Wioślarz
fot. ZielonyŻoliborz/Tomasz Mielcarz

Jan Sajdaks „Ruderer“ zerstört. Das Werk von Vandalen

Vor einigen Tagen kam es zu einem dreisten Akt der Zerstörung einer der Freiluftskulpturen im Warschauer Park Fosa i Stoki Cytadeli. Die Information über den Vorfall wurde von der Initiative ZielonyŻoliborz übermittelt. In der Nacht vom 6. auf den 7. Januar wurde das Werk „Wioślarz” (Ruderer) von Jan Sajdak beschädigt, einem Künstler, der seit Jahren mit Werken beschäftigt ist, die auf natürlichen Materialien und dem Dialog mit der Landschaft basieren.

Über die Zerstörung informierte der Stadtrat Łukasz Ostrowski, der von einer besorgten Anwohnerin alarmiert worden war. Tomasz Mielcarz begab sich daraufhin zum Ort des Geschehens und fand „Wioślarz” am Tor, 50 m von seinem ursprünglichen Standort entfernt. Die Skulptur hat gebrochene Beine und beschädigte Arme, was auf eine vorsätzliche Tat hindeutet. Das Werk wurde gesichert und deponiert, bis der Autor über sein weiteres Schicksal entscheidet. Der jüngste Vorfall war nicht der erste Fall von Zerstörung des „Ruderers”. Einige Wochen zuvor hatte die Holzfigur durch ähnliche Handlungen ihren Kopf verloren.

„Der Ruderer” als Element der Landschaftskunst

Die Installation erschien in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 als Teil einer Reihe von Freiluftprojekten im Park. Die aus Holz und Weide gefertigte Form stellte eine dynamische Figur mit deutlich ausgeprägter Muskulatur dar, die sich in die natürliche Geländegestaltung einfügte. Das Objekt wurde schnell zu einem erkennbaren Punkt in diesem Teil der Zitadelle und beeindruckte die Betrachter durch seine Größe, seine Gestik und seine Beziehung zur Umgebung. Der Autor betonte wiederholt, dass Skulpturen dieser Art nur eine begrenzte Lebensdauer haben. Natürliche biologische und atmosphärische Prozesse wurden von Anfang an in das Konzept des Projekts einbezogen. Der allmähliche Zerfall des Materials sollte dazu führen, dass die Form ohne menschliches Eingreifen wieder in den Kreislauf der Natur zurückgeführt wird. Ein Akt von Vandalismus unterbrach diesen Prozess jedoch auf gewaltsame und externe Weise.

Foto: Haydn Blackey aus Cardiff, Wales, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Das Werk von Jan Sajdak

Das Schaffen von Jan Sajdak entwickelt sich an der Schnittstelle zwischen Skulptur, Land Art und Freilichtinstallationen. Der Künstler verwendet konsequent organische Materialien wie Weide, Haselnuss oder unbehandeltes Holz. Seine Arbeiten in der Landschaft fungieren als temporäre Eingriffe in den Raum, die oft unter dem Einfluss natürlicher Bedingungen allmählichen Veränderungen unterliegen. Die Land Art, in der sich Sajdak bewegt, setzt eine enge Verbindung zwischen künstlerischem Schaffen und Ort voraus. Der Raum dient nicht als neutraler Hintergrund, sondern wird zum Mitgestalter des Projekts. Erosion, Feuchtigkeit, Temperaturänderungen oder Bewuchs durch Pflanzen werden als gleichwertige Elemente des Schaffensprozesses behandelt.

„Der Ruderer” von Jan Sajdak

Jan Sajdak wurde 1987 geboren. Er studierte zunächst Ethnologie und Kulturanthropologie an der Universität Warschau und anschließend Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau, wo er 2016 sein Diplom mit Auszeichnung im Atelier von Prof. Antoni J. Pastwa abschloss. Im Jahr 2018 erhielt er ein Stipendium des Adam-Mickiewicz-Instituts und der Hauptstadt Warschau. Seine künstlerische Tätigkeit umfasst Projekte in Polen und im Ausland sowie die Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen und sozialen Organisationen. Neben der Bildhauerei beschäftigt sich der Künstler mit Musik, spielt afro-brasilianische Berimbau und realisiert Galerie- und Freiluftprojekte, die sich mit sozialen und ökologischen Themen befassen.

Quelle: Geheimnisse Warschaus, Zielony Żoliborz

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