In Leopoldov in der Slowakei wurde 2022 das kleine und stark veraltete Rathaus umgebaut. Der Entwurf des Architekturbüros zerozero wurde im Rahmen eines Wettbewerbs im Jahr 2014 ausgewählt. Verantwortlich dafür sind Irakli Eristavi, Pavol Šilla und Juraj Červený. Das gesamte Projekt umfasste den Bau eines neuen Gebäudes für die Stadtverwaltung sowie die Modernisierung des historischen Gebäudes, in dem eine Bibliothek mit Café eingerichtet wurde. Das Gesamtbild zeichnet sich durch eine sehr schlichte Ästhetik aus, bei der Beton, große Glasflächen und helle Putzoberflächen dominieren.
Das neue Rathaus in Leopoldov
Das Projekt ist eine Weiterentwicklung des Entwurfs des Architekturbüros zerozero aus einem Wettbewerb vor über einem Jahrzehnt, bei dem das Rathaus als Komplex aus Gebäuden und öffentlichen Räumen betrachtet wurde. Der neue Baukörper wurde parallel zur östlichen Grundstücksgrenze ausgerichtet, wodurch ein intimer Innenhof zwischen ihm und dem historischen Gebäude entstand. Der neu geschaffene Raum dient als Ort für Begegnungen und verschiedene Veranstaltungen. Die offene Verkehrsführung ermöglicht einen ungehinderten Fußgängerverkehr von mehreren Seiten. Die veränderte Bebauungsdichte hat zu einer klareren Definition des St.-Ignatius-Platzes geführt, der zuvor eher als kleiner Park wahrgenommen wurde.
Architektur vom Büro zerozero
Das neue Gebäude hat die Form eines schlichten, zweistöckigen Quaders mit einem deutlichen Ausschnitt im Baukörper, der einen überdachten Eingang bildet. Die Konstruktion besteht aus Beton, die Fassaden sind mit feinem, weißem Putz versehen, ergänzt durch vorgefertigte Platten und Elemente aus glasfaserverstärktem Beton. Die Anordnung der Fenster mit unregelmäßigem Rhythmus spiegelt die innere Raumaufteilung wider. An der Westfassade befindet sich ein Fenster mit Uhr, das eine Neuinterpretation eines traditionellen Motivs darstellt, das von anderen Rathäusern bekannt ist.

Das Innere des Gebäudes besteht aus drei Haupträumen: dem Trausaal, dem Sitzungssaal und dem Büro des Bürgermeisters. Der Trausaal zeichnet sich durch ein Gewölbe aus Stahlbeton und Öffnungen aus, die das Tageslicht filtern. Der Sitzungssaal im Obergeschoss erhielt ein Oberlicht in Form eines abgeflachten Gewölbes, das die Lichtstrahlen auf den Haupttisch lenkt. Die interne Kommunikation wurde durch rohen Beton auf den Böden und Decken betont, der einen Kontrast zum wärmeren Charakter der Büroräume bildet. Die gesamte Nutzfläche des neuen Gebäudes beträgt 845,67 m².
Sanierung eines historischen Gebäudes
Das alte Rathausgebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert (später umgebaut) wurde modernisiert und in eine Stadtbibliothek mit Café umgewandelt. Im Rahmen der Arbeiten wurden nachträgliche Anbauten entfernt, wodurch der ehemalige Innenhof wieder geöffnet werden konnte. Der Innenraum der Bibliothek wurde als ein einziger Raum mit mobilen Regalen und einem zentral angeordneten Serviceschalter gestaltet. Im Nordflügel befindet sich ein Clubraum für etwa 20 Personen, während im Südteil die technischen Einrichtungen untergebracht sind. Die Nutzfläche dieses Teils beträgt 266,52 m². Die Architekten haben die ursprünglichen Proportionen und Details beibehalten und moderne Materialien sowie eine modifizierte Innenraumgestaltung eingeführt.
Das Rathaus in Leopoldov als Vorbild
Das Rathaus in Leopoldov verfügt nun über ein Regenwasserrückhaltesystem, das ein allmähliches Versickern des Wassers in den Boden ermöglicht. Heizung und Kühlung werden durch Wärmepumpen gewährleistet, und das OBKT-Deckensystem nutzt die Betonmasse zur Regulierung der Innentemperatur. Das Projekt wird oft als Beispiel für eine sehr sinnvolle Verwendung öffentlicher Mittel angeführt. Das Projekt gewann den Hauptpreis des ARCH-Preises 2023 und wurde für den CE ZA AR nominiert.
Entwurf:zerozero
Fotos:Matej Hakár
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