Die Umgestaltung einer Wohnung in einem Vorkriegswohnhaus in Breslau, entworfen von Kinga Łukaszyńska vom Rebuild Studio, ist ein Beispiel für ein Projekt, bei dem die bestehende architektonische Struktur zu einem gleichberechtigten Partner zeitgenössischer Lösungen wird. Das Projekt mit dem Namen D3 entstand mit dem Ziel, einen Raum zu schaffen, der den Alltag konkret unterstützt – morgens belebt und abends zur Ruhe kommt, dabei aber funktional und widerstandsfähig gegenüber intensiver Nutzung bleibt.
Neugestaltung des Raums
Der ursprüngliche Grundriss der Wohnung wurde neu gestaltet, um den Bedürfnissen der Bewohner besser gerecht zu werden. Die beiden größten Räume wurden zu einem einzigen, offenen Wohnbereich zusammengefasst, wodurch die bis zu drei Meter hohe Raumhöhe voll ausgeschöpft werden konnte. Dadurch gewann der Raum an Leichtigkeit und Übersichtlichkeit, und das natürliche Licht fließt ungehindert zwischen den verschiedenen Bereichen hin und her.
Im Laufe der Arbeiten wurden originale Ausstattungselemente entdeckt, darunter grobkörniger Putz in natürlichen Farbtönen sowie Holzdielen. Soweit ihr Zustand dies zuließ, wurden sie erhalten und in das neue Konzept integriert. Das Projekt erforderte Flexibilität, da die Arbeit in historischen Gebäuden oft damit verbunden ist, auf Entdeckungen reagieren zu müssen, die erst während der Umsetzung zutage treten.
Farbe und Atmosphäre
Eines der charakteristischsten Elemente der Wohnung D3 sind die gelben Decken in Küche, Esszimmer, Flur und Badezimmer. Dies ist ein bewusster Eingriff, der Wärme in den Raum bringt und Bereiche mit weniger Tageslicht optisch aufhellt. Die Farbe wirkt hier wie ein Filter – sie verleiht dem Raum Energie, dominiert aber nicht dessen Funktion.
In den Nassräumen wurden weiße, quadratische Keramikfliesen in verschiedenen Formaten verwendet. Dieses Material war bereits in den Wohnungen aus der Entstehungszeit des Mietshauses vorhanden, weshalb seine Verwendung die stilistische Kontinuität verstärkt und den Charakter des Ortes unterstreicht.
Eine Küche zum Entdecken von Geschmacksrichtungen
Im Mittelpunkt des Wohnbereichs steht eine gastronomische Kücheninsel aus Stahl mit Gasbrennern. Ihre Form und ihr Material erinnern an professionelle Küchenrückräume – sie ist widerstandsfähig, funktional und für den täglichen, intensiven Gebrauch gerüstet. Die Heizungsanlage musste modernisiert werden, doch es gelang, die dekorativen Gusseisenheizkörper zu erhalten, die dem Innenraum ein für diese Epoche charakteristisches Detail verleihen.

Details sind wichtig
Die Beleuchtung wurde zu einem der Schlüsselelemente des Projekts. In der Wohnung wurden mehrere Lichtszenarien geplant, die auf die Tageszeiten und Aktivitäten abgestimmt sind – von der morgendlichen Belebung bis zur abendlichen Entspannung. Die Leuchten wurden unter Berücksichtigung der Lichtqualität und einer begrenzten Blaulichtemission ausgewählt. Die eingesetzten Lösungen sorgen für eine gleichmäßige Lichtverteilung und visuellen Komfort. Außerdem wurde die Anzahl der Schalter reduziert, was die Ergonomie und die Übersichtlichkeit des Raums verbessert hat. In die abgehängte Decke wurde ein Beschallungssystem integriert, wodurch die Technik präsent, aber unsichtbar bleibt.
Die Wohnung D3 ist ein Beispiel für ein Projekt, in dem historische Struktur und zeitgenössische Gestaltungsentscheidungen ein stimmiges, funktionales Ganzes bilden. Kinga Łukaszyńska zeigt, dass die Arbeit in einem Mietshaus keine Kompromisse bedeuten muss – sie kann vielmehr eine Gelegenheit sein, das Potenzial des Ortes zu entfalten und einen originellen und freundlichen Raum zu schaffen.
_
Über das Büro:
„Das nachhaltigste Gebäude ist das, das bereits gebaut wurde“ – dieser Satz spiegelt am besten die Herangehensweise der Architektin wider, die ihre Erfahrungen aus Polen, dem spanischen Büro Fernando Menis und ihrer Ausbildung in der Slowakei miteinander verbindet. In ihrer Arbeit legt sie Wert auf eine solide technische Ausarbeitung, doch ebenso wichtig sind ihr Beratungen, Recherchen und Experimente, die zu bewussten Entwurfsentscheidungen führen.
Ihr Raumdenken basiert auf Funktion, Proportionen, Dominanz, Geometrie, Licht und Akustik. Jedes dieser Elemente hat seinen Platz im Entwurfsprozess und bildet eine kohärente Struktur, die den Bedürfnissen der Nutzer gerecht wird und das bestehende architektonische Gefüge respektiert.
Entwurf: Kinga Łukaszyńska – Rebuild Studio
Fotos: Natalia Kapsa
Lesen Sie auch: Mietshaus | Breslau | Wohnung | Innenräume | Eklektizismus | Metamorphose | whiteMAD auf Instagram



