Ein Unterwasserparkhaus mitten in der Stadt. So bauen die Niederländer

Im Amsterdamer Stadtteil De Pijp wurde die Unterwasserparkgarage Albert Cuyp errichtet. Das Projekt wurde von ZJA Architects & Engineers entworfen und von Max Bögl Nederland B.V. im Auftrag der Stadtverwaltung realisiert. Die Parkgarage für 600 Autos und 60 Fahrräder wurde unter dem Kanal Boerenwetering verborgen, sodass sie von der Straße aus völlig unsichtbar ist.

Unterwasserparkhaus im Stadtteil De Pijp

Noch vor kurzem gehörten die Straßen des Stadtteils De Pijp zu den verkehrsreichsten in ganz Amsterdam. Die hier vorherrschenden engen Verkehrswege, der Mangel an Grünflächen und der intensive Verkehr von Menschen auf der Suche nach Parkplätzen beeinträchtigten den Komfort des täglichen Lebens in der Gegend erheblich. Die Stadt hat dafür eine Lösung gefunden. Fast alle Parkplätze im Bereich der Frans-Hals-Straße sind von der Oberfläche verschwunden und wurden unter Wasser verlegt. Die frei gewordenen Flächen wurden für Spielplätze, Grünanlagen und kleine Ruheplätze genutzt. Das Viertel hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert! Fußgänger und Radfahrer haben viel mehr Platz erhalten, und die Straßen sind ruhiger und grüner geworden.

podwodny parking Albert Cuyp amsterdam

Ingenieurkunst unter Wasser

Der Bau des Parkhauses unter dem Grund des Boerenwetering-Kanals erforderte den Einsatz fortschrittlicher Wasserbau-Technik. Zunächst wurde eine dichte Betonauskleidung der Baugrube errichtet, die bis unter den Kanalgrund reicht und eine Barriere gegen das Grundwasser bildet. Anschließend wurde das Wasser aus dem Inneren der entstandenen Konstruktion abgepumpt und der Boden abgetragen. In dem freigelegten Raum entstand eine Betonplatte, die verhindern soll, dass die gesamte Konstruktion von unten nach oben gedrückt wird. Die entstandenen Elemente wurden zusätzlich mit speziellen Membranen und Dehnungsfugen versiegelt, um jegliches Eindringen von Wasser zu verhindern. Nach Abschluss der Arbeiten wurde der Kanal direkt über der Garagendecke wiederhergestellt, wodurch der ursprüngliche Wasserverlauf und die volle Funktionalität des angrenzenden Stadtgebiets wiederhergestellt wurden.

Unterwasserarchitektur von ZJA Architects & Engineers

Das Projekt von ZJA Architects & Engineers basiert auf einer maximalen Reduzierung der Sichtbarkeit der Unterwasserinfrastruktur. Die Einfahrten wurden in die Gebäudefront entlang des Kanals integriert, und alle Installationen wurden unter der Oberfläche verborgen. Die Eingänge und Aufzüge wurden als leichte, verglaste Formen von geringem Umfang konzipiert. Transparente Wände lassen Tageslicht in das Innere der Garage und erleichtern die Orientierung. Im Gebäude dominieren langlebige und feuchtigkeitsbeständige Materialien, darunter Stahlbeton und hochfestes Glas. Das Innere des Parkhauses wird durch den Rhythmus ovaler Säulen belebt, die in einem einheitlichen Winkel angeordnet sind.

Unterwasserparkhaus Albert Cuyp in Amsterdam

Das Objekt fungiert als intelligentes Parkhaus, das mit einem System zur Erkennung von Kfz-Kennzeichen ausgestattet ist, welches dem Nutzer den genauen Parkplatz anzeigt. Jeder Pfeiler erhielt eine individuelle Kennzeichnung, was zusätzlich zur Orientierung beiträgt. Ein wichtiger Aspekt des Entwurfs von ZJA Architects & Engineers ist die Möglichkeit einer zukünftigen Umnutzung. Die Zwischenetage wurde so geplant, dass sie problemlos entfernt werden kann. Dies eröffnet die Möglichkeit, das Parkhaus für andere Zwecke umzugestalten, sobald es nicht mehr benötigt wird.

Ein groß angelegtes städtisches Experiment

Durch den Bau des Parkhauses unter dem Kanal konnte ein großer und vor allem wichtiger Teil des Stadtviertels zurückgewonnen werden, der zuvor von Autos dominiert war. Das Ergebnis übertraf die kühnsten Erwartungen. De Pijp ist nun ein fast autofreies Viertel, in dem die Bewohner die Straßen als Treffpunkte nutzen und Kinder sicher vor den Häusern spielen können. Die Schaffung des Albert-Cuyp-Parkplatzes hat anderen dicht bebauten Metropolen, die intensiv nach Wegen suchen, öffentlichen Raum zurückzugewinnen, ohne auf Parkplätze verzichten zu müssen, eine Richtung gewiesen.

Entwurf: ZJA Architects & Engineers

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