Das Schaffen von Joanna Pawlik konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Körper und Landschaft. Die Künstlerin bettet ihren eigenen Körper in den Raum aus Halden, Brachflächen und industriellen Überresten ein und betrachtet diesen nicht als Hintergrund, sondern als aktiven Teil der Erfahrung. Behinderung, Schmerz und Alltag verflechten sich hier mit der Beziehung zu einem Ort, der einem ständigen Wandel unterliegt. Die Ausstellung ist vom 6. Juli bis zum 31. August in Łódź zu sehen.
Verfasserin des kuratorischen Textes ist Magdalena Komborska-Łączna
Im Sinne der „mentalen Ökologie“ des französischen Psychotherapeuten und Philosophen Félix Guattari fungiert die Landschaft als ein Raum, der sowohl physisch als auch psychisch bewohnt wird. Die Grenzen zwischen Innen und Außen, Körper und Umgebung bleiben fließend und bilden ein gemeinsames Erfahrungsgebiet. Zu einem besonderen Symbol dieser Beziehung werden Halden – durch menschliches Handeln entstandene Landschaften, die im Laufe der Zeit Regenerationsprozessen unterliegen und zum Lebensraum neuer Lebensformen werden. Zerstörung und Wiedergeburt koexistieren dort miteinander und bilden eine Metapher für einen Körper, der zur Verwandlung fähig ist, seine Handlungsfähigkeit zurückgewinnt und ständig seine eigenen Grenzen neu verhandelt.
In den monumentalen Fotografien verschwindet die Figur der Performerin fast in der Landschaft – ein „Blackout“. Dies wird zur Metapher für Unsicherheit, Schwebezustand und die Verwischung der Grenzen zwischen Körper und Landschaft. Pawlik zeigt den Organismus als Teil eines größeren Ganzen, das Regenerations- und Verwandlungsprozessen unterliegt. Im Gegensatz zu Erzählungen, die sich auf die Erfahrung von Schmerz konzentrieren, lenkt sie die Aufmerksamkeit auf die Handlungsfähigkeit, die Wiedererlangung der Präsenz und die Möglichkeit, durch Handeln Grenzen zu überschreiten.
Ein wesentlicher Schwerpunkt im Schaffen der Künstlerin ist zudem die Reflexion über Weiblichkeit und die Art und Weise, wie der Körper dargestellt wird. Pawlik erzählt eine einfühlsame Geschichte über eine Körperlichkeit, die sich den Normen entzieht. Ihre Fotografien zeigen den nicht-normativen Körper als Raum der Präsenz, der Erfahrung und der individuellen Geschichte. Sie interessiert sich nicht nur für die Art und Weise, wie der weibliche Körper dargestellt wird, sondern auch für den Akt des Betrachtens selbst und die Möglichkeit, ein eigenes Selbstbild jenseits auferlegter Normen zu entwickeln.

Ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung sind zudem Objekte, die aus der Kombination gebrauchter Prothesenteile mit Glas, Metall und anderen Materialien entstanden sind. Von Gebrauchsgegenständen in eigenständige künstlerisch-gestalterische Formen verwandelt, werden sie zu Trägern von Erfahrungen und der individuellen Geschichte des Körpers.
In Pawliks Arbeiten ist die Prothese nicht mehr nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern wird zum Zeugnis der Beziehung zwischen Körper, Technologie und Erfahrung.
Joanna Pawliks Schaffen lädt dazu ein, den Körper als einen Raum ständiger Transformation zu betrachten – fähig, mit dem Anderssein zu koexistieren, Grenzen zu überschreiten und neue Formen der Präsenz in der Welt zu schaffen.
Autorin: Joanna Pawlik
Kuratorin: Magdalena Komborska-Łączna
Visuelle Gestaltung: Mariusz Andryszczyk
Bühnenbild: Monika Staniec
Vernissage: 6. Juli, 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 6.07. – 31.08.2026
Ort: Akademisches Designzentrum, ul. Księży Młyn 13/15, Łódź
Veranstalter: W. Strzemiński-Akademie der Bildenden Künste in Łódź
Lesen Sie auch: Ausstellung | Łódź | Kunst | Empfehlungen | whiteMAD auf Instagram




