fot. Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung

Eine Ikone der Moderne. Villa Kandinsky/Klee in Dessau

Mitte der 1920er Jahre entwarf Walter Gropius in Dessau ein einzigartiges Gebäude für zwei führende Vertreter des Bauhauses: Wassily Kandinsky und Paul Klee. Die 1925-26 errichtete Villa Kandinsky/Klee war eines von sechs Meisterhäusern, in denen der Architekt Funktionalismus mit malerischen Experimenten verband. In Dessau demonstrierte das Projekt die Vision einer Meister-Lehrlings-Gemeinschaft und verdeutlichte die Ideen des Bauhauses, die bildende Kunst mit handwerklichem Können und neuen Technologien zu verbinden.

Die Architektur des Gebäudes brach mit allen dekorativen Mustern der damaligen Zeit. Gropius entschied sich für einfache geometrische Formen: ein kubisches Volumen mit Flachdach und raumhoher Verglasung. Die hellen Betonwände und Stahlbetonstürze wurden in einem kräftigen Weißton gehalten, um ihren skulpturalen Charakter zu betonen. Durch die geschickt platzierten Fenster erhalten die Innenräume einen direkten Kontakt zum Kiefernwald, der die Villa umgibt, und die Grenze zwischen Natur und Wohnraum wird optisch verwischt.

Die von Kandinsky und Klee entworfenen Innenräume waren eine Fortsetzung ihrer malerischen Erkundungen. Wände, Decken und Einbaumöbel wurden zu Leinwänden für ausdrucksstarke geometrische und organische Kompositionen. Jeder Teil des Hauses zeichnete sich durch eine individuelle Farbpalette aus – von kräftigen Gelb- und Blautönen bis hin zu gedämpften Grautönen und tiefem Violett. Die Künstler nutzten den Raum als Mittel, um bestimmte Emotionen hervorzurufen, und schufen so ein Interieur, das sowohl funktional ist als auch die Sinne provoziert.

Nachdem das Bauhaus 1932 geschlossen wurde, erfuhr das Haus zahlreiche Veränderungen, die seinen ursprünglichen Ausdruck verwischten. Erst Anfang der 1990er Jahre wurden die ersten Restaurierungsarbeiten vorgenommen, und seit 2017 führt die Wüstenrot Stiftung eine umfassende Rekonstruktion des Kandinsky und Klee gewidmeten Teils durch.

photo by Spyrosdrakopoulos, wikimedia.org, license: CC BY-SA 4.0

Bei den Arbeiten wurden die ursprünglichen Farbschichten restauriert, die Originalfarben reproduziert und das Dach und die Installationen erneuert, wobei die historische Struktur und das Volumen des Gebäudes erhalten blieben. Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Bauhaus-Schule öffnete die Villa 2019 ihre Innenräume wieder für die Öffentlichkeit.

photo by Dirk Bindmann, wikimedia.org, license: CC BY-SA 4.0

Die Villa Kandinsky/Klee in Dessau gilt heute als eine Ikone des Erbes der Moderne und als Symbol für die Harmonie zwischen Architektur und Kunst. Sie steht auf der Liste der UNESCO und ist eine ständige Inspiration für Architekten, Innenarchitekten und Künstler. Ihre Geschichte beweist, dass ein Haus mehr sein kann als eine Unterkunft – es kann als kreativer Raum, als Experiment und als ideologisches Manifest dienen.

fotos: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung

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