Es ist 38 Quadratmeter groß. So hat sie die kleine Wohnung in Krakau gestaltet

Auf dem Krakauer Stadtteil Narodowa Górka ist eine Wohnung entstanden, die beweist, dass 38 m² zu einem vollwertigen Wohnraum werden können – vorausgesetzt, dass sich Planer und Bauherren zu mutigen Entscheidungen entschließen. In diesem Fall erwies sich nicht nur die durchdachte Nutzung jedes Zentimeters als entscheidend, sondern auch die Neudefinition der funktionalen Aufteilung.

Bereits bei der ersten Besichtigung kam ein Gedanke auf, der den gesamten Bau entscheidend beeinflusste.

„Wir wollten, dass man vom Eingang aus das Licht sehen kann, das durch das große Balkonfenster hereinfällt“, sagte Anna Rybacka vom Architekturbüro head made, das die Innenausstattung entworfen hat. Genau diese Idee führte dazu, dass Schlafzimmer und Wohnzimmer die Plätze tauschten. Dadurch gewann die kleine Wohnung an Tiefe, und ihre Aufteilung war nicht mehr vorhersehbar.

Loft-Wand

Die neue Raumaufteilung erforderte präzise Lösungen. Das Schlafzimmer wurde vom Wohnbereich durch eine 2,4 m hohe Loftwand getrennt, die mit einer zweiflügeligen Tür mit Rillenglas ausgestattet ist. Diese Lösung ermöglichte es, die Küchenzeile zu beleuchten und gleichzeitig die Privatsphäre im Schlafbereich zu wahren. Die schräge Anordnung der Wand war kein Zufall – dadurch passte ein Tisch in voller Größe in die Küche, und die gesamte Einrichtung gewann an ausdrucksstarker Dynamik.

„Dieser Schritt hat die Wahrnehmung des Raumes völlig verändert“, betont Anna Rybacka. Die Schräge wurde später in den Möbeldetails wieder aufgenommen: in den Hängeschränken im Schlafzimmer, im Kopfteil des Bettes sowie im Abschluss des Regals im Wohnzimmer. Es sind subtile, aber konsequente Anspielungen, die den Innenraum ordnen und ihm Zusammenhalt verleihen.

Maßgefertigte Möbel

Angesichts der geringen Wohnfläche war es vorrangig, möglichst viel Stauraum zu schaffen. Die Einbauten im Eingangsbereich gehen fließend in die Küche über, im Schlafzimmer befinden sich ein geräumiger Kleiderschrank und eine Reihe von Hängeschränken, und im Wohnzimmer – ein Regal, ein Schrank sowie ein kleiner Schreibtisch. Auch im Badezimmer mangelt es nicht an durchdachten Stauräumen, darunter ein großer Schrank unter dem Waschbecken, in dem die Waschmaschine Platz findet.

In der Küche wurde besonderes Augenmerk auf die Arbeitsplatten aus Naturstein gelegt, die die Bauherren als zentrales Ausstattungselement betrachteten. Neben der Hauptarbeitsfläche wurde eine zusätzliche Arbeitsplatte in der Nische über dem Backofen entworfen, wodurch ein idealer Platz für die Kaffeemaschine entstand. 

Modernistische Inspirationen

Das Budget erforderte rationale Materialentscheidungen, weshalb die meisten Fronten aus laminierten Platten in Beigetönen gefertigt wurden, ergänzt durch Akzente in Ziegelrot und Orange. Schwarze Sockelleisten sowie Metalldetails im Badezimmer wirken wie eine grafische Kontur und strukturieren die Komposition.

Die Wände wurden mit Tapeten unterschiedlicher Struktur verkleidet – von neutralen, an Stoff erinnernden Mustern über geometrische Motive im Schlafzimmer bis hin zu einer gewagteren Komposition im Wohnzimmer. Im Badezimmer und über der Küchenarbeitsplatte wurden kleine Keramikfliesen verwendet, deren Fugenmuster ein dezentes Gitter bildet.

Inspiration für die gesamte Gestaltung war der modernistische Charakter der Wohnsiedlung. Schlichte Formen, klare Aufteilungen und eine ausgewogene Farbgebung sorgen dafür, dass der Innenraum sowohl funktional als auch voller Persönlichkeit ist.

Das Projekt in Narodowa Górka ist ein Beispiel dafür, wie bewusste Gestaltungsentscheidungen eine kleine Wohnfläche in einen Raum verwandeln können, der nicht nur alle Funktionen erfüllt, sondern auch ein Gefühl von Freiheit vermittelt. Diese Wohnung gibt nicht vor, größer zu sein, als sie ist, sondern nutzt ihre Grenzen klug aus und schafft so ein Interieur mit einem ausdrucksstarken, modernen Charakter.

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Über das Büro:

Das Designbürohead madewurde 2011 von Anna Rybacka gegründet, einer Absolventin der Fakultät für Innenarchitektur an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau, die zuvor im Rahmen des Studios für Innenarchitektur und Möbeldesign „bez atu“ tätig war. Das Studio hat zahlreiche Projekte im privaten und öffentlichen Bereich realisiert. In ihren Entwürfen verbindet sie traditionelle Techniken und Objekte mit zeitgenössischen Elementen. Sie schätzt die Individualität von Innenräumen, die durch die gekonnte Einbindung von Kunstobjekten erreicht wird. Besonders freuen sie Projekte in Gebäuden mit historischem Potenzial, die die Möglichkeit für unkonventionelle Gestaltungen bieten.

Entwurf: Anna Rybacka – head made

Fotos: Pietruszka Fotografia

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