Das Projekt der Studierenden der Akademie für Angewandte Wissenschaften in Sopot ist ein Entwurf, der durch das Werk von Hanna Żuławskainspiriert wurde. Mikołaj Hewelt und Iga Dettlaff haben eine zeitgenössische Interpretation eines Danziger Mietshauses entworfen, bei der das Mosaik kein dekoratives Element ist, sondernzum Fundament des architektonischen Konzepts wird. Es ist eine Geschichte darüber, wie sich die Ausdrucksweise der Künstlerin auf die Ebene eines ganzen Gebäudes übertragen lässt und nicht nur auf ein einzelnes Detail beschränkt bleibt.
Das Projekt entstand im Rahmen eines Kurses zum Thema Denkmalpflege an der Fakultät für Architektur, Ingenieurwesen und Kunst unter der Leitung von Dr. Ing. Arch. Ilona Dardzińska. Die Studierenden griffen auf das lokale künstlerische Erbe zurück und betrachteten es als Inspirationsquelle, jedoch nicht als eine Sammlung von Vorlagen, die es nachzubilden galt. Das Wohnhaus wurde als zeitgenössische Interpretation konzipiert – als Architektur, die entstehen könnte, wenn Hanna Żuławska volle gestalterische Freiheit erhalten hätte und ihre Geschichte nicht mit einem einzigen Mosaik, sondern mit dem gesamten Gebäude erzählen könnte.
Das Mosaik als Sprache der Architektur
In diesem Entwurf wird das Mosaik zu einem Mittel, um die Identität des Ortes zu gestalten. Es durchdringt die Fassade, leitet das Licht, prägt Aufteilungen und Akzente und schafft so eine Struktur, die nicht an eine historisierende Stilisierung anknüpft. Es handelt sich um eine zeitgenössische Interpretation, in der Material, Licht und Schatten sowie Details eine zusammenhängende Erzählung bilden. Das Mietshaus ist keine Rekonstruktion – es ist der Versuch, die Frage zu beantworten, wie eine von Żuławskas Werk inspirierte Architektur aussehen könnte, wenn ihre Mosaike nicht nur eine Ergänzung, sondern der Hauptbaustein des Konzepts wären.
Sechs Begegnungen mit der Kunst
Hinter der Fassade verbirgt sich eine weitere Ebene des Projekts. Die Studierenden entwarfen sechs Residenzen, von denen jede eine Interpretation des Werks eines einzelnen Künstlers darstellt. Die von Tamara Łempicka inspirierte Residenz basiert auf Eleganz und Modernität. Geometrisches Licht, edle Materialien und ausdrucksstarke Kontraste schaffen eine Atmosphäre mit filmischem Charakter. In der Interpretation von Stanisław Wyspiański wird das Interieur organisch – Holz, Buntglas und weiche Linien gestalten einen Raum, der auf das Licht reagiert und sich im Laufe des Tages verändert. Józef Mehoffer bringt eine Fülle an Ornamenten ein: Kobalt, Gold und pflanzliche Motive schaffen ein Interieur, das an ein Kunsthandwerkswerk erinnert.

In der von Olga Boznańska inspirierten Residenz herrscht Ruhe vor. Diffuses Licht, dezente Farben und weiche Texturen schaffen eine intime Atmosphäre, als wäre der Raum aus dünnen Farbschichten aufgebaut. In der Interpretation von Władysław Strzemiński wird Architektur zur Komposition – organische Linien, ruhige Flächen und eine begrenzte Farbpalette strukturieren den Innenraum. Kazimierz Malewicz hingegen führt das Projekt auf eine Idee hin: klare Formen, die Spannung zwischen Farbe und Leere sowie eine kühne Geometrie reduzieren den Raum auf das Wesentliche.
Architektur als Erzählung vom Erbe
Obwohl jede Residenz eine andere Sprache spricht, bilden alle zusammen eine schlüssige Erzählung. Es ist ein Projekt, in dem Architektur und Kunst Hand in Hand gehen. Die Studierenden haben das künstlerische Erbe als Quelle der Fantasie betrachtet. Dadurch wird das Mietshaus zu einer zeitgenössischen Interpretation der lokalen Tradition und zugleich zu einem Entwurf, der im realen städtischen Gefüge funktionieren könnte.
„Mozaika pamięci“ ist ein Projekt, das zeigt, wie kreativ man die Geschichte eines Ortes interpretieren kann. Mikołaj Hewelt und Iga Dettlaff versuchen nicht, die Vergangenheit nachzubilden – sie schlagen eine Architektur vor, die sich von ihr inspirieren lässt und sie in eine neue Geschichte verwandelt. Es ist die Vision eines Mietshauses, das entstehen könnte, wenn Hanna Żuławska ihre künstlerische Sprache auf die Ebene eines Gebäudes übertragen könnte. Das Ergebnis ist ein Konzept, das lokales Erbe mit zeitgenössischer gestalterischer Sensibilität verbindet.
Autoren: Mikołaj Hewelt, Iga Dettlaff
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