In Poznańs Stadtteil Sołacz wurde in einem Reihenhaus ein Interieur geschaffen, das beweist, dass selbst eine begrenzte Fläche zu einem Feld architektonischer Raffinesse werden kann. Die Autorin des Entwurfs ist Anna Wajda-Szczęsna, die auf 105 m² einen Raum mit ausgeprägtem Charakter geschaffen hat, der den Bedürfnissen einer dreiköpfigen Familie gerecht wird und gleichzeitig durch Konsequenz und Mut bei der Auswahl der Materialien besticht.
Das Haus erstreckt sich über drei Etagen. Der ursprüngliche Grundriss – ein offenes Erdgeschoss mit separatem WC und zwei Etagen mit jeweils zwei Zimmern und einem Badezimmer – entsprach nicht dem Lebensstil der Investoren. Die Architektin begann ihre Arbeit daher mit der Auswertung eines Fragebogens, den sie standardmäßig an ihre Kunden verschickt. Daraus ergab sich, dass der Umbau der obersten Etage von entscheidender Bedeutung sein würde. Anstelle von zwei kleinen Räumen entstand ein etwa 30 Quadratmeter großer privater Bereich, der Schlafzimmer, Badezimmer und Ankleidezimmer miteinander verbindet. Die Architektin bezeichnet ihn als den Premium-Bereich des Hauses – und dem kann man nur zustimmen.
Die Herausforderung bestand darin, auf dieser begrenzten Fläche alle Erwartungen der Investoren zu erfüllen: eine Badewanne und eine Dusche, zwei Waschbecken, ein Bett mit einer Matratze von 200×200 cm und einen geräumigen Kleiderschrank für eine umfangreiche Kleidersammlung unterzubringen. Anfangs schien dies unrealistisch, doch dank einer vollständigen Neugestaltung des Grundrisses gelang es, einen funktionalen und gleichzeitig optisch einheitlichen Raum zu schaffen. Dies ist ein Beispiel dafür, wie der bewusste Umgang mit Proportionen und Ergonomie Einschränkungen in Vorteile verwandeln kann.
Das Innere des Hauses ist in einer kühlen, minimalistischen Ästhetik gehalten, die an den Bauhaus-Stil erinnert. Im Erdgeschoss wurden alle Holzelemente entfernt, was die Strenge und Reinheit der Form unterstreicht. Anstelle von Dielen wurde der Boden mit Mikrozement ausgelegt, der nahtlos in die Treppen und Flure der oberen Stockwerke übergeht. Auch die Wand mit dem Kamin wurde damit verkleidet, was den Effekt des Licht-Schatten-Spiels verstärkt und dem Raum einen skulpturalen Charakter verleiht.

Der Eingangsbereich zeichnet sich durch einen Kubus aus, der mit Laminat verkleidet ist, das gebürstetes Aluminium imitiert. Sein zarter Glanz harmoniert mit dem Mikrozement und schafft eine farblich einheitliche, aber strukturell kontrastreiche Komposition. Das gleiche Material findet sich auch in der Küche, im TV-Schrank und im WC wieder und sorgt so für die Kohärenz des gesamten Projekts.
Einer der Momente, an den sich die Architektin aus der Phase der Fertigstellung erinnert, war die Unsicherheit des Investors hinsichtlich der Verwendung von fünf verschiedenen Quarzkomposit-Mustern – drei davon allein im Erdgeschoss. Letztendlich stellte sich heraus, dass diese Vielfalt kein Chaos verursacht, sondern die Oberflächen subtil differenziert. Das Ganze verbindet sich zu einem harmonischen Moodboard, das auf den oberen Etagen durch die Farbe Bordeaux ergänzt wird.

Die Küche verbirgt einige Lösungen, die von der Liebe zum Detail zeugen und ihre Funktionalität verbessern. Die Induktionskochplatte wurde unter der Arbeitsplatte montiert, wodurch mehr Arbeitsfläche gewonnen wurde. Die Kücheninsel ist mobil – versteckte Rollen ermöglichen es, sie je nach den Bedürfnissen der Hausbewohner zu verschieben. Im Bereich zwischen den Schränken wurde ein graphitfarbener Spiegel verwendet, der den Raum optisch vergrößert und ihm Tiefe verleiht.
Ein wichtiges Element der Einrichtung sind die Bilder von Olga Hausmann, die sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss zu sehen sind. Interessanterweise war ursprünglich ein kleineres Format für das Wohnzimmer geplant, aber die Möglichkeit, das Bild vor Ort „anzuprobieren”, führte schließlich zur Wahl einer Leinwand im Format 180×180 cm. Es stellte sich heraus, dass es perfekt zur Größe des Raumes passte und dessen minimalistischen Charakter unterstreicht.
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Über die Architektin:
Anna Wajda-Szczęsna – Innenarchitektin, Gründerin und Chefdesignerin des Studios Wajda. Absolventin der Akademie der Bildenden Künste in Posen im Fach Architektur und Stadtplanung. Ihre Erfahrungen sammelte sie unter anderem im Studio Insomia von Szymon Januszewski, wo sie von 2010 bis 2020 arbeitete, sowie während Praktika in Mexiko und Spanien. Im Jahr 2017 erlangte sie die uneingeschränkte Baugenehmigung für die Fachrichtung Architektur.
In ihrer Arbeit konzentriert sie sich auf die funktionale Raumaufteilung, die sie als Grundlage für ein erfolgreiches Projekt betrachtet. Sie schätzt klare Kompositionen, Licht und einen geometrischen, flächigen Ansatz. Sie entwirft auf universelle und zeitlose Weise und verzichtet bewusst auf kurzlebige Modetrends. Sie setzt auf hohe Qualität und die Zusammenarbeit mit bewährten Auftragnehmern. Jedes Projekt führt sie individuell durch, wobei sie gerne nach unkonventionellen Lösungen sucht und auf eine maximale Raumnutzung achtet.
Projekt: AnnaWajda-Szczęsna
Fotos: Daria Wyroślak
Bilder: Olga Hausmann
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