In einem Neorenaissance-Mietshaus aus dem frühen 20. Jahrhundert im Stadtteil Wilda in Posen entstand ein Interieur, das Respekt vor der Geschichte mit einer ausgeprägten zeitgenössischen Sensibilität verbindet. Verantwortlich für das Projekt ist Magdalena Majewska – Architektin und Gründerin des Architekturbüros Odaoda. Dieses Mal entwarf sie für sich und ihre Familie, was dem gesamten Prozess einen besonderen und persönlichen Charakter verlieh.
Das Mietshaus, in dem sich die Wohnung befindet, hat die Aufmerksamkeit der Familie bereits vor acht Jahren auf sich gezogen. Nicht nur wegen seiner architektonischen Form, sondern auch wegen seiner Lage an einer ruhigen, dicht bewaldeten Straße. Es ist eine seltene Kombination – die unmittelbare Nähe zum Stadtzentrum und gleichzeitig der tägliche Kontakt mit Grünflächen, der den Lebensrhythmus verlangsamt und dem Raum Weichheit und natürliche Atmungsaktivität verleiht. Obwohl das Gebäude vor dem Krieg erbaut wurde, erwies sich seine Konstruktion als überraschend modern. Die Anordnung der Stahlbetondecken und -balken ermöglichte weitreichende Änderungen im Grundriss der Wohnung.
Aus fünf kleinen Zimmern entstanden drei vollwertige, komfortable Räume: ein Schlafzimmer und ein Kinderzimmer auf der Ostseite sowie ein geräumiges Wohnzimmer mit Küchenzeile auf der Westseite. Dadurch wurde das Licht zu einem der wichtigsten Elemente der Innenausstattung, und der Blick auf die von Bäumen gesäumte Straße brachte die natürliche Kulisse der wechselnden Jahreszeiten ins Innere.
Die Umgestaltung der funktionalen Anordnung ging Hand in Hand mit der Sorgfalt, den ursprünglichen Charakter der Wohnung zu bewahren. Die beschädigten, aber erhaltenen Türen wurden sorgfältig renoviert. Die Jugendstil-Stuckarbeiten im Wohnzimmer, die beim Zusammenlegen der Räume entfernt worden waren, wurden mit Präzision wiederhergestellt, wodurch ihre frühere Leichtigkeit zurückkehrte. Unter den Füßen liegt nun klassisches Eichenparkett, und die neuen Holzfenster und Messinggriffe wurden nach historischen Vorlagen angefertigt, damit sie sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen.
Das Interieur wird durch Möbel belebt, die die Eigentümerin seit Jahren sammelt. Es handelt sich überwiegend um Vintage-Stücke – Ikonen des Designs. Die Sammlung verändert sich ständig, und die Wohnung funktioniert wie eine offene Komposition: Elemente erscheinen und verschwinden und schaffen eine fließende, sich ständig weiterentwickelnde Erzählung.

Im Wohnzimmer steht ein dänisches Wandregal aus den 1960er Jahren von Kai Kristiansen aus brasilianischem Palisanderholz im Mittelpunkt. Dazu gesellen sich Klassiker: der Executive Chair von Charles Pollock für Knoll, der Couchtisch von Gianfranco Frattini für Cassina, die Liege Wink von Toshiyuki Kita und der Sessel von Gae Aulenti aus dem Jahr 1977. Der einzige zeitgenössische Akzent in diesem Teil der Wohnung ist das mit grauer Wolle bezogene Sofa der Marke Hay, das einen weichen Kontrapunkt zu den markanten Vintage-Formen bildet.
Die Küche wurde in dunklem, schwarz gewachstem Furnier gestaltet, das mit einem Eichentisch und Teakholzstühlen Sonja von Johannes Andersen kombiniert wurde. An den Wänden hängen Grafiken von Sonia Dubois – ihre Werke finden sich auch im Badezimmer wieder, das in kühlen Grautönen gehalten ist.
Kunst ist hier auf unaufdringliche, aber bedeutungsvolle Weise präsent. Im Schlafzimmer dominiert ein großformatiges Werk von Karolina Bielawska, im Wohnzimmer hängt ein Ölgemälde auf Holz von einem unbekannten Maler, und im Flur befindet sich eine Fotografie, die von der Eigentümerin selbst aufgenommen wurde. Diese Elemente dienen nicht als Dekoration, sondern tragen zur Atmosphäre bei – sie sind Spuren persönlicher Entscheidungen und Emotionen.
Fotos: ZASOBYStudio
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