In der von NOMASS entworfenen Wohnung in Mailand scheint sich die Außenwelt bereits beim Überschreiten der Schwelle zu verlangsamen. Ein zarter anthrazitfarbener Farbton hüllt den Raum ein, und das Spiegelbild taucht auf und verschwindet wieder, als wolle es die Bewegung bewusst verlangsamen. Dieser Innenraum offenbart sich nicht sofort – zunächst versetzt er einen in eine bestimmte Stimmung, erst später lässt er sich kennenlernen.
Die Küche, die in tiefem, hochglänzendem Schwarz gehalten ist, spiegelt die Silhouette einer vorbeigehenden Person wider wie ein geschlossener Flügel. Die helle Oberfläche mit dezenter Maserung zeichnet zarte Linien, die die Struktur des Interieurs betonen, und die Spiegel vervielfachen das Licht. Ohne klare Abgrenzung geht der Wohnbereich in den Raum über – ein leichtes, rücklehnloses Sofa lädt zum Verweilen ein, ohne eine bestimmte Sitzweise vorzuschreiben. Daneben steht ein Bücherregal, eine zeitgenössische Interpretation einer Wunderkammer, in der sich Objekte befinden, die eher gesammelt als ausgewählt wurden.
Der Mittelpunkt
In der Mitte des Raums steht eine DJ-Konsole – dunkel, matt, mit fließenden Linien. Sie wirkt wie ein städtischer Altar, ein Element mit deutlicher Präsenz, wenn auch ohne wörtliche Bedeutung. Kunstwerke sorgen für Spannung und Humor, unterbrechen die Kontinuität der Komposition, durchbrechen zudem die Ordnung und erinnern daran, dass dieser Innenraum niemals völlig statisch ist.
Leinenvorhänge scheinen Mailand in dosierten Dosen hereinzulassen, und der Balkon suggeriert, dass die Zeit dort anders vergehen könnte. Weiter oben, im Treppenhaus, taucht ein Duett aus Off-White und Off-Black auf – zwei Farbtöne, die wie Stimmen im Dialog aufeinandertreffen. Entlang der Wände sind Grafiken angebracht, die eine visuelle Abfolge bilden: Bögen, Linien, Wiederholungen, die die Ordnung des Übergangs vorgeben.

Unter den Dachschrägen
Im Dachgeschoss wird das Licht gedämpft. Das Hauptschlafzimmer wurde durch eine architektonische Nische geformt, und das Salbeigrün folgt den Dachschrägen bis zur Decke und verschmilzt mit der Geometrie des Raums. Die Einrichtungselemente wurden auf ein Minimum beschränkt – ein einzelner Akzent, ein Bild, ein Objekt. Der Schreibtisch wurde in die Struktur eingebaut und bildet so eine subtile Unterbrechung. Die Wandverkleidung bleibt unsichtbar, bis sie geöffnet wird und eine überraschende Tiefe offenbart.
Gästezimmer
Das Gästezimmer ist zurückhaltend gestaltet und so konzipiert, dass es dem Gast, der hier verweilt, keine Funktion aufzwingt. Eine horizontale Linie bestimmt die Proportionen, während der Rest bewusst zurückhaltend gestaltet ist – ganz nach dem Grundsatz, dass Gastfreundschaft bedeutet, Raum zu lassen.
Das gesamte Interieur des Entwurfs des NOMASS-Ateliers lässt sich als „Partitur in der Stille“ beschreiben – ein Raum für Menschen, die Pausen und kleine Störungen zu schätzen wissen, die nach einladenden, unaufdringlichen Orten suchen. Das Projekt ist grafischer und ausdrucksstärker als frühere Arbeiten des Studios, bewahrt jedoch dessen charakteristische Sensibilität.
Entwurf: NOMASS
Fotos: Ventunopuntodue
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