Es gibt viel zu sehen. Optikergeschäft AUGA in Breslau

Der Optiker AUGA in Breslau ist ein Raum, in dem Architektur zu einer Geschichte über Biologie wird. Das Innendesign ist hier nicht nur eine ästhetische Aussage, sondern eine durchdachte Interpretation des Sehvorgangs, umgesetzt in die Sprache der Formen, des Lichts und der Materialien. Jedes Element wurde so gestaltet, dass es Assoziationen mit dem Aufbau des Auges weckt und gleichzeitig einen funktionalen, komfortablen und visuell stimmigen Raum schafft. Für die Innenarchitektur ist das Studio Znamy się verantwortlich.

Die räumliche Anordnung des Salons spiegelt den Weg wider, den das Licht zurücklegt – vom Eingang, der die Rolle der Hornhaut übernimmt, über den Ausstellungsbereich bis hin zu den Facharztpraxen, die symbolisch die Funktion der Netzhaut erfüllen. Der Kunde wird beim Betreten von AUGI Teil dieser Erzählung. Der Raum reagiert auf seine Anwesenheit, und die einzelnen Bereiche öffnen sich nach und nach und führen ihn in das Innere. Dieser fließende Übergang zwischen den Bereichen vermittelt den Eindruck, in den Prozess des Sehens einzutauchen, in dem Licht nicht nur eine Metapher ist, sondern auch ein reales Werkzeug, das die Atmosphäre prägt.

Die Glaslinse – das Herzstück der optischen Metapher

Eines der charakteristischsten Elemente des Innenraums ist die geriffelte, bikonvexe Glasform, die von der Linse des Auges inspiriert ist. Ihre Präsenz ist nicht nur dekorativ. Die Struktur bricht und verzerrt die ins Innere fallenden Sonnenstrahlen und erzeugt subtile Reflexe und Schatten. Auf diese Weise gewinnt der Raum an Dynamik und das Licht wird zu einem aktiven Bestandteil der Komposition. Diese Lösung bezieht sich direkt auf die biologische Funktion der Linse – das Bündeln und Schärfen des Lichts.

In der Mitte des Salons befindet sich eine runde Theke aus Kiefernholz, die von einem hellen LED-Kronleuchter beleuchtet wird. Dies ist eine architektonische Metapher für die Makula – den Bereich, der für das zentrale Sehen und die Farbwahrnehmung verantwortlich ist. So wie die Zapfen den Blick auf die wichtigsten Details lenken, so wird die Theke zu einem natürlichen Blickpunkt. Die helle Beleuchtung unterstreicht ihre Rolle und verweist gleichzeitig auf die biologische Tatsache, dass die Zapfen nur bei guten Lichtverhältnissen funktionieren.

Dezente Dekorationen

Die Wände des Wohnzimmers sind mit horizontalen Regalen verziert, deren rhythmische Anordnung einen Eindruck von Bewegung vermittelt. Sie werden von einem blauen Farbverlauf begleitet, der sich vom Eingang bis zu den Arbeitszimmern erstreckt. Dies ist eine bewusste Anspielung auf die Stäbchen – die Fotorezeptoren, die für das periphere Sehen und die Wahrnehmung von Bewegung verantwortlich sind. Das tiefe Dunkelblau der Wände ruft den Purkinje-Effekt hervor, ein Phänomen, bei dem Blautöne in gedämpftem Licht am längsten sichtbar bleiben. Dadurch gewinnen die peripheren Bereiche des Innenraums an Weichheit und Tiefe, und die gesamte Komposition wird immersiver.

Der Impuls führt weiter

Der Raum wird durch an der Decke aufgehängte LED-Lichtleiter ergänzt, die durch den gesamten Salon bis zu den Behandlungsräumen verlaufen. Ihre Anordnung ist inspiriert vom Weg der Nervenimpulse, die visuelle Informationen vom Auge zum Gehirn übertragen. Bei AUGA fungieren sie als symbolischer Weg des Kunden – sie führen ihn zu dem Ort, an dem sein Sehvermögen untersucht und der Sehvorgang verstanden und korrigiert wird. Es ist eine subtile, aber ausdrucksstarke Verbindung von Architektur und Neurobiologie.

Ein Raum wie ein Auge

Das Innere des AUGA-Optikgeschäfts ist ein Beispiel für ein Projekt, bei dem die biologische Inspiration nicht nur ein Vorwand, sondern die Grundlage des gesamten Konzepts ist. Architektur, Licht und Materialien bilden eine zusammenhängende Erzählung, und jedes Element – vom zentralen Tresen bis zu den Lichtimpulsen – hat seine Bedeutung. Es ist ein Ort, der nicht nur Kunden bedient, sondern auch die Geschichte des Sehens erzählt und es ermöglicht, diese auf intuitive und vielschichtige Weise zu erleben.

Projekt: Znamy się

Projektteam: Wojtek Nowak, Bogna Kawa-Nowak, Monika Jokiel, Ula Dachnij-Seredyńska, Anna Petryszyn

Fotos: MigdałStudio

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