Die Warschauer Mietshäuser aus der Zwischenkriegszeit besitzen eine besondere Ausstrahlung – sie verbinden die Eleganz des Modernismus mit zeitloser Zurückhaltung. In einer solchen Wohnung, die sich in einem repräsentativen Teil der Innenstadt befindet, hat die Innenarchitektin Anna Koszela ein Projekt entworfen, das bewusst aus der Geschichte des Ortes schöpft und gleichzeitig den Bedürfnissen der heutigen Bewohnerin gerecht wird. Dieses Interieur wurde mit Blick auf den Alltag, Komfort und subtile Eleganz gestaltet, wobei großer Wert auf Proportionen und Materialien gelegt wurde.
Ein Dialog mit dem Modernismus der 1930er Jahre
Die Wohnung ist 88 m² groß und befindet sich in einem hochwertigen modernistischen Mietshaus aus den 1930er Jahren, das in einer Zeit erbaut wurde, als Warschau intensiv an seiner modernen Identität arbeitete. Die Architektur dieses Stadtteils war repräsentativ und zugleich zurückhaltend, was sich bis heute in der Komposition des Gebäudes widerspiegelt. Von den Fenstern der Küche aus bietet sich ein Blick auf das Stadtzentrum, und das Gebäude selbst profitiert von einer außergewöhnlichen Ausrichtung, die für viel Südlicht sorgt.
Anna Koszela betont, dass das Projekt ein bewusster Dialog mit der bestehenden Architektur war. Sie sagt: „Das Projekt entstand als Dialog der Gegenwart mit dem Warschauer Erbe, mit großem Respekt vor dem Bestehenden und Sensibilität für das Neue.“ Dieser Ansatz zeigt sich in jedem Detail der Wohnung – von der rekonstruierten Decke, die im sogenannten „Warschauer Flaschenmuster“ verputzt wurde, bis hin zum erhaltenen Parkettboden mit klassischem Muster, der dem Innenraum zeitlose Eleganz verleiht und eine Kontinuität zur Geschichte des Gebäudes herstellt.
Durchdachte funktionale Aufteilung
Die Architektin hat die Raumaufteilung der Wohnung komplett neu gestaltet und dabei lediglich die ursprüngliche Geometrie beibehalten. Eine Einschränkung stellte der vorhandene Parkettboden dar, doch gleichzeitig war er es, der die natürliche Ordnung des Raumes vorgab. Vom Eingang führt ein großzügiger Flur, der die Wegeführung strukturiert und eine Sichtachse in das Innere der Wohnung eröffnet. Diese endet in einem dezent versteckten Ankleidezimmer.

Die Küche wurde als separater Raum abgetrennt – ein für klassische Wohnungen in Mietshäusern charakteristisches Merkmal und zugleich eine praktische Lösung, die es ermöglicht, die Intimität dieses Bereichs zu bewahren. Das Wohnzimmer bildet den Mittelpunkt der Wohnung und führt zum privaten Bereich der Eigentümerin. Auf der rechten Seite des Flurs befindet sich das Gästezimmer und daneben ein Badezimmer mit Badewanne und Dusche.
Eine der größten Herausforderungen stellte die alte Bausubstanz dar. Im Küchenbereich betrugen die Höhenunterschiede im Boden bis zu sieben Zentimeter, was eine präzise technische Herangehensweise erforderte. Die Architektin betont, dass das Ausgleichen der Proportionen für sie auch eine symbolische Dimension hatte: „Ich habe die Harmonie dieses Ortes wiederhergestellt“, erklärt sie.
Farben und Materialien
Das Interieur ist in einer Palette sanfter, gedämpfter Farben gehalten – pudrigen Rosatönen, aschgrauen Grüntönen und warmen Beigetönen. Es sind Farben, die eine Atmosphäre der Ruhe und Gelassenheit schaffen. Sie wurden mit Naturholz kombiniert, das den Raum wärmer wirken lässt und seinen Charakter unterstreicht. Helle Wände bilden einen neutralen Hintergrund für die Tischlerarbeiten und Stuckverzierungen sowie für die vielfältigen Texturen.
Der persönlichste Raum ist das Badezimmer, das die Architektin als besonders nah an ihren Entwurfsvorstellungen beschreibt. Hier kam Sakura-Marmor mit einem zarten Korallenton sowie wasserfester Putz in Lachsfarben zum Einsatz. Das Ganze schafft einen Raum, der die Funktionalität des morgendlichen Gebrauchs mit der abendlichen Ruhe verbindet.

Im Schlafzimmer spielt die Tapete „Idyll The Gardens“ von Cole&Son eine zentrale Rolle und fungiert als natürliche Landschaft hinter dem Bettkopfteil. Sie gibt den Ton für die gesamte Einrichtung an und verleiht ihr einen zarten, angelsächsischen Charakter.
Ein maßgeschneidertes Projekt
Die Eigentümerin der Wohnung ist eine junge Frau, die ihre Bedürfnisse von Anfang an klar definiert hat. Das Interieur sollte nicht nur ästhetisch sein, sondern auch auf die alltäglichen Freuden und Gewohnheiten abgestimmt sein. Ein wichtiger Mitbewohner ist die Katze, weshalb in der Küche ein unauffälliger Platz für das Haustier geschaffen wurde und die Materialien so ausgewählt wurden, dass sie langlebig und sicher sind.
Inspiration für das Projekt war die Architektur des Mietshauses selbst. Seine modernistische Zurückhaltung und Eleganz bildeten den Ausgangspunkt für die Gestaltung eines Interieurs, das sich nicht verstellt. Es ist authentisch, harmonisch und bewusst in der Geschichte des Ortes verwurzelt.
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Über das Büro:
Das Innenarchitekturbüro von Anna Koszela entwirft Projekte, die mit Blick auf die Menschen und ihren Alltag entstehen. Die Grundlage der Arbeit des Teams bilden Vertrauen und ein aufmerksamer Dialog mit den Kunden, wodurch Innenräume entstehen, die auf die individuellen Bedürfnisse und den Lebensstil zugeschnitten sind. Die Architektin betont, dass ein Raum nicht nur optisch ansprechend, sondern auch funktional und komfortabel sein sollte und den persönlichen Vorlieben der Bauherren entsprechen muss. In den Projekten des Büros finden sich Inspirationen aus aller Welt, eine freie Kombination verschiedener Stile und bewusste Kontraste. Unverändert bleibt die Vorliebe für natürliche Materialien, die Atmosphäre schaffen und die Sinne ansprechen – sie machen die Innenräume schön, angenehm anzufassen und wohltuend für Körper und Geist.
Entwurf: Innenarchitekturbüro Anna Koszela
Fotos: Budzik Studio
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