Der erste Wolkenkratzer Europas wird vom Studio Libeskind neu entwickelt. Auf dem eleganten Turm im Art-déco-Stil soll ein Glaskubus als Aussichtsplattform errichtet werden. Das gesamte Gebäude wird renoviert und in einen riesigen Sitz für eine Kunststiftung in Antwerpen umgewandelt. In der Vergangenheit wurde der Boerentoren bombardiert, von verschiedenen Architekten fast zerstört und vernachlässigt. Wird Daniel Libeskinds kühnes Projekt der turbulenten Geschichte des Wolkenkratzers einen positiven Stempel aufdrücken?
Monument des Jahrhunderts
Die Geschichte der Boerentoren reicht bis in den Ersten Weltkrieg zurück. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Gebäude Antwerpens stark beschädigt, so dass die Architekten der Nachkriegszeit vor der schwierigen Aufgabe standen, sie wieder aufzubauen. In den 1920er Jahren wurde mit dem Bau neuer Viertel begonnen, und eines der Vorzeigeprojekte sollte ein Wolkenkratzer werden. Das Grundstück wurde von der Vorgängerin der heutigen KBC-Bank gekauft, die ihre Absicht erklärte, ein modernes Gebäude zu errichten.
Mit einer Höhe von fast 98 Metern war das Gebäude unglaublich beeindruckend, denn es war der erste und höchste Wolkenkratzer des Kontinents. Die gestufte Stahlbetonstruktur wurde mit Sandsteinplatten der Fassade verkleidet, und feine Verzierungen in Form von Reliefs und Hermes betonten die Raffinesse des Art déco-Stils. Die langen Erker, die die Fassade erklimmen, sind ein besonderes Merkmal. Der Wolkenkratzer war allerdings nicht das höchste Gebäude Europas, denn selbst die Kathedrale der Stadt ragt 123 Meter in die Höhe.
Interessanterweise sind auf den geschnitzten Details Hasen und Hühner abgebildet, da der Hauptinvestor der Bank der Belgische Bauernverband war. Der ursprüngliche Name „Turmgebäude“ wurde durch den volkstümlichen Spitznamen „Boerentoren“ – „Bauernturm“ – abgelöst. Es ist bemerkenswert, dass das Gebäude 1930 in der pompösen Atmosphäre der belgischen Weltausstellung errichtet wurde, mit der das hundertjährige Jubiläum der Gründung des Landes gefeiert wurde. Der Bau wurde 1932 abgeschlossen.

Sturm
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude von der deutschen Artillerie beschossen, und 1945 wurden die oberen Stockwerke von einem deutschen V-1-Marschflugkörper getroffen. Nach dem Konflikt wurde das Boerentoren wieder aufgebaut, aber die modernistischen Architekten der 1960er Jahre waren nicht gut auf die Art déco-Dekorationen zu sprechen. Es gab sogar Pläne, das Gebäude in einen Wolkenkratzer im internationalen oder sogar brutalistischen Stil umzuwandeln, aber glücklicherweise blieb es bei Zeichnungen. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gebäude immer wieder umgestaltet, bis es 1981 unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Im Jahr 2020 verkaufte die KBC-Bank, der langjährige Eigentümer des Gebäudes, den historischen Wolkenkratzer, und es zeichneten sich Pläne ab, ihn in seinem früheren Glanz wiederherzustellen. Derzeit plant das Studio Libeskind, einen markanten Glaskubus mit einer Aussichtsplattform auf dem Gebäude zu errichten. Diese Entscheidung scheint nicht allzu umstritten zu sein, denn frühere Architekten haben die Spitze des Wolkenkratzers bereits mehrfach umgestaltet. Jahrelang wurde das Dach des Boerentoren von einem großen NZB-Logo gekrönt.

Glaswürfel und Tradition
Die Aussichtsplattform wird über zwei Aufzüge erreicht, die an der Fassade des Gebäudes hochfahren. Von hier aus kann man die Gebäude von Antwerpen und Flandern überblicken. Auf dem angrenzenden Dach wird ein Skulpturenpark mit einem Restaurant entstehen, und ein Atrium mit einem offenen Ausstellungsraum wird das neue Herz des Gebäudes sein. In Boerentoren werden die Sammlungen der Phoebus-Kunststiftung zu sehen sein.
Der neue Entwurf soll die bestehende Architektur des Gebäudes erhalten und restaurieren. Das Studio Libeskind sorgt dafür, dass die Entwicklung die bewegte Geschichte des Gebäudes würdigt, so dass neben den neuen Elementen auch die historischen ästhetischen Qualitäten berücksichtigt werden müssen. Im Moment haben sich die Entscheidungsträger geeinigt und die Investoren haben bereits mehr als 100 Millionen Euro für die Vorbereitungsphase bereitgestellt. Man muss zugeben, dass der kühne Vorschlag von Studio Libeskind vielversprechend aussieht und nicht an die bekannten dekonstruktivistischen Monstrositäten erinnert. Ob Boerentoren jedoch so aussehen wird wie auf den Visualisierungen, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Im Jahr 2022 wurde in der Presse berichtet, dass das Gebäude 2028 eröffnet werden soll, aber bisher gibt es keine neueren Bestätigungen für diesen Termin.
Quelle der Visualisierung: Studio Libeskind
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