fot. City Renewal Canberra

Eine Polin wird in Australien geehrt. Stasia Dąbrowska verteilte 40 Jahre lang Suppe

Stasia Dąbrowska kam als polnische Emigrantin nach Australien. Als ihr neues Zuhause am anderen Ende der Welt wählte sie Canberra, wo sie fast 40 Jahre lang Suppe für Bedürftige kochte. Ihre bewundernswerte Haltung wurde mit der Enthüllung einer lebensgroßen Bronzeskulptur gewürdigt, die an der Stelle aufgestellt wurde, an der jeden Freitagabend Stasias Suppenküche in Betrieb war.

Stasia Dąbrowska – die Reise von Polen nach Australien

Stanisława „Stasia“ Dąbrowska wurde 1926 in Polen geboren. Ihre Kindheit fiel in eine für Europa schwierige Zeit. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg mussten die Dąbrowskis ihre Heimat verlassen und nach Gorlice umziehen. Nach 1945 wurde Stasia Krankenschwester und arbeitete als Ausbilderin. Im Jahr 1964 wanderte sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem Wissenschaftler Jan Nurzyński, und ihren Kindern nach Australien aus. Die Familie ließ sich in Canberra nieder, wo Jan eine Stelle an der Australian National University antrat. In Canberra widmete sich Stasia der Hilfe für junge Menschen, die mit Sucht und Obdachlosigkeit zu kämpfen hatten. Sie bereitete für sie kostenlose Mahlzeiten zu und finanzierte die Einkäufe zunächst aus eigener Tasche. Aus dieser anfangs kleinen Initiative entstand eine der bekanntesten sozialen Aktionen der ganzen Stadt.

Stasia Dąbrowska. Foto: Karleen Minney

180 Kilogramm Gemüse an einem Freitag

Seit 1982 erschien Stasia jeden Freitagabend am Garema Place im Zentrum von Canberra. Sie brachte eine mobile Küche, große Töpfe und zuvor zubereitetes Essen mit. Jeden Donnerstag schälte sie etwa 180 Kilogramm Gemüse, um am nächsten Tag die Wartenden zu versorgen. Mit der Zeit verteilte sie an einem Abend auch Hunderte von Brotlaiben und etwa 100 Liter hausgemachte Suppe. Um das Jahr 2005 herum nahmen sogar bis zu 500 Menschen ihre Hilfe in Anspruch. Stasia gab den Bedürftigen auch Kleidung, Decken und vor allem ihre Zeit. Sie unterhielt sich mit den Menschen und umarmte sie, ohne eine Distanz zwischen sich und denjenigen zu schaffen, die um Hilfe baten. Ihr Enkel Josh Kenworthy unterstützte sie über Jahre hinweg bei der Leitung der Suppenküche. Im Jahr 2018 stellte Stasia ihre Tätigkeit ein.

Die „Soup Kitchen Lady“ aus Canberra

Dąbrowska wurde schnell zu einer bekannten Persönlichkeit in der örtlichen Gemeinschaft. Die Einwohner nannten sie „Soup Kitchen Lady“. 1996 wurde sie zur „Canberra Citizen of the Year“ gekürt, und 1998 erhielt sie die Medaille des Order of Australia. Ein Jahr später wurde ihr der Titel „ACT Senior Australian of the Year“ verliehen. Im Jahr 2001 erhielt sie die Centenary-Medaille, und 2017 wurde sie zur „ACT Local Hero of the Year“ gekürt. Trotz dieser zahlreichen Auszeichnungen mochte Stasia keine öffentliche Aufmerksamkeit. Sie betonte immer wieder, dass ihre Arbeit einfach sei und darauf abziele, anderen zu helfen. Sie starb 2020 im Alter von 94 Jahren in Canberra. Nach ihrem Tod entstand die Idee, dieser Frau, deren Wirken jahrzehntelang Teil des Stadtlebens war, ein bleibendes Denkmal zu setzen. Den Bedürftigsten servierte sie ihr Herz auf dem Silbertablett.

Foto: City Renewal Canberra

Stasia Dąbrowska kehrte zum Garema Place zurück

Für die Gestaltung des Denkmals war Louise Skačej, eine Künstlerin aus Melbourne, verantwortlich. Die Skulptur erhielt den Titel „Hello my Wonderful“, also Stasias charakteristischer Gruß. Sie entstand als lebensgroße Bronzeskulptur, die Dąbrowska mit einem breiten Lächeln und ausgestreckter Hand darstellt. Das Denkmal wurde auf dem Garema Place aufgestellt, ganz in der Nähe des ehemaligen Standorts der Feldküche. Hier war Stasia fast 40 Jahre lang jeden Freitagabend zu Gast. Die Skulptur entstand im Rahmen eines Programms der Regierung des Australian Capital Territory (ACT), das bedeutenden Frauen gewidmet ist, die mit Canberra verbunden sind. Für die Umsetzung des Projekts wurden 300.000 australische Dollar bereitgestellt.

Enthüllung des Denkmals „Soup Kitchen Lady“

Die Skulptur wurde am 7. August 2026 enthüllt. An der Feier nahmen Louise Skačej sowie Stasias Enkel Josh Kenworthy teil, der seiner Großmutter über Jahre hinweg bei der Leitung der Suppenküche geholfen hatte. Die Bronzeskulptur der polnischen Emigrantin erinnert an die weniger offizielle Seite der australischen Hauptstadt: eine Stadt, die auch von Einwanderern, Freiwilligen und Menschen geprägt wird, die anderen helfen. Für die polnische Gemeinschaft ist dies zudem ein besonderes Gedenken an eine Frau, die nach ihrer Ankunft aus Europa den Einwohnern von Canberra half. Stasia Dąbrowska brauchte kein hohes Amt. Ein Topf mit Suppe, Brot und die Überzeugung, dass niemand ohne Essen bleiben sollte, reichten ihr aus.

Quelle: canberradaily.com.au, library.act.gov.au, adb.anu.edu.au

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