In einer malerischen Ecke der Kaschubei entstand ein Haus, das sich bewusst in die lokale Landschaft einfügt, ohne dabei auf die Ambitionen der modernen Architektur zu verzichten. Der Entwurf des Gebäudes entstand im Studio Bc. Die Arbeiten umfassten sowohl die Planung des Hauses in einer Siedlungsbebauung als auch die vollständige Gestaltung der Innenräume. Das Ergebnis ist ein Beweis dafür, dassTradition zur Grundlage der Moderne werden kann, wenn man sie mit Achtsamkeit und Verständnis behandelt.
Die Architekten basierten den Hauptbaukörper auf einem rechteckigen Grundriss und bezogen sich dabei auf alte kaschubische Holzhäuser. Die für die Region bekannten Proportionen und die Klarheit der Form wurden auf zeitgemäße Weise umgestaltet und durch einen systemischen Wintergarten ergänzt. Dieser Eingriff ist nicht nur ein ästhetischer Kontrapunkt, sondern eine bewusste Maßnahme, die es ermöglicht, das lokale Erbe mit den aktuellen Bedürfnissen der Bewohner zu verbinden. Das Haus gibt nicht vor, eine Rekonstruktion zu sein, sondern entwickelt Motive, die aus der traditionellen Bauweise bekannt sind, und verleiht ihnen eine neue Funktion und Dimension.
Die Lage des Gebäudes ergibt sich aus der Geschichte des Grundstücks. Die ehemalige Zufahrtsstraße, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts als interne Straße diente, wurde zur ordnenden Achse der Komposition. Parallel dazu verläuft eine Baumreihe, die einst vom Vater der früheren Eigentümerin gepflanzt wurde. Die älteste Eiche markiert die Querrichtung und durchschneidet das Haus an der Stelle zweier großer Verglasungen. Genau dort öffnet sich der Innenraum zur Umgebung hin, und der Blick führt weiter – zum Wintergarten, zum Wirtschaftsgebäude und zur neuen Obstplantage.
Die Konstruktion wurde in Skelett-Pfosten-Technologie entworfen, was den Einsatz großer Glasflächen ermöglichte. Dank ihnen bleibt das Haus unabhängig von der Jahreszeit in ständigem Kontakt mit der Landschaft. Das wechselnde Licht, die Bewegung der Wolken, das Grün und der Schnee werden zum natürlichen Hintergrund des Alltags, und das Innere reagiert auf die Umgebung, ohne auf unnötige Barrieren zu stoßen.

Die für die Fassade verwendeten Materialien unterstreichen die Verbindung zur lokalen Tradition. Die gebrannten und gebürsteten Bretter, die mit Leinöl geschützt sind, erinnern an alte Methoden der Holzkonservierung. Das Dach wurde mit einfachem Trapezblech gedeckt, inspiriert von der Form ländlicher Silos. Der Kontrast zwischen dem schwarzen Baukörper und dem weißen Wintergarten ist deutlich, aber durchdacht. Das viktorianische Detail auf dem First des Gartens ist eine subtile Anspielung auf Schottland, wo der Investor mehrere Jahre verbracht hat – eine persönliche Note, die die Kohärenz des Entwurfs nicht stört.
Das Interieur wurde mit Blick auf Fluidität und Funktionalität geplant. Das zentrale Element ist ein Kamin, der auf der Hauptachse des Gebäudes angeordnet ist und an die alten kaschubischen Häuser erinnert, in denen der Kamin das Zentrum des Familienlebens bildete. Von diesem Punkt aus öffnet sich der Raum zum Wohnbereich und zur Küche, die von einer drei Meter langen Insel dominiert wird. Die Materialien der Fassade finden hier ihre Fortsetzung, ergänzt durch Stein, der unter anderem für die Arbeitsplatten verwendet wurde.

Die Einrichtung wurde auf Bestellung angefertigt und bildet ein einheitliches, originelles Ensemble. Ein Tisch mit gebürsteter Platte, Tonlampen mit vergoldetem Inneren, Jalousien mit natürlicher Patina aus Indien – jedes Element hat seine eigene Geschichte und wurde mit Blick auf Langlebigkeit und individuellen Charakter ausgewählt. Das Ganze wird durch einzelne Dekorationen und persönliche Erinnerungsstücke des Eigentümers ergänzt, die dem Raum einen intimen, einzigartigen Charakter verleihen. Das in Kaschubien erbaute Haus ist zu einer Oase geworden, in der man Erholung vom Trubel der Großstadt finden kann.
Entwurf: ArchitektBc
Fotos: ArchitektBc
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