mechanischer Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Klimaanlage und einem intelligenten Managementsystem. Elektrisch gesteuerte Vorhänge ermöglichen die Regulierung der Lichtmenge und des Maßes an Privatsphäre. Auf der Nordseite schließt das Haus mit einer minimalistischen Betonfassade ab und schützt die Bewohner vor den Blicken der Nachbarn, während es sich auf der Süd-, Ost- und Westseite zum Panorama der Tatra und zum Garten hin öffnet. Letztererwurde weitgehend in Form einer natürlichen Wiese belassen. Direkt neben dem Haus wurde ein Raum geschaffen, der von Hochgebirgsweiden inspiriert ist – Geröll und Schotter wurden mit einheimischen Pflanzen bepflanzt. Der Stein harmoniert auf natürliche Weise mit dem Beton des Erdgeschosses und den Stützmauern, die aufgrund des Verlaufs der Zufahrtsstraße notwendig waren.
Das Projekt entstand sieben Jahre vor der Umsetzung, hat aber – wie die Architekten betonen – nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Der Bau dauerte zwei Jahre und wurde schlüsselfertig durchgeführt. Die größte Herausforderung stellten die Geländebedingungen und die begrenzte Bausaison dar, die für Bergregionen typisch sind. Das Warten hat sich jedoch gelohnt!
Entwurf: Architekturbüro Karpiel undSteindel
Fotos: PawełSarota
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