Angesichts der wachsenden Wohnungskrise sucht Barcelona nach neuen Entwicklungsmodellen, die den tatsächlichen Bedürfnissen der Stadtbewohner gerecht werden. Steigende Preise und die begrenzte Verfügbarkeit von Wohnraum erfordern ein entschlossenes Handeln der öffentlichen Einrichtungen. Eine Antwort auf diese Herausforderungen ist das Projekt Illa Glòries, das erschwinglichen Wohnraum bereitstellt und die sozialen Beziehungen und die Art und Weise, wie die städtische Gemeinschaft funktioniert, neu definiert. Das in Barcelona ansässige Studio Cierto Estudio ist für die Entwicklung eines der Gebäude verantwortlich, wobei der Schwerpunkt auf Inklusivität, Nachhaltigkeit und räumlicher Flexibilität liegt.
Wohnen als gemeinsamer und flexibler Raum
Cierto Estudio entwarf das Gebäude A der Siedlung Illa Glòries mit dem Ziel, einen offenen, anpassungsfähigen Raum zu schaffen, in dem es keine traditionellen funktionalen Hierarchien gibt. Die Aufteilung der Wohneinheiten lädt zu Veränderungen ein und kann an die verschiedenen Lebensmodelle der Familien angepasst werden. Gleichgroße Räume, das Fehlen eines dominanten Wohnzimmers und die strategische Positionierung der Küche unterstreichen einen neuen Ansatz in der Wohnungsgestaltung. Die Räume wurden so konzipiert, dass sie zwischenmenschliche Beziehungen unterstützen und eine Vielzahl von Nutzungskonfigurationen zulassen. Diagonale Verbindungen ermöglichen multidirektionale Ausblicke und gegliederte Zonen verbessern die Funktionalität der Innenräume.
Design mit einer Gender-Perspektive
Eine der wichtigsten gestalterischen Überlegungen war die Notwendigkeit, eine Gender-Perspektive einzubeziehen. Die räumliche Strategie des Gebäudes legt den Schwerpunkt auf Sicherheit, gemeinsame Verantwortung und die Integration der verschiedenen familiären Lebensbereiche. Die gut durchdachte Anordnung der gemeinschaftlichen und halbprivaten Räume fördert die nachbarschaftliche Interaktion und ermöglicht gegenseitige Unterstützung. Die Sichtbarkeit und die zentrale Lage der Küche sowie die Integration von Pflegefunktionen in das tägliche Leben unterstreichen die Rolle der gemeinsamen Verantwortung.

Illa Glòries – weitläufigeGemeinschaftsräume
Das Projekt basiert auf der Idee, das Privatleben mit dem Gemeinschaftsleben zu verbinden. Innenhöfe, Gemeinschaftsbalkone und zugängliche Dächer schaffen Orte der Begegnung und Entspannung. Die Anordnung der Wohnungen um die Gemeinschaftsräume herum ähnelt einer „Korral“-Typologie, die die gegenseitige Sichtbarkeit und das Gefühl der Sicherheit verstärkt. Die Verbindungen zwischen dem Inneren und dem Äußeren des Gebäudes wirken sich positiv auf die sozialen Beziehungen aus und schützen gleichzeitig die Privatsphäre der Bewohner.
Nachhaltigkeit und Umweltverantwortung
Illa Glòries erfüllt die Standards für Niedrigstenergiegebäude (NZEB). Bei dem Entwurf wurden CLT-Holz und passive Klimastrategien wie Querlüftung, Sonnenschutz und begrünte Dächer eingesetzt. Mehr als die Hälfte des Geländes wird von Grünflächen eingenommen, die den städtischen Wärmeinseleffekt reduzieren und die lokale Artenvielfalt fördern. Die verwendeten Lösungen minimieren den Kohlenstoff-Fußabdruck und fördern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen.

Integrierte Stadtentwicklungsstrategie in Illa Glòries
Das Stadtkonzept von Illa Glòries sieht einen nahtlosen Übergang zwischen öffentlichen und gemeinsam genutzten Räumen vor. Fußgängerpassagen verbinden die Gebäude mit wichtigen Punkten des Viertels wie der Avenida Diagonal und dem Markt Mercat dels Encants. In den Erdgeschossen der Gebäude sind Geschäftsräume untergebracht, was die Aktivität im Stadtraum erhöht und seine Zugänglichkeit verbessert.
Über das Büro Cierto Estudio
Cierto Estudio ist ein in Barcelona ansässiges Architekturbüro, das für seine Projekte zur Förderung von Inklusion, Nachhaltigkeit und der sozialen Verantwortung der Architektur bekannt ist. Mit dem Projekt Illa Glòries bestätigt das Studio einmal mehr seine Rolle bei der Schaffung innovativer Lösungen für moderne Städte.
Projekt: Cierto Estudio
Standort: Barcelona, Spanien
Bauzeit: Februar 2022 – Oktober 2024
Fotografen: Jose Hevia und Marta Vidal
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