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Eine ehemalige Insel inmitten der Favelas. Das ist das Ergebnis der Umgestaltung von Rio de Janeiro

Die ehemalige kleine Insel Ilha do Pinheiro (Kieferninsel) vor der Küste von Rio de Janeiro verlor in den 1980er Jahren ihre Funktion als von Wasser umgebener Landstreifen. Infolge einer umfassenden Neugestaltung der dortigen Küstenlinie wurde diese grüne Enklave in den städtischen Raum „integriert“. Nach gut 20 Jahren wurde auf ihrem Gelände ein Park angelegt, der heute als Parque Ecológico da Maré bekannt ist.

Ilha do Pinheiro in Rio de Janeiro

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war Ilha do Pinheiro eine kleine Insel in der Guanabara-Bucht, umgeben von ausgedehnten Mangrovenwäldern. Damals befand sich dort eine Quarantänestation für Einwanderer, die nach Brasilien kamen (darunter auch Polen). Genau hier warteten Menschen, die auf einem anderen Kontinent ein besseres Leben suchten, auf die Erledigung der Formalitäten, bevor sie sich im Landesinneren niederließen. Später diente die Insel als Stützpunkt der Fundação Oswaldo Cruz, einem der wichtigsten Forschungszentren Brasiliens. Wissenschaftler führten dort verschiedene Experimente mit Makaken durch, woraus sich ihr umgangssprachlicher Name Ilha dos Macacos (Makakeninsel) ableitet. Zu dieser Zeit erlebte Rio einen regelrechten Aufschwung, vor allem als Forschungszentrum und Hafenmetropole. Die stattfindenden Veränderungen blieben nicht ohne Einfluss auf die reiche, exotische Natur der brasilianischen Küsten.

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Blick auf die Insel im Jahr 1938 und den Park heute. Foto: Museum für Luft- und Raumfahrt in Rio de Janeiro und Google Earth

Projeto Rio – große Veränderungen

Die größte Umgestaltungsphase der Stadt fiel in die 70er und 80er Jahre, also in die Zeit der Militärregierungen in Brasilien. Im Rahmen des Programms Projeto Rio wurden damals im Stadtteil Maré Arbeiten von enormem Ausmaß durchgeführt. Nach und nach füllten weitere Schichten von herangeschafftem Erdreich die Gewässer der Bucht und die sumpfigen Gebiete rund um die Insel auf. Die Ilha do Pinheiro verlor schließlich vollständig ihre Eigenständigkeit und wurde Teil des Festlandes. In den Jahren 1983–1984 entstand auf dem neu geschaffenen Gelände Vila do Pinheiro, eine Siedlung für Umsiedler aus Häusern auf Pfählen, die viele Gefahren bargen. Das Projeto Rio duldete keine Kompromisse. Seine Priorität war die möglichst schnelle Schaffung von Flächen für neue Bebauung, ohne große Rücksicht auf die Umwelt

Rio de Janeiro unter Beton

Die Ausdehnung der Stadt in die Bucht hinein war mit irreversiblen Veränderungen im lokalen Ökosystem verbunden. Mangroven, die zuvor das Wasser filterten und die Küstenlinie schützten, wurden abgeholzt und durch Beton ersetzt. Der Umbau von Rio de Janeiro wirkte sich auch auf das hydrologische System des gesamten umliegenden Gebiets aus. Künstliche Aufschüttungen störten den natürlichen Wasserfluss, was in den folgenden Jahren zu zahlreichen Überschwemmungen führte. Solch tiefgreifende Eingriffe in die Landschaft hatten auch Folgen für die Artenvielfalt. Wissenschaftler verzeichneten einen drastischen Rückgang, da unter den Erdwällen die Lebensräume vieler Pflanzen- und Tierarten verschwanden. Ähnliche Ausbaumaßnahmen fanden damals in vielen anderen Metropolen Südamerikas statt. Die expandierenden Städte vergrößerten ihr Territorium auf Kosten malerischer und wertvoller Buchten, Lagunen und Inseln und behandelten die Natur als Reservoir für Bauland.

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Der Bau des neuen Landes und derselbe Ort heute. Foto: paulosilvahistory.blogspot.com und Google Earth

Parque Ecológico da Maré

Rund um die Ilha do Pinheiro entstanden neue Wohnsiedlungen, und die ehemalige Insel wurde stark degradiert. Erst im Jahr 2000 änderten die Behörden ihre Haltung gegenüber diesem vergessenen Teil der Stadt. Auf einem Teil der ehemaligen Insel entstand der Parque Ecológico da Maré, der sich über etwa 44.000 m² erstreckt. Dort wurden Wege, Spielplätze, ein Amphitheater sowie Erholungsbereiche inmitten von Bäumen angelegt. Der Park wird heute lokal Mata do Pinheiro genannt (mata bedeutet auf Portugiesisch Wald) und dient den Anwohnern als sehr wichtiger Ort.

Der Park im Herzen von Maré

Was am aktuellen Erscheinungsbild und der Funktionsweise des Parks am meisten auffällt, ist sein Kontext. Die grüne Enklave befindet sich mitten im Zentrum der weitläufigen Favelas von Maré, umgeben von dichter, minderwertiger Bebauung und Verkehrsadern, die unter anderem zum Flughafen führen. Die Natur fungiert hier als isolierte Insel, die paradoxerweise an die frühere Geografie der Ilha do Pinheiro erinnert, diesmal jedoch wie in einem Zerrspiegel. In der Umgebung fehlt der Zugang zum natürlichen Ufer der Bucht, und die Landschaft trägt deutliche Spuren ihrer Veränderung.

Quelle: arquivomuseudamare.org, paulosilvahistory.blogspot.com

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