Die 62 m² große Wohnung im Warschauer Stadtteil Żoliborz wurde als zeitgenössische Interpretation des Nachkriegsmodernismus entworfen. Diese faszinierende, farbenfrohe Atmosphäre der 1950er Jahre ist das Werk von Kamila Palmowska-Ziemba. Die Autorin stützte sich dabei vor allem auf den Respekt vor der Vergangenheit dieses Ortes und schuf ein modernes Interieur, das den Geist einer vergangenen Epoche heraufbeschwört.
Die Atmosphäre der 1950er Jahre in Żoliborz
Die Wohnung vermittelt auf den ersten Blick einen Eindruck von Geräumigkeit, was den hohen Decken und der geschickten Nutzung des Tageslichts zu verdanken ist. Das für Żoliborz so charakteristische Grün hinter den Fenstern wurde als eines der Elemente der Gestaltung aufgegriffen. Die Grundlage des Entwurfs von Kamila Palmowska-Ziemba bilden natürliche Materialien, Wandverkleidungen, eine gedämpfte Farbpalette und ruhige Rhythmen der Aufteilung. Dies ist die Grundlage für weitere Akzente, die sich in den Fußböden, Designklassikern und anderen Details widerspiegeln.
Wohnung in einem Nachkriegsgebäude
Eines der wichtigsten Elemente des Projekts ist der Eichenparkettboden, der in klassischer Fischgrätoptik verlegt wurde. Bei der Umgestaltung der Räume gelang es, einen Teil des Originalbodens aus der ehemaligen Küche zu retten und ihn nach der Renovierung im Arbeitszimmer wiederzuverwenden. Durch diese Maßnahme erhielt ein Stück Geschichte von Żoliborz ein zweites Leben in einer neuen Realität. Der Flur, ursprünglich schmal und schwer zu gestalten, wurde durch einen Mosaikboden aus kleinen Fliesen in Blau-, Terrakotta- und Beigetönen zu einem ausdrucksstarken Raum. Dieser Farbrhythmus knüpft an die Nachkriegspraxis an, verfügbare Materialien, oft in begrenzter Menge, zu verwenden, und führt den Nutzer weiter. Im Badezimmer und in der Küche taucht das Mosaikmotiv in weiteren Varianten auf.

Das Flair der 50er Jahre – Badezimmer und Küche
Die Autorin hat das Badezimmer um einen Waschtisch aus Terrazzo herum gestaltet, dessen unregelmäßige Form visuelle Tiefe verleiht. Dazu kommen sechseckige Fliesen mit Blumenmotiv und symmetrisch angeordnete Leuchtstofflampen, die von der technischen Ästhetik des späten 20. Jahrhunderts inspiriert sind. Eine subtile Wand, die den Duschbereich abgrenzt, ordnet die Anordnung ohne deutliche, schließende Trennungen. Im Wohnbereich geht das Wohnzimmer nahtlos in die Küche über. Im Mittelpunkt des Raumes steht ein restaurierter runder Tisch aus den 1940er Jahren, kombiniert mit Stühlen „Motylki” (Schmetterlinge) von Rajmund Hałas mit orangefarbener Velours-Polsterung. Die Küche bildet einen ruhigen Hintergrund mit blauen Fronten der Oberschränke, cremefarbenen Unterschränken und einer Eichenholzplatte, ergänzt durch glasierte Fliesen mit welliger Struktur.
Nachkriegsmodernismus in Warschau
Die Atmosphäre des Schlafzimmers basiert auf einer leichten Metallkonstruktion des Bettes und einer kühleren Farbpalette, die durch blaue Wandverkleidungen und industrielle Wandleuchten von Zangra aufgelockert wird. Das Plakat von Robert Kuta setzt einen künstlerischen Akzent im Raum. Der maßgefertigte Kleiderschrank wurde dank seiner neutralen Farbgebung und der dezenten Fräsung in die Wand „eingebettet”. Das Kinderzimmer wurde hingegen in hellen Farbtönen gehalten, ergänzt durch farbenfrohe Accessoires und ein Mobile, das von kinetischen Skulpturen inspiriert ist. Das Arbeitszimmer, das sich durch kompromisslose Schlichtheit auszeichnet, wurde an der Stelle der ehemaligen Küche eingerichtet. Eine lange Holzplatte, ein Stuhl von Cesca Marcel Breuer und eine technische Lampe an einem Ausleger schaffen einen funktionalen Arbeitsbereich, der mit dem modernistischen Geist des Gebäudes im Einklang steht.
Über die Autorin des Projekts
Kamila Palmowska-Ziemba entwirft Innenräume, die auf Proportionen, Materialien und Details basieren, wobei sie auf Authentizität und zeitlose Lösungen setzt. Sie vermeidet starre Unterteilungen und kombiniert klassische Formen mit modernen Elementen sowie Vintage-Objekten und Kunst. Sie betrachtet Farbe als ein Mittel, um Räume zu ordnen und ihnen Rhythmus zu verleihen. Sie führt Projekte vom Konzept bis zur Umsetzung in Zusammenarbeit mit Handwerkern und Künstlern durch.
Entwurf: Kamila Palmowska-Ziemba (/palmowska__studio/)
Fotos: Mateusz Kowalik (/mateusz_kowalik/)
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