Es hat einen einzigartigen Charakter. Wohnung in einem Bankgebäude in Gdynia

In einem monumentalen Gebäude einer Bank aus der Vorkriegszeit in der Wójta-Radtkego-Straße in Gdynia befindet sich eine Wohnung, die auf äußerst bewusste Weise das modernistische Erbe der Stadt mit den Bedürfnissen des modernen Lebens verbindet. Es handelt sich um einen Raum mit einer Fläche von fast 100 m² und einer Höhe von 320 cm, der so gestaltet ist, dass er das Wertvollste der Architektur hervorhebt: die Proportionen, das Licht und die Eleganz der 1930er Jahre, und ihm gleichzeitig eine neue, persönliche Erzählung verleiht. Das Interieur wurde von Justyna Hys-Bochińska vom Studio J Creative Studio entworfen.

Das 1933 nach einem Entwurf von Marian Lalewicz als Sitz der Państwowy Bank Rolny (Staatliche Landwirtschaftsbank) erbaute Mietshaus war eines der repräsentativsten Gebäude des sich entwickelnden Gdynia (mehr darüber HIER). Modernisierter Historismus, klassizistische Details, ein Arkadengeschoss und ein Eckturm sollten die Stabilität der Institution unterstreichen, während die luxuriösen Wohnungen in den oberen Stockwerken für Bankangestellte vorgesehen waren. Während der Besatzungszeit war hier eine deutsche Bank untergebracht, und eine der Wohnungen diente als geheimen Kontaktpunkt der Heimatarmee, in der unter anderem Jan Nowak-Jeziorański übernachtete. Heute, nach fast neun Jahrzehnten, beherbergt das Gebäude immer noch ein Finanzinstitut, und seine Innenräume haben die Atmosphäre der damaligen Zeit bewahrt: hohe Decken, große Fenster und charakteristische Details, die als Ausgangspunkt für die moderne Gestaltung dienten.

Das Innendesign basiert auf der Harmonie einfacher Formen und klassischer Materialien. Bereits beim Betreten fällt die ruhige Atmosphäre des Raumes auf: Der Vorraum und der Flur führen zu einem offenen Wohnbereich, in dem Küche, Esszimmer und Wohnzimmer einen fließenden Übergang bilden. Die Architektin setzte auf eine klare Komposition und eine subtile Betonung der Blickachsen, wodurch die Wohnung ihre modernistische Klarheit bewahrt und gleichzeitig Wärme ausstrahlt. Neben dem Wohnbereich befinden sich ein kleines Badezimmer mit Dusche, eine funktionale Speisekammer und ein Arbeitszimmer, das bei Bedarf als Gästezimmer genutzt werden kann. Den privaten Bereich bildet ein geräumiges Schlafzimmer mit einem halboffenen Kleiderschrank und einem großen Badezimmer.

Materialien spielen hier eine wichtige Rolle. Holz, Metall, Glas und Keramik bilden eine einheitliche, ruhige Palette, die durch verschiedene Texturen belebt wird: Ornamentglas, Leinenvorhänge, Wollteppiche. Buntglasfenster aus Ornamentglas bringen weiches Licht in den Innenraum und stellen eine zeitgenössische Anspielung auf die modernistischen Details von Gdynia dar. Die maßgefertigten Einbauten – von der Küche bis zum Kleiderschrank – wurden durch kleinere Möbel ergänzt, die speziell für diese Wohnung entworfen wurden. Im Wohnzimmer befinden sich ein eigens entworfener TV-Schrank und ein Regal, im Schlafzimmer und im Arbeitszimmer hingegen Beistelltische in dunkler Ausführung, die der Komposition Tiefe verleihen.

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Kunst. Der Raum ist mit Grafiken von Lieblingskünstlern, eigenen Gemälden der Architektin, Holzfiguren von Ludism, handgedrehten Keramiken und Objekten aus der Sammlung von Yuma Oli Hyz ausgestattet. Jedes dieser Objekte wurde mit dem Ziel ausgewählt, einen persönlichen, nicht überladenen Charakter des Interieurs zu schaffen.

Einer der auffälligsten Akzente ist die Beleuchtung, die von der Autorin der Einrichtung für die Marke KASPA entworfen wurde – die Keramiklampenkollektion „Kylix”. Ihre Form erinnert an eine antike griechische Schale mit einer breiten, flachen Form, und die Lampenschirme, die vom Töpfermeister Andrzej Plizga aus Medynia Głogowska aus grauer und natürlicher Keramik handgefertigt wurden, verleihen dem Interieur eine subtile Skulpturalität. Jede Lampe ist ein Unikat, was den individuellen Charakter des Projekts zusätzlich unterstreicht.

In der Wohnung fanden auch sorgfältig ausgewählte Vintage-Möbel Platz, die unter Berücksichtigung ihrer Geschichte restauriert wurden. Im Arbeitszimmer steht ein Arztpult mit originalem Gestell und Griffen, daneben ein Bürostuhl „Delta Chair” von Wilkhahn aus dem Jahr 1970. Im Wohnzimmer fallen der Soft Pad Chair EA 216, der 1969 von Ray und Charles Eames für Herman Miller entworfen wurde, sowie seltene Accessoires wie der „Chrome Reading Basket” von Willi Glaeser für Thomas Merlo & Partner aus den 1980er Jahren oder der Nachttisch „Chrome IKEA Ry” von Tord Björklund aus derselben Zeit ins Auge. Diese Elemente, kombiniert mit modernen Einrichtungslinien und originellen Möbeln, erzählen eine vielschichtige Geschichte über Design, in der Vergangenheit und Gegenwart auf natürliche Weise miteinander verschmelzen.

Die gesamte Einrichtung ist eine zeitgenössische Interpretation der Architektur der 1930er Jahre – keine Rekonstruktion, sondern ein kreativer Dialog mit der Geschichte. Weiche Rundungen, inspiriert vom Modernismus in Gdynia, minimalistische Möbellinien, edle Materialien und die Präsenz von Kunst machen die Wohnung zu einem Raum, in dem man die Kontinuität des Ortes spüren kann.

Entwurf: Justyna Hys-Bochińska – J CreativeStudio

Fotos: MoodAuthors

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