Am Rande der tschechischen Stadt Žďár nad Sázavou stehen seit Hunderten von Jahren die Gebäude des Heiligtums des Heiligen Johannes Nepomuk auf dem Grünen Berg. Die von einem Ring aus Kapellen in Form eines vielzackigen Sterns umgebene Kirche ist ein Entwurf von Jan Blažej Santini Aichel. Heute gehört der gesamte Sakralkomplex zu den originellsten Werken des europäischen Barocks. 1994 wurde er in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
Heiligtum auf dem Grünen Berg
Der Anstoß zum Bau der Kirche in Zdziar nad Sazawą war ein Ereignis aus dem Jahr 1719, als bei der Öffnung des Grabes von Johannes Nepomuk in der St.-Veits-Kathedrale in Prag Gewebe gefunden wurde, das als die unversehrte Zunge des Märtyrers identifiziert wurde. Daraufhin initiierte der Abt des Zisterzienserklosters den Bau einer neuen Kirche an einem Ort, der mit seiner Jugend verbunden war. Mit dem Entwurf wurde Santini beauftragt, der seiner Fantasie freien Lauf ließ und etwas Einzigartiges schuf, das in ganz Europa seinesgleichen sucht. Die Arbeiten am Bau der Sternkirche begannen 1719 und dauerten nur acht Jahre. Kurz darauf brach ein Feuer aus, das das Dach und die Ambiten beschädigte. Während der Regierungszeit von Kaiser Joseph II. Habsburg wurde der Pilgerverkehr im Land eingeschränkt und das ungenutzte Gelände um die Kirche herum als Friedhof genutzt. Die Nekropole wird derzeit im Rahmen der Konservierung des barocken Grundrisses der gesamten Sternkirche schrittweise aufgelöst.

Architektur basierend auf Sternen und Zahlen
Jan Blažej Santini Aichel entwarf das Heiligtum auf einem zentralen Grundriss mit einer klar umrissenen Geometrie aus Kreis und Stern. Das Motiv der fünf Arme bezieht sich auf die Legende von den fünf Sternen, die über dem in der Moldau ertrunkenen Heiligen Johannes Nepomuk erschienen sein sollen. Im Umfang sind abwechselnd fünf Kapellen mit dreieckigem Grundriss und ebenso viele mit ovalem Grundriss angeordnet. Während der Arbeiten legte der Architekt die Anordnung des Tempelkomplexes mit Hilfe von Bögen fest, deren Radien ein Vielfaches des angenommenen Moduls waren. In seinem Entwurf finden sich auch Bezüge zur Regel der Drei, interpretiert im Kontext der Heiligen Dreifaltigkeit, und der Sechs, verbunden mit der Marienverehrung. Der zentral angeordnete Kirchenbau erinnert an den Chor einer gotischen Kathedrale, umgestaltet im Geiste des Barock.
Raum und Licht im Inneren der Kirche
Das Innere der Kirche basiert auf einem zentralen zylindrischen Körper, der nach oben offen ist und von einem Gewölbe mit Lünetten gekrönt wird. Die ovalen Kapellen, die um den Hauptschiff herum angeordnet sind, sind durch Spitzbogenarkaden mit diesem verbunden. Die Konstruktion wird von 10 Säulen getragen, über denen sich Emporen befinden, die der Anordnung der Kapellen entsprechen. Noch höher verläuft eine Galerie. Die Stuckverzierungen beschränken sich auf Motive von sich kreuzenden Rippen, die an gotische Gewölbe erinnern. Eine besondere Rolle spielt in diesem Entwurf das Licht. Der zentrale Teil wird indirekt beleuchtet, während der Umgang von intensivem Licht durchflutet wird, das durch die Arkaden eindringt. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde die Beleuchtung selbst das Gewicht des Gebäudes tragen und die Wände lediglich als dünne Hülle dienen. Dadurch wird der gesamte Innenraum als ein Raum wahrgenommen, der sich um die Reliquie der Zunge des Heiligen Johannes Nepomuk konzentriert. Das Bild dieses Organs ist auf dem Gewölbe der Kirchenkuppel zu sehen.

Das Heiligtum auf dem Grünen Berg und sein Wert
Der Hauptaltar befindet sich in einer hohen Arkade. Seine mächtige Komposition reicht bis zur Balustrade des zweiten Stockwerks. Die Skulpturen der fünf Engel und der vier Evangelisten wurden in den Jahren 1725-1727 von Jan Pavel Čechpauer aus Chrudim geschaffen. Drei Engel halten eine Kugel mit fünf Sternen, auf der eine Figur des Heiligen Johannes Nepomuk von Řehoř Thena steht. Der Künstler schuf auch Reliefs für eine silberne Pilgerfigur, die 1729 vom Prager Goldschmied Jan Diesbach angefertigt wurde und nach dem erwähnten Brand verschwand. Die Kirche ist von einem sehr eindrucksvollen, ringförmigen Kreuzgang umgeben, der in 10 Joche unterteilt ist, in denen sich abwechselnd Kapellen und Tore befinden. Früher waren die Dächer der Kapellen mit schlanken Fialen gekrönt, die als Symbol für Licht und Ewigkeit interpretiert wurden. Das Heiligtum auf dem Grünen Berg bildet eine äußerst originelle und unschätzbare Komposition, die heute als eine der herausragendsten Leistungen Santinis und als einzigartiges Beispiel für die Synthese von Barock und Gotik gilt.
Quelle: zamekzdar.cz, zdarns.cz
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