Eine bunte Wohnung in Warschau. Sie hat fast 50 Quadratmeter.

Gosia Kotyczka vom OBIEKTY STUDIO hat einen Raum geschaffen, der nicht so sehr „aussehen“, sondern handeln soll – um auf den Nutzer zu reagieren, seine Sinne anzuregen und seinen Tagesrhythmus mitzugestalten. In Grochów, Warschau, hat sie eine Wohnung entworfen, in der jedes Material, jede Farbe und jede Linie eine bewusste Entscheidung ist, die auf die Bedürfnisse des Bewohners eingeht.

Auf weniger als fünfzig Quadratmetern wurden drei verschiedene Zonen geplant: ein offenes Wohnzimmer mit Essbereich, Küche und kleinem Arbeitsbereich, ein durch eine Wand aus Glasbausteinen abgetrenntes Badezimmer und ein intimes Schlafzimmer. Das Design greift auf postmoderne Ausdrucksformen zurück, mit leichten Anspielungen auf die Memphis-Ästhetik, mit Anklängen an den Retro-Futurismus und subtilen Verweisen auf das Bauhaus. Es handelt sich jedoch nicht um eine Collage von Stilen, sondern um eine eigenständige Komposition. Kotyczka betont, dass es ihr darum ging, ein Interieur zu schaffen, das keine Angst vor dem Ausdruck hat und das – statt zu beruhigen – die Kreativität anregt.

Beifall für die Details!

Spiegel in der Küche, strukturiertes Glas, Chromdetails, Stahlfronten – all diese Oberflächen reflektieren, brechen und multiplizieren das Licht. Sie sind aktiv, reagieren auf Bewegung, verändern sich mit der Tageszeit. Die Farben treten in einen Dialog mit ihnen: tiefe Rottöne und elektrisierende Blautöne, die mit den Stahlschränken und dem Metallgestell des ovalen Tisches pulsieren. Die Möbel sind zwar in der Ästhetik der 1980er Jahre verwurzelt, wurden aber nicht wegen ihres Stils, sondern wegen der Energie ihrer Form ausgewählt. Das Sofa Togo von Ligne Roset (wir haben HIER mehr über dieses ikonische Sofa geschrieben), die Stühle Rey 3300 von Bruno Rey, die Sessel Pixi von Gillis Lundgren oder der Glastisch Picco the Finder auf einer massiven roten Kugel – sie alle haben einen skulpturalen Charakter, sie sind Design-Ikonen. Ebenso wie die farbenfrohen Totems von Totem Studio Warsaw, die Rhythmus und eine leicht humorvolle Stimmung in den Raum bringen.

Das Motiv der Bewegung kehrt im Korridor wieder, wo das Werk Paris is burning II“ von Irma Tylor hängt, das vom Körper und seinem Ausdruck inspiriert ist. Dies ist ein Vorgeschmack auf das, was als Nächstes passiert – denn das eigentliche Zentrum der Wohnung ist das Wandbild im Wohnzimmer. Entworfen von der Eigentümerin, die beruflich in der Technologiebranche und privat in der Tanz- und Bewegungspädagogik tätig ist. Abstrakte Silhouetten in Rot- und Blautönen, reduziert auf Punkte und Konturen, sind in einer dynamischen Komposition angeordnet, die Assoziationen an die Ausdrucksformen der 1980er Jahre und an das Werk von Keith Haring weckt.

Eine Einladung zum Tanz

Ein weiterer starker Akzent findet sich im Badezimmer: ein Mosaik, das eine tanzende rote Figur darstellt, inspiriert von Matisse‘ „Tanz“. Es wurde in Zusammenarbeit mit der Manufaktur Truf!e aus Kattowitz geschaffen. Der Körper wird zum Protagonisten des Raumes. Das natürliche Licht, das durch die Luxurrays einfällt, zeichnet Reflexionen auf die Wände, die sich im Rhythmus des Tages verändern und die Dusche in eine Licht- und Rauminstallation verwandeln.

Das Schlafzimmer kontrastiert mit der Ausdruckskraft des Wohnbereichs. Mit warmem Holz ausgekleidet, gleicht es dem Inneren eines Resonanzkörpers. Ein niedriges Bett nimmt die gesamte Breite des Raums ein, während weiches Licht auf grün und cremefarben gestreifte Samtpaneele fällt. Vertikale Spiegel vergrößern sanft den Raum und streuen das Licht, so dass eine Atmosphäre der Ruhe entsteht.

Der gesamte Raum wird von einem intensiven Fußboden in einem Klein-Blau zusammengehalten – monochromatisch, gesättigt, Assoziationen mit Wasser und seiner Wandelbarkeit weckend. Er gliedert den Raum, macht ihn fließend und erweckt den Eindruck ständiger Bewegung.

Die Inhaberin, die beruflich die Welten der Wirtschaft und der Technik verbindet, hat seit Jahren eine Leidenschaft für Tanz, Tanztheater und Körperarbeit entwickelt. Das Interieur, das sie zusammen mit Gosia Kotyczka entworfen hat, ist eine Erweiterung dieser Leidenschaft. Es ist ein Raum, der dem Leben nicht nur dient, sondern es auch interpretiert.

entwurf: Gosia Kotyczka OBIEKTY STUDIO

fotos: RESOURCES STUDIO

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