Er ist 200 Meter hoch. Der schlanke Turm in Montreal

In Montreal ist ein Wolkenkratzer entstanden, der die Vorstellung von dichter städtischer Bebauung neu definiert. Das vom Architekturbüro Chevalier Morales entworfene „900 Saint-Jacques“ verbindet die Eleganz einer schlanken Silhouette mit ausdrucksstarker, mineralischer Architektur und bietet damit eine zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen eines sich rasch wandelnden Stadtzentrums. Das auch unter dem Namen „Skyla“ bekannte Gebäude verfügt über 63 Stockwerke, in denen ein Hotel, Hunderte von Mietwohnungen sowie ein umfangreiches System an Gemeinschaftsräumen untergebracht sind.

Die Architekten griffen auf eine Materialsprache zurück, die tief in der Geschichte Montreals verwurzelt ist. Die mineralische Fassade des Wolkenkratzers, bestehend aus geformten Betonfertigteilplatten, knüpft an den Charakter des Geschäftskomplexes Place Ville‑Marie aus den 1980er Jahren, des Sun Life Building oder des Olympiakomplexes. Muster, die an ineinander verwobene Fasern und Kreuzmotive erinnern, schaffen eine Fassade mit textilartigem Ausdruck, die sich in der von Glas dominierten Skyline abhebt. Trotz ihrer beeindruckenden Höhe wirkt die Gebäudeform leicht. Das wechselnde Lichtspiel auf den Reliefs unterstreicht die subtile Modulation der Oberfläche, und strategisch angeordnete transparente Volumen öffnen das Gebäude zur Stadt hin.

Dreischichtige Komposition und Grünflächen

Der Wolkenkratzer wurde auf der Grundlage von drei Schichten entworfen: einem transparenten Sockel, einem begrünten Podium und einem schlanken Turm, der von offenen Aussichtsrahmen gekrönt wird. Jede dieser Ebenen entspricht einem anderen städtebaulichen Kontext und ist jeweils mit einer eigenen Grünfläche verbunden. Das Erdgeschoss belebt dank seiner hohen Transparenz die Umgebung und ergänzt den Garten, der mit einer Restaurantterrasse sowie einer Fahrradinfrastruktur verbunden ist. Das mit strukturierten Betonplatten verkleidete Podium bildet hängende Gärten und eine klare Pufferzone zwischen der Straße und dem Wohnbereich. Den krönenden Abschluss der Konstruktion bildet die Aussichtsplattform auf dem Dach des Gebäudes.

Ein neues Modell des vertikalen Wohnens

900 Saint‑Jacques definiert den Wohnhochhauskomplex neu als einen Raum, der das Gemeinschaftsleben fördert. Ein umfangreiches Angebot an Annehmlichkeiten – von Gärten und Terrassen über ein Restaurant, eine Gemeinschaftsküche, Coworking-Bereiche bis hin zu Entspannungszonen – erweitert die Funktionalität der privaten Wohnungen und fördert vielfältige Aktivitäten rund um die Uhr.

Das Wohnangebot berücksichtigt ein breites Spektrum an Bedürfnissen: von kompakten Wohnungen, die von den Prinzipien der platzsparenden Gestaltung inspiriert sind, bis hin zu Familienwohnungen mit drei Schlafzimmern und flexiblen Grundrissen. Die hohe Qualität der Gemeinschaftsräume gleicht die geringeren Wohnflächen aus und schafft so eine attraktive Alternative zur traditionellen Wohnung im Stadtzentrum.

Umweltverträglichkeit

Die Nachhaltigkeitsstrategie umfasst sowohl ökologische als auch soziale Aspekte. Eine hochleistungsfähige Fassadenverkleidung, optimierte Fenster-Wand-Verhältnisse, lokale Materialien, Wassersparsysteme sowie energieeffiziente Beleuchtung ermöglichen eine deutliche Reduzierung des Energieverbrauchs. Die vorgefertigte Betonfassade verbessert die Energieeffizienz im Winter um etwa 25 Prozent im Vergleich zu einer typischen Glasfassade.

Das Projekt, das 2025 mit den Canadian Architect Awards of Excellence ausgezeichnet wurde, ist ein Beispiel für technische Kompetenz und einen bewussten Umgang mit dem Material. Seine Architektur reagiert nicht nur auf den Wohnungsdruck, sondern stärkt auch die Beziehungen zum städtischen Gefüge und schlägt ein neues, sozial orientiertes Modell des Lebens in einem Hochhaus vor.

Entwurf: Chevalier Morales, Brian Elsden Burrows, Architect – Le Groupe Architex

Fotos: Maxime Brouillet

Quelle: V2COM

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