Der Warschauer Plac Zbawiciela zieht Liebhaber der Vorkriegsarchitektur und stimmungsvoller Straßen an. In seiner Nachbarschaft befindet sich ein modernistisches Mietshaus aus dem Jahr 1938, das von Helena und Szymon Syrkus entworfen und in der Jaworzyńska-Straße errichtet wurde. Die Architektin Ewa Lewandowska entwarf eine der dortigen 100-Meter-Wohnungen und verwandelte sie in ein elegantes und raffiniertes Interieur, in dem erhaltene Spuren der Geschichte mit gewagtem Design sowie einer reichhaltigen Sammlung von Kunst und Antiquitäten koexistieren. Die Wohnung in diesem Mietshaus versprüht das Flair des alten Warschaus.
Modernistisches Mietshaus aus dem Jahr 1938
Die Gegend um den Plac Zbawiciela wird seit vielen Jahren schrittweise revitalisiert. Die historischen Mietshäuser gewinnen ihren früheren Glanz zurück, und die Straßen füllen sich mit Cafés, Restaurants und kulturellen Einrichtungen. Genau hier, in der Jaworzyńska-Straße, entstand 1938 ein Gebäude, das von dem angesehenen Architektenduo Helena und Szymon Syrkus entworfen wurde. Sein Baukörper folgt dem Bogen der Straße, während die Fassade in einem schlichten, modernistischen Stil gestaltet wurde. In den Gemeinschaftsräumen sind viele originale Elemente erhalten geblieben. Die Wände sind mit Platten aus schwarzem Marmor mit dezenten hellgrauen Adern verkleidet, die Fußböden bestehen aus feinkörnigem anthrazitfarbenem Terrazzo, und die Treppen sind mit Geländern mit Messingbeschlägen verziert. Gerade die Atmosphäre des Vorkriegs-Warschaus hat Frau Anna davon überzeugt, eine Wohnung in genau diesem Gebäude zu kaufen.
Eine Wohnung in einem Mietshaus: Respekt vor der Geschichte
Die Eigentümerin beauftragte Ewa Lewandowska, eine Architektin, die sich auf die Durchführung von Projekten in historischen Gebäuden im Rahmen der Ersatzinvestition spezialisiert hat, mit der Ausarbeitung des Entwurfs und der Überwachung der Umsetzung. Als Ausgangspunkt wählten die beiden Frauen die Erhaltung der wertvollsten, originalen Elemente der Wohnung, doch das Interieur wurde an den Lebensstil der Investorin angepasst. So blieben unter anderem die Messingtürgriffe und Lüftungsgitter sowie der Eichenparkettboden im klassischen Fischgrätenmuster erhalten. In der Wohnung fanden historische Bücher, die in einem verglasten Regal aus der damaligen Zeit ausgestellt sind, Porzellan sowie historisches Geschirr in einer Anrichte ihren Platz. Durch den Abriss einiger Trennwände konnte hingegen ein großzügiger Wohnbereich sowie ein komfortables Schlafzimmer für die Eigentümerin mit Ankleidezimmer und eigenem Bad geschaffen werden. Das Arbeitszimmer wurde so gestaltet, dass es bei Besuchern als zusätzliches Schlafzimmer dienen kann.

Designerwohnung in einem Mietshaus aus den 1930er Jahren
Nach dem Betreten der Wohnung und dem Durchqueren eines kleinen Flurs öffnet sich der Wohnbereich mit Esszimmer, Wohnzimmer und Arbeitszimmer. Einen besonderen Eindruck hinterlässt die Küche mit Fronten in Kaschmir-Optik, die mit einer Granitarbeitsplatte kombiniert sind. Als Rahmen für die eleganten Möbel dient die Tapete „Rendezvous Tokyo Blue“ der belgischen Marke ARTE, die in Zusammenarbeit mit dem Studio Moooi entworfen wurde. Der Boden ist mit einem klassischen schwarz-weißen Muster der Warschauer „Gorseciki“ ausgelegt, während über dem runden Tisch eine anthrazitfarbene Multi-Lite-Lampe hängt, die 1972 von Louis Weisdorf entworfen wurde. Darüber hinaus schmücken geschmackvolle Möbel aus der damaligen Zeit den Raum, die einer Restaurierung unterzogen und anschließend mit traditionellem Schellack-Polierlack behandelt wurden. Sie haben ihr ursprüngliches Aussehen wiedererlangt und fügen sich perfekt in die neue Einrichtung ein.
Kühne Farben in einem Vorkriegs-Mietshaus
Das Schlafzimmer der Eigentümerin wurde mit Blick auf Komfort und Ästhetik „mit Biss“ eingerichtet. Im Mittelpunkt des Raumes steht ein Hästens-Bett vor einer Wand in einem Sturmhimmelfarbton. Hohe Türen mit Oberlicht führen durch den mit gebeiztem Eichenfurnier verkleideten Ankleideraum zum privaten Badezimmer. Dort besticht vor allem die freistehende Badewanne „Shropshire“ der Marke Victoria Albert mit ihren dekorativen Füßen. Die Wände ziert wiederum die Tapete „Maison C“ mit Aquarell-Silhouetten von Tänzerinnen auf anthrazitfarbenem Hintergrund. Der Waschtischunterschrank ist mit einem Lack in der Farbe „Himbeere mit Chili“ versehen, seine Arbeitsplatte besteht aus Quarzit. Im kleineren Badezimmer findet sich hingegen ein Mosaik aus natürlichem Calacatta-Gold-Marmor, dessen Eleganz durch eine dezente, in der Stuckverzierung versteckte Linienbeleuchtung unterstrichen wird. Die Zusammenarbeit der Architektin Ewa Lewandowska mit der Bauherrin Anna führte zu einem sehr eleganten, klassischen und geschichtsträchtigen Interieur, gewürzt mit einer Prise Weiblichkeit. Hier spürt man den Geist des prächtigen Warschaus der Vorkriegszeit sowie den zeitgenössischen Lebenskomfort im Herzen einer europäischen Metropole.
Über die Autorin:
Ewa Lewandowska ist Architektin und Innenarchitektin und Absolventin der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Warschau. Seit mehr als einem Dutzend Jahren entwirft sie Innenräume, Häuser und Wohnungen und überwacht die Umsetzung von Bauprojekten; seit 2018 leitet sie ihr eigenes Architekturbüro. Sie ist auf die umfassende Betreuung von Projekten spezialisiert, die häufig im Rahmen der Bauherrenvertretung realisiert werden, wodurch sie das Projekt vom Konzept bis zur Ausführung begleitet. Besondere Erfahrung hat sie bei Projekten in denkmalgeschützten Gebäuden gesammelt, bei denen sie auch für die Absprachen mit den Denkmalschutzbehörden verantwortlich ist.
Entwurf: Ewa Lewandowska
Fotos:Piotr Gesicki
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