Es ist fast 100 Jahre alt. Die verfallene Toilettenhütte im Sächsischen Garten

An der Kreuzung der Straßen Królewska und Marszałkowska in Warschau verfällt seit vielen Jahren ein kleines Gebäude, das die meisten Passanten für eine wertlose Ruine halten. Weit gefehlt! Tatsächlich handelt es sich um eine ehemalige öffentliche Toilette aus der Zwischenkriegszeit – eines der letzten erhaltenen Elemente der historischen Infrastruktur im Sächsischen Garten. Trotz vorliegender Unterlagen und wiederholter Ankündigungen einer Sanierung steht das Gebäude nach wie vor als unrühmliches Aushängeschild des Gartens da, der als Ganzes in das Denkmalregister eingetragen ist.

Die Toilettenanlage im Sächsischen Garten – Anfänge in der Zwischenkriegszeit

Das Gebäude entstand höchstwahrscheinlich in den 1920er- oder 1930er-Jahren, als der repräsentative Sächsische Garten mit modernen Einrichtungen für Besucher ausgestattet wurde. Es sind keine Dokumente erhalten geblieben, die es ermöglichen würden, das genaue Baujahr oder den Architekten zu bestimmen; bekannt ist jedoch, dass das Gebäude viele Jahre lang als öffentliche Toilette diente. Es wurde von Spaziergängern, Teilnehmern an Feierlichkeiten auf dem Saski-Platz – später Piłsudski-Platz – sowie von Parkbesuchern genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das kleine Gebäude trotz der enormen Zerstörungen, die den Saski-Garten und seine Umgebung heimgesucht hatten, weiterhin als Toilette. Im Laufe der Jahre wurde es jedoch außer Betrieb genommen.

Das Geheimnis der Aufschrift „KAWIARENKA“

Ein faszinierender Hinweis auf die Geschichte des Gebäudes ist ein Teil der roten Aufschrift „KAWIARENKA“, die bis heute auf der Attika zu sehen ist. Lange Zeit ging man davon aus, dass dort nie tatsächlich ein Gastronomiebetrieb eröffnet worden war, doch Marek Piwowarski, ehemaliger Direktor der Grünflächenverwaltung, warf ein neues Licht auf diese Geschichte. Er bestätigte, dass dort, nachdem die Toilettenfunktion aufgegeben worden war, eine Zeit lang ein Café betrieben wurde. Alles deutet darauf hin, dass die ehemalige städtische Toilettenanlage in den 80er- oder 90er-Jahren als kleine saisonale Gaststätte diente, die von einem städtischen Gastronomieunternehmen oder einem Pächter betrieben wurde. Von dieser Episode ist nur noch eine verblasste Inschrift übrig geblieben, da Archivquellen keine Details über den Betrieb des Lokals enthalten.

Immer teurer werdende Renovierung und weitere Hindernisse

Um die Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert wurde das Gebäude endgültig geschlossen, und seine Innenräume sowie Fassaden fielen schnell Vandalismus zum Opfer. Installationen, Fenster und Türen wurden zerstört, die Wände waren mit Graffiti übersät, und der bauliche Zustand verschlechterte sich weiter. Schließlich wurde der Zugang zum Gebäude gesichert, doch dies konnte den fortschreitenden Verfall von außen nicht aufhalten. Erste konkrete Ankündigungen zur Sanierung des aus der Zwischenkriegszeit stammenden Gebäudes gab es im Jahr 2014, und zwei Jahre später begann Warschau mit den Vorbereitungen für das Bauvorhaben. Anfangs wurden die Kosten auf etwa 300.000 Złoty geschätzt, doch detaillierte Gutachten deckten schwerwiegende Schäden am Wasser-, Abwasser- und Stromnetz auf. Wie die Architektin Aleksandra Wasilkowska damals erklärte, erwies sich die Anzahl der erforderlichen Genehmigungen und Unterlagen als vergleichbar mit Projekten von deutlich größerem Umfang. Infolgedessen stieg der Kostenvoranschlag nacheinander auf 500.000, 700.000 und schließlich auf etwa eine Million Złoty.

Die Toilettenanlage im Sächsischen Garten wartet immer noch darauf, an die Reihe zu kommen

Auch bei der Suche nach einem Auftragnehmer häuften sich die Probleme. Im Jahr 2019 scheiterten vier Ausschreibungen – dreimal ging kein Angebot ein, und das einzige Angebot überschritt die von der Stadt bereitgestellten Mittel deutlich. Ein Jahr später wurden die Mittel für den Bau automatischer öffentlicher Toiletten umgeschichtet, und die Sanierung der Toilettenanlage im Sächsischen Garten trat in den Hintergrund. Auch die Vorbereitungen für den Wiederaufbau des Sächsischen Palasts wirkten sich negativ auf das Projekt aus. Archäologische Arbeiten und andere Maßnahmen in unmittelbarer Nachbarschaft führten dazu, dass die Sanierung verschoben wurde, bis Einzelheiten zum Wiederaufbau am Piłsudski-Platz bekannt waren. Infolgedessen wurden die Arbeiten trotz eines fertigen Entwurfs und einer erteilten Baugenehmigung nie aufgenommen. Heute ist das verlassene Gebäude Eigentum der Stadt und wartet nur wenige Dutzend Meter vom Grabmal des Unbekannten Soldaten entfernt immer noch auf den Moment, in dem es sein früheres Aussehen und seine ursprüngliche Funktion zurückerhält.

Quelle: tvn24.pl, zzw.waw.pl

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