Das Northwestern National Life Insurance Building (NWNL Building) im amerikanischen Minneapolis ist ein Bauwerk, das nicht durch seine Höhe, sondern durch seinen Stil und seine Atmosphäre in Erinnerung bleibt. Das 1965 fertiggestellte Gebäude von Minoru Yamasaki gilt heute als eines der bedeutendsten Werke des New Formalism in den Vereinigten Staaten. Seine schlanken Arkaden, der helle Beton mit Quarzbeimischung und die fast sakrale Atmosphäre haben das Gebäude zu einer unbestreitbaren architektonischen Ikone von Minneapolis gemacht.
NWNL Building – eleganter Modernismus der 1960er Jahre
Der Sitz der Northwestern National Life Insurance Company entstand während einer intensiven Umgestaltung des Zentrums von Minneapolis, als veraltete Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert massenhaft abgerissen wurden. Yamasaki lehnte jedoch den kühlen Funktionalismus ab, der für viele Firmenbürogebäude jener Zeit typisch war. Anstelle schwerer Betonwände schlug er einen Rhythmus aus schlanken Säulen und hohen Arkaden vor, die von der klassischen Architektur und der Gotik inspiriert waren. Die Fassaden seines Gebäudes wurden aus mit Quarz angereichertem weißem Beton gefertigt. Dies sorgt für einen außergewöhnlichen Effekt, bei dem sich der Farbton der Oberfläche je nach Licht und Wetter verändert. Die größte Aufmerksamkeit zieht jedoch der etwa 26 Meter hohe Portikus auf sich. Eine Reihe spitz zulaufender Bögen bildet einen feierlichen Eingang, der den Blick auf die Innenstadt freigibt. Im gesamten Gebäude finden sich insgesamt 63 schlanke Säulen, die viele Historiker als Vorläufer der Ästhetik des späteren World Trade Centers betrachten.

Architektur des Lichts und der Ruhe
Yamasaki legte großen Wert auf das Nutzererlebnis. Hohe Verglasungen ließen große Mengen an natürlichem Licht in die Innenräume strömen, das von hellem Stein, Metall und Beton reflektiert wurde. Die charakteristischen Fensterbögen erstreckten sich fast vom Boden bis zur Decke und verliehen den Räumen eine elegante, ruhige Atmosphäre. Der Architekt wurde 1912 in Seattle als Sohn japanischer Einwanderer geboren. In seinem Schaffen ließ er sich von islamischer, gotischer und klassischer Architektur inspirieren und sprach gleichzeitig offen über die Notwendigkeit, Gebäude zu entwerfen, die „menschfreundlich“ sind. In Minneapolis fanden diese Ideen eine besonders stimmige Form.
Das zweite Leben des NWNL Building
Während seiner langjährigen Existenz trug das Gebäude verschiedene Namen, darunter ReliaStar Building und ING 20 Washington, behielt jedoch stets sein unverwechselbares Erscheinungsbild bei. In den letzten Jahren begann eine Diskussion über seine Zukunft. Im Jahr 2026 wurde ein Projekt angekündigt, den ehemaligen Sitz des Versicherungsunternehmens in ein Boutique-Hotel mit rund 165 Zimmern, einem Restaurant, Veranstaltungsräumen und einer Dachterrasse über dem Portikus umzuwandeln. Die Idee für eine solche Umgestaltung stößt auf gemischte Reaktionen. Der umfangreiche Umfang der Änderungen birgt das Risiko erheblicher Eingriffe in die erhaltenen Innenräume, doch ist dies vielleicht die einzige Chance auf ein neues Leben für diese Ikone der Moderne? Nach 60 Jahren hebt sich das Northwestern National Life Insurance Building weiterhin von den amerikanischen Bürogebäuden seiner Epoche ab und erinnert eher an eine zeitgenössische Interpretation eines Tempels als an den ehemaligen Sitz eines Unternehmens.
Quelle: docomomo-us-mn.org, archpaper.com
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