Die Kirche der Muttergottes, Königin der Welt, in Radom zählt zu den bekanntesten Kirchen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Polen errichtet wurden. Die blaue Tulpe aus Stahlbeton ist eine sehr charakteristische Form, weshalb man sie mit keiner anderen Kirche verwechseln kann. Der Bau begann Anfang der 1980er Jahre und wurde erst 2012 abgeschlossen.
Die Anfänge der Gemeinde und der Weg zum Bau
Die Geschichte der Gemeinde, aus der die Idee zum Bau der Kirche hervorging, reicht bis ins Jahr 1938 zurück. Damals veranlasste Pfarrer Dominik Ściskała den Kauf eines Mietshauses in der Sienna-Straße durch die Radomer Wohltätigkeitsgesellschaft. Das Gebäude diente als Zufluchtsort für die ärmsten Bewohner, und während des Zweiten Weltkriegs wurde darin eine Kapelle eingerichtet. Nach 1959 übernahmen die Philippiner der Kongregation des Oratoriums des Heiligen Philipp Neri die Seelsorge. Die dynamische Entwicklung der Siedlung „Nad Potokiem“ führte zur Gründung einer Pfarrei, die am 1. Mai 1981 durch einen Beschluss von Bischof Edward Materski errichtet wurde. Bereits am 6. Juni 1982 wurde das Gelände an der Grzybowska-Straße geweiht, womit eine neue Etappe in der Geschichte der Gemeinde begann.
Blaue Tulpe – Bau
Der Entwurf für die Kirche der jungen Pfarrei stammte vom Radomer Architekten Wojciech Gęsiak, der mit Wojciech Fałat zusammenarbeitete. Gęsiak übte während der gesamten Bauzeit die Bauaufsicht aus, was für die Bewahrung seiner ursprünglichen Vision von großer Bedeutung war. Der Bau begann 1982, stieß jedoch bald auf zahlreiche Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Materialbeschaffung und der ungewöhnlichen Bauweise des Gebäudes. Die Finanzierung des Projekts beruhte hauptsächlich auf Spenden der Gläubigen und deren Arbeit. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde 1984 das Untergeschoss der Kirche in Betrieb genommen, wo zunächst Gottesdienste abgehalten wurden. Der obere Teil wurde 1999 in Betrieb genommen, die Weihe fand hingegen im Dezember 2011 statt. Alle Ausbauarbeiten wurden etwa 2012 abgeschlossen, sodass der Bau insgesamt 30 Jahre dauerte.

Die Form der Kirche der Muttergottes, Königin der Welt, in Radom
Das Gebäude wurde auf einem zentralen Grundriss in Form eines Kreises mit einem Durchmesser von etwa 42 Metern errichtet. Sein Baukörper erinnert an einen sich entfaltenden Blütenkelch, am ehesten an eine Tulpe oder eine Rose, obwohl der Architekt selbst auf Inspirationen durch die gotische Vertikalität und die Symbolik des Lichts hinwies. Die Konstruktion der Kirche besteht aus vier nach oben geschwungenen Stahlbetonschalen. Dazwischen befinden sich schmale Oberlichter mit Platz für Fenster. Von außen zieht die blaue Dachdeckung in Kombination mit den hellen Wandflächen die Aufmerksamkeit auf sich. Dadurch wirkt der Baukörper trotz seiner Größe leicht.
Blaue Tulpe aus Stahlbeton – Innenraum
Im Inneren weist die Kirche eine zweistöckige Anordnung auf. Der untere Teil erinnert an einen Auditoriumsaal mit amphitheaterförmig angeordneten Bänken und einem zentral gelegenen Altar. Viele Jahre lang diente er als Hauptort für Gottesdienste. Die obere Kirche ist ein imposanter, einräumiger Saal mit einer Fläche von etwa 1200 m², umgeben von drei Zwischengeschossen. Hier fehlt die traditionelle Aufteilung in Kirchenschiffe, um die Konzentration auf den zweiten Altar zu betonen. Im Innenraum dominieren rohe Materialien, vor allem Stahlbeton. Der Entwurf von Wojciech Gęsiak stieß von Anfang an auf extreme Meinungen. Ein Teil der Einwohner empfand ihn als zu futuristisch, doch mit der Zeit gewann er an Anerkennung, was durch die Aufnahme der Kirche in die Liste der schönsten Kirchen Polens im Jahr 2010 bestätigt wurde.
Quelle: Römisch-katholische Pfarrei der Muttergottes, Königin der Welt, in Radom
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