Design-Lampen, Möbel aus den 50er Jahren, dänischer Minimalismus und ein Garten vor dem Fenster – genau so präsentiert sich diese kleine Einzimmerwohnung in Stara Sadyba. Durch den kompletten Umbau der Wohnung konnte der Raum geöffnet, mehr Licht hereingelassen und das Potenzial der in einer denkmalgeschützten Siedlung gelegenen Wohnung voll ausgeschöpft werden.
Die Eigentümer waren sofort von der Wohnung mit eigenem Garten begeistert. Die Wohnung befindet sich in der Społem-Siedlung, die vor 100 Jahren nach einem Entwurf von Oskar Sosnowski im Rahmen der Gartenstadt Czerniaków errichtet wurde. Vor der Renovierung war der Innenraum jedoch dunkel und in zwei separate Räume unterteilt. Für die Neugestaltung waren die Architektinnen des Büros Bran&Pine verantwortlich. Ihr erster Schritt bestand darin, den Raum der Einzimmerwohnung zu öffnen. Im Rahmen der Renovierung vergrößerten sie außerdem das Terrassenfenster und stellten dessen Proportionen gemäß dem ursprünglichen Entwurf des Gebäudes wieder her. In den 80er Jahren war es unrechtmäßig verkleinert worden. Die größere Öffnung verbesserte den Tageslichteinfall erheblich und ließ das Grün ins Innere „eindringen“.

Ein zweites wichtiges Element der Raumgestaltung ist der verspiegelte Kubus. Seine Oberflächen reflektieren das Licht und den Garten und erzeugen so einen Effekt, der sich im Laufe des Tages verändert. In den sonnigen Stunden entstehen Reflexe an den Wänden und an der Decke. In der verspiegelten Einbauwand sind die Küche sowie der Zugang zur Toilette verborgen. Hinter den Glasscheiben befindet sich zudem eine kobaltblaue Nische, die zur Aufbewahrung und zur Zubereitung von Kaffee dient. Alltagsgegenstände und Accessoires bleiben unauffällig, und die Form der Holzküche wird in keiner Weise gestört.
Die minimalistische Grundausstattung wird durch Kunstwerke junger Künstler, alte Linolschnitte, Möbel aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und vor allem durch die Beleuchtung ergänzt. Für die Designerinnen sind Lampen mehr als nur eine Lichtquelle – sie betrachten sie als Objekte, die dem gesamten Innenraum Ton und Charakter verleihen können. In der Einzimmerwohnung finden sich Entwürfe renommierter Designer. Über dem Tisch hängt die „Frisbi“ von Achille Castiglioni für Flos, außerdem ist eine Leuchte von Chiara Mario Bellini sowie eine mundgeblasene Lampe von Ingo Maurer zu sehen. Verschiedene Formen und Materialien wurden mit schlichten Holzeinbauten kombiniert, wodurch der Raum leicht und zugleich ausdrucksstark wirkt.
Einer der Lieblingsfunde der Designerinnen ist ein Tisch aus den 1950er Jahren, den sie auf einem Antiquitätenmarkt entdeckt haben. Um ihn herum wurde der Essbereich eingerichtet. Zum Tisch wurden Stühle aus derselben Zeit ausgewählt – die Suche führte schließlich zu einzigartigen Modellen nach einem Entwurf von Egon Eiermann aus dem Jahr 1952. Die Möbel wurden auf Sonderbestellung einer deutschen Kirchengemeinde in Pforzheim angefertigt. Ihre ungewöhnliche Wölbung im oberen Teil der Rückenlehne diente vermutlich dazu, ein Gebetbuch abzulegen. Das ist ein sehr interessantes Detail und ein weiterer Beweis dafür, dass Second-Hand-Möbel die Seele eines Interieurs ausmachen.

Bei der geringen Wohnfläche war es besonders wichtig, den Schlafbereich abzugrenzen, ohne eine weitere Wand zu errichten. Stattdessen kam ein Vorhang aus weichem, natürlichem Stoff zum Einsatz. Wenn er zugezogen ist, sorgt er für Privatsphäre, und wenn er offen ist, bewahrt er den offenen Grundriss der Wohnung. Die Designerinnen haben auch Platz für ein Homeoffice gefunden. Die maßgefertigten Holzmöbel bieten Platz für einen Schreibtisch und die notwendigen Stauräume – so wurde der Arbeitsbereich dezent in die Einrichtung integriert. Das Ergebnis ist, dass die Einzimmerwohnung in Stara Sadyba mehrere Funktionen erfüllen kann, ohne überladen zu wirken. Jedes Element hat hier seinen Platz, von Lampen und antiken Möbeln bis hin zu einer kobaltblauen Nische, die hinter einem Spiegel verborgen ist.
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Über das Architekturbüro:
Das Warschauer Architekturbüro Bran&Pine wurde von den Architektinnen Joanna Otrębska und Weronika Pariaszewska gegründet, Absolventinnen der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Warschau. Das Duo beschäftigt sich mit der Gestaltung von Privat-, Büro- und Gewerbeinnenräumen, entwirft eigene Möbel und unterstützt Kunden bei der Auswahl von Kunstwerken und Vintage-Objekten. Bei ihren Projekten legen die Architektinnen großen Wert auf Details, Proportionen und Funktionalität.
Entwurf: Bran&Pine
Fotos: ONI Studio
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