Am 6. Juni wird in Pietrasanta in der Toskana das weltweit erste Igor-Mitoraj-Museum seine Pforten öffnen. Die dem polnischen Bildhauer gewidmete Einrichtung entsteht in der Stadt, in der der Künstler mehrere Jahrzehnte seines Lebens verbrachte und viele seiner bekanntesten Werke schuf.
Das Igor-Mitoraj-Museum in der Stadt der Künstler und des Marmors
Pietrasanta gilt seit vielen Jahren als eines der wichtigsten europäischen Zentren für zeitgenössische Kunst. Die kleine Stadt verdankt ihren Ruf vor allem der Nähe zu den berühmten Steinbrüchen von Carrara, aus denen seit Jahrhunderten Marmor gewonnen wird, der von Bildhauern und Architekten verwendet wird. Die Entwicklung der örtlichen Steinmetzwerkstätten, Bronzegießereien und spezialisierten Ateliers führte dazu, dass sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Künstler aus verschiedenen Teilen der Welt hier niederließen. Pietrasanta erhielt sogar den Beinamen „Kleines Athen“. Das historische Stadtzentrum gleicht heute einer offenen Galerie. Auf den Plätzen und Straßen werden zeitgenössische Installationen und großformatige Skulpturen präsentiert. Mit Pietrasanta verbunden waren unter anderem Fernando Botero, Magdalena Abakanowicz, Krzysztof Bednarski und Igor Mitoraj, der zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der lokalen Kunstszene wurde. Im Jahr 2001 erhielt er sogar den Titel eines Ehrenbürgers der Stadt.
Mitoraj und seine Faszination für die Antike
Igor Mitoraj ließ sich Anfang der 80er Jahre in Pietrasanta nieder. In der Toskana gründete er sein eigenes Atelier und begann eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern, die sich auf die Bearbeitung von Marmor und das Gießen von Bronze spezialisiert hatten. Genau dort entstand ein Großteil seiner bekanntesten Werke, die durch fragmentarische Torsi, Risse und von der Antike inspirierte Köpfe erkennbar sind. Der Künstler widmete sich zunächst der Malerei. Erst eine Reise nach Mexiko lenkte sein Interesse auf die Bildhauerei. Mit der Zeit entwickelte er eine eigene Formensprache, die auf der Ästhetik antiker Ruinen und archäologischer Funde basierte. Seine Werke tauchten im öffentlichen Raum vieler Städte weltweit auf, von Paris bis Tokio. Nach Mitorajs Tod im Jahr 2014 kam immer häufiger die Idee auf, einen Ort zu schaffen, der seinem Werk gewidmet ist, und zwar gerade in Pietrasanta, der Stadt, der er sein Herz schenkte und in der er nach seinem Tod seine letzte Ruhe fand.

Das Igor-Mitoraj-Museum in der ehemaligen Markthalle
Nach einem Jahrzehnt ist es endlich gelungen. Das Museum entsteht im Gebäude der ehemaligen Stadtmarkthalle an der Via Oberdan. Das modernistische Gebäude wurde in den 1960er Jahren als Markthalle errichtet, verwandelte sich jedoch im Laufe der Zeit in einen Supermarkt und verlor seinen ursprünglichen Charme. Die Stadtverwaltung beschloss daher, es für die Bedürfnisse einer Kulturinstitution umzugestalten. Das Projekt wurde vom Mailänder Architekturbüro OBR Open Building Research entworfen. Die Architekten haben einen Teil der industriellen Ästhetik der Halle beibehalten und darin einen zur Stadt hin offenen Ausstellungsraum geschaffen. Die neue Einrichtung soll als Treffpunkt für Einwohner, Touristen und die Kunstszene dienen. Nach der Vorstellung der Autoren beschränkt sich das Projekt nicht auf eine klassische Galerie, sondern soll aktiv am öffentlichen Leben von Pietrasanta teilnehmen.
Die Skulpturensammlung und ihre Bedeutung für Polen
Im Museum wird eine ständige Sammlung von Werken Igors Mitorajs sowie Werke anderer Künstler präsentiert. Die Ausstellung umfasst Skulpturen, Modelle, Skizzen und Archivmaterial, das die Tätigkeit des Polen dokumentiert. Den Kern der Sammlung bildet eine Gruppe von mehreren Dutzend Werken, die dem italienischen Staat von den Erben des Bildhauers übergeben wurden. Darunter befinden sich Werke, die als Ikonen seines Schaffens gelten. Die Einrichtung soll auch Wechselausstellungen, Bildungsveranstaltungen sowie Begegnungen organisieren, die der zeitgenössischen Bildhauerei und dem lokalen Kunsthandwerk gewidmet sind. Für Pietrasanta bedeutet das Projekt eine weitere Festigung seiner Position als bedeutendes Zentrum für zeitgenössische Kunst in Europa. Für Polen hingegen wird das Museum ein einzigartiger Ort sein, um das Werk eines der international am meisten geschätzten polnischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts bekannt zu machen.
Entwurf: OBR Open Building Research
Quelle: museomitoraj.it
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