Stephansdom
Laurens R. Krol, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Er hat das schönste Dach Österreichs. Das ist der Stephansdom in Wien

Das farbenfrohe Dach des Stephansdoms ist eines der Wahrzeichen Wiens. Es ist mit rund 230.000 glasierten Dachziegeln gedeckt, die ein riesiges Mosaik bilden, das von vielen Punkten der Stadt aus zu sehen ist. Hinter diesem beeindruckenden Teil des Denkmals verbergen sich jedoch schreckliche Ereignisse aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Bomben auf den Dom fielen und das Schönste an ihm zerstörten.

Ein Dom, der älter ist als viele europäische Hauptstädte

Die Geschichte des Stephansdoms ist eng mit der Entwicklung Wiens verbunden. Die erste Kirche wurde hier 1147 geweiht, noch unter der Herrschaft der Babenberger. Nach einem Brand im Jahr 1258 begann der Wiederaufbau des Gotteshauses, das im Laufe der Jahre immer wieder modernisiert wurde. Die Romanik wich der Gotik, und das gesamte Gotteshaus gewann zunehmend an religiöser und politischer Bedeutung. Ein Meilenstein in der Geschichte des Gotteshauses war die Fertigstellung des Südturms im Jahr 1433. Das schlanke Bauwerk erreichte eine Höhe von 136,4 m und prägte über Jahrhunderte hinweg das Stadtbild. Innerhalb der Mauern des Doms fanden kaiserliche Zeremonien, Hochzeiten und Beisetzungen im Zusammenhang mit den Habsburgern statt. Dort wurden viele bedeutende und für Österreich verdienstvolle Persönlichkeiten beigesetzt.

Der Stephansdom und sein Dach

Den größten Ruhm erlangte die Kathedrale durch ihr außergewöhnliches Dach. Es ist etwa 111 m lang und ragt an seiner höchsten Stelle 38 m über den Boden hinaus. Seine Oberfläche besteht aus rund 230.000 glasierten Dachziegeln, die in verschiedenen Mustern angeordnet sind. Auf der Südseite prangt der mächtige doppelköpfige Habsburgeradler, während auf der Nordseite die Wappen der Republik Österreich und Wiens zu sehen sind. Das charakteristische Zickzackmuster entstand im 18. Jahrhundert während einer umfassenden Erneuerung der Dacheindeckung. Das Dach wurde so gestaltet, dass die farbenfrohe Komposition auch aus großer Entfernung gut erkennbar ist. Durch die starke Neigung der Dachflächen bleibt selten Schnee liegen, und der Regen trägt dazu bei, die Dachziegel sauber zu halten.

Stephansdom
Der brennende Dom und das Gebäude heute. Foto: ÖNB-Bildarchiv und Google Maps

Wien und der Zweite Weltkrieg

Unter den Dachziegeln befand sich ein beeindruckender Dachstuhl aus Lärchenholz, der im 15. Jahrhundert von gotischen Zimmermeistermeistern errichtet worden war. Er gehörte zu den größten Konstruktionen dieser Art in ganz Europa. Das Ende dieses Meisterwerks besiegelten die tragischen Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Frühjahr 1945 wurde Wien zum Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen den Deutschen und der Roten Armee. Über die Ursachen des späteren Brandes gibt es viele widersprüchliche Berichte. Bekannt ist jedoch, dass der Befehl von SS-Oberstgruppenführer Josef „Sepp“ Dietrich, die Kathedrale zu beschießen, nicht ausgeführt wurde. Die Katastrophe kam von einer anderen Seite. Am Abend des 11. April griffen die lodernden Flammen aus den brennenden Gebäuden am Stephansplatz auf die Gerüste über und von dort direkt auf den Holzdachbau. Das Feuer breitete sich blitzschnell auf den jahrhundertealten Brettern und Balken aus. Infolge des Feuers stürzten Teile der Gewölbe der Kathedrale ein, und Teile des brennenden Daches stürzten in das Innere. Die herabfallenden Teile zerstörten unter anderem die unschätzbare Orgel, den gotischen Chorgestühl aus dem Jahr 1487 sowie den Großteil der Glocken – die berühmte Pummerin fiel vom Turm und zerschellte auf dem Boden. Die Wiener waren angesichts des Ausmaßes dieser Feuersbrunst erschüttert. Heute können wir sie mit dem Brand von Notre-Dame im Jahr 2019 vergleichen, obwohl die Pariser Kathedrale geringere Schäden davongetragen hat.

Neues Stahldach auf dem Stephansdom

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann eine groß angelegte Restaurierung der beschädigten Wiener Denkmäler sowie der Wiederaufbau dessen, was eingestürzt war. Die Wiedererrichtung des Stephansdoms aus den Trümmern war für die österreichische Bevölkerung von außerordentlicher Bedeutung. Denn die Kathedrale bildete das Herz der Landeshauptstadt, in der unter anderem Kaiser Friedrich III. begraben liegt. Die Arbeiten wurden durch öffentliche Spenden und die Unterstützung der Bundesländer finanziert. Insgesamt wurden rund 7.000 Tonnen Schutt aus dem Inneren entfernt. Während der Planungsphase wurde die recht umstrittene Entscheidung getroffen, den Holzfachwerkdachstuhl durch eine Stahlkonstruktion zu ersetzen. Für deren Bau wurden über 600 Tonnen Stahl verwendet, wobei die ursprüngliche Form und Neigung des Daches beibehalten wurden. In einem zweiten Schritt wurden die farbigen Muster der Dachziegel anhand erhaltener Pläne, Fotos, Gemälde und geretteter Fragmente der ursprünglichen Dachdeckung rekonstruiert. Das neue Dach wurde 1950 fertiggestellt, worauf das Datum auf einer der Dachflächen hinweist.

Symbol der Nachkriegs- und Wiener Wiedergeburt

Am 26. April 1952 wurde der Stephansdom von Kardinal Theodor Innitzer wiedereröffnet. Am selben Tag traf die neue Glocke Pummerin in Wien ein, die in St. Florian bei Linz als Nachfolgerin ihres zerstörten Vorgängers gegossen worden war. Das heutige Dach weist nach wie vor die mittelalterliche Form, die historischen Wappen und die ursprüngliche Farbgebung auf, obwohl seine Konstruktion erst vor 70 Jahren entstand. Das vielfarbige Mosaik begeistert bereits seit mehreren Jahrhunderten und macht den Stephansdom zu einem der schönsten Dächer Europas.

Quelle: vienna.at, stephansdom.or.at

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