Eine neue Qualität des Raums. Fußgängerbrücke auf einem Viadukt aus dem 19. Jahrhundert in Albi

Albi gilt als eine der schönsten Städte Frankreichs. Inmitten dieser beeindruckenden und jahrhundertealten Architektur wurde eine Investition getätigt, die den Bedürfnissen der modernen Mobilität gerecht wird und gleichzeitig das lokale Erbe respektiert. Über ein Eisenbahnviadukt aus dem 19. Jahrhundert wurde eine neue Fußgänger- und Fahrradbrücke gebaut, deren Entwurf im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs ausgewählt wurde, den Ney & Partners 2013 gewann. Die Realisierung der Brücke wurde Jahre später abgeschlossen und von den Anwohnern schnell begrüßt.

Die neue Fußgängerbrücke – Ziele und Aufgaben

Ziel des von der Gemeinde Albigeois ausgeschriebenen öffentlichen Auftrags war es, einen Übergang zu schaffen, der den nachhaltigen Verkehr im Stadtzentrum unterstützt und die Erreichbarkeit des Viertels La Madeleine und des Erholungsgebiets Pratgraussals verbessert. Das Projekt war auch Teil eines umfassenderen Plans zur Verwaltung des historischen Zentrums von Albi, das seit 2010 unter dem Schutz der UNESCO steht.

Historischer Hintergrund und städtischer Kontext

Albi entwickelte sich auf der Südseite des Flusses Tarn. Seine Architektur basiert auf einem einheitlichen Stil, bei dem rosafarbene Ziegel verwendet wurden – die sogenannten „briques foraines“. Zu den charakteristischsten Gebäuden der Stadt gehören die Kathedrale St. Cecilia und der Berbie-Palast. Das Zentrum hat einen mittelalterlichen Stadtgrundriss mit einem Netz von kleinen Straßen und Plätzen, die den Hauptplatz vor der Kathedrale umgeben. Diese Struktur war ein wichtiger Bezugspunkt für die Planer. Das Eisenbahnviadukt wurde um 1865 gebaut. Es handelt sich um ein siebenbogiges Bauwerk aus Backstein mit einer Spannweite von 29 Metern und einer Höhe von 30 Metern über dem Wasserspiegel. Vor der Ausschreibung des Wettbewerbs wurde eine Studie durchgeführt, die den guten technischen Zustand des Bauwerks und seine mögliche Nutzung für das neue Projekt ergab. In Zusammenarbeit mit der SNCF wurde die Möglichkeit bestätigt, eine leichte Fußgängerbrücke einzubauen. Beim Bau des Viadukts wurden die Auswirkungen auf die Qualität des öffentlichen Raums nicht bedacht. Das mächtige Bauwerk durchschneidet brutal zwei historische Plätze, die im Laufe der Jahrzehnte an Bedeutung verloren hatten. Durch die Neugestaltung erhalten sie ihre frühere Bedeutung und städtebauliche Funktion zurück. Der Sanierungsplan wurde von dem belgischen Stadtplanungsbüro MS-A erstellt.

Neue Kreuzung über den Tarn

Gemäß den Wettbewerbsrichtlinien waren zwei Standorte für die Fußgängerbrücke vorgesehen – auf der Ost- oder Westseite des Viadukts. Letztendlich wurde die Westseite gewählt, um die Sichtbarkeit der Backsteinstruktur zu erhalten und die Bebauung besser in die Stadtlandschaft zu integrieren. Die neue Querung wurde als Erweiterung der bestehenden Abfolge von städtischen Plätzen konzipiert. Seine Lage bietet einen Panoramablick auf das historische Zentrum, das von den Arkaden des Viadukts eingerahmt wird. Aus diesem Grund sind die Aussichtspunkte zu einem der wichtigsten kompositorischen Elemente geworden. Die Geometrie der Fußgängerbrücke folgt dem Rhythmus des älteren Bauwerks. Ihr Verlauf ist parallel, mit sanften Kurven, die der Strecke einen dynamischen Charakter verleihen und das Erlebnis der Benutzer bereichern. Der Hauptteil ist 3,5 Meter breit, aber im Bereich der Arkaden verbreitert er sich auf 7,5 Meter, wodurch Terrassen mit Bänken und Schatten entstehen.

Die Rolle des Flussuferbereichs

Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke in Albi gibt dem städtischen Raum, der im Laufe der Jahre verödet ist, eine neue Bedeutung und bietet eine neue Perspektive auf das historische Stadtzentrum. Die subtile Beziehung zwischen der schweren Ziegelstruktur des Viadukts und der leichten Form der Stahlbrücke schafft eine interessante Komposition, die von Anwohnern und Architekturliebhabern in aller Welt akzeptiert und geschätzt wird.

Entwurf: Ney & Partner
Standort: Albi, Frankreich
Realisierung: 2016-2025
Abmessungen: 3,5 bis 7,5 m breit, 180 m lang
Gewicht des Stahls: 300 Tonnen
Fotografien: Vincent Boutin

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