dom "Pod Globusem"
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Jugendstilkunst: Das Haus „Pod Globusem“ ist ein Prunkstück von Krakau

In der Basztowa-Straße in Krakau zieht ein Mietshaus aus Backstein mit einem Eckturm und einer Metallkugel über der Uhr die Aufmerksamkeit aller Passanten auf sich. Das „Pod Globusem“-Haus, wie es genannt wird, ist der Stolz der Stadt und eines der berühmtesten Wahrzeichen Krakaus aus dem frühen 20. Jahrhundert. Ursprünglich wurde das Gebäude als sehr repräsentativer Sitz der Industrie- und Handelskammer errichtet. Heute wird es jedoch mit den Aktivitäten des Verlags Wydawnictwo Literackie und einer Buchhandlung in Verbindung gebracht und beeindruckt immer wieder durch die ungewöhnliche Größe seines Volumens und die ausgeprägte Identität seiner Architektur.

Das Haus „Unter dem Globus“ – entstehungsgeschichte der Investition

Ende des 19. Jahrhunderts beschlossen die Verantwortlichen der Industrie- und Handelskammer, dass die Institution ein eigenes Gebäude benötigte. Bis dahin hatte sie gemietete Räumlichkeiten genutzt, die den Ambitionen und der Größe der Organisation, die die Krakauer Unternehmer und Handwerker vereinte, nicht gerecht wurden. Als Standort für das Gebäude wurde ein prominentes Grundstück an der Kreuzung der Basztowa- und der Długa-Straße gewählt, das sich in der Nähe wichtiger Institutionen und einer Straßenbahnlinie befindet. Eine solche Adresse sollte die Stellung der Kammer unterstreichen und sie in den repräsentativen Kreis der Stadtentwicklung im Planty-Viertel einordnen.

Entwurf von Stryjeński und Mączyński

Mit der Ausarbeitung des Entwurfs wurde Tadeusz Stryjeński, einer der renommiertesten Architekten Krakaus, betraut, der Franciszek Mączyński zur Mitarbeit einlud. Der Grundriss des Gebäudes wurde unter dem Einfluss der europäischen Formentwicklungen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhunderts. Inspirationen finden sich hier unter anderem im Gebäude der Amsterdamer Börse und in Wiener Realisierungen, die sich um das kommerzielle Leben drehen. Das Haus „Pod Globusem“ wurde zwischen 1904 und 1906 erbaut. Das imposante Gebäude erhielt zwei Stockwerke über dem Hochparterre, eine mit Backsteindetails bereicherte Fassade und einen Eckturm mit einer beleuchteten Uhr und einer durchbrochenen Weltkugel auf seiner Spitze. Trotz der begrenzten Breite des Grundstücks entwickelten die Architekten einen Grundriss von großem Wert für die Gesamtkomposition. Darüber hinaus wurde an der Fassade ein metallenes Segelschiff mit dem Emblem der Kammer angebracht, und das Eingangsportal wurde mit Reliefs von Konstanty Laszczka ergänzt. Die Glasfenster mit Motiven aus der Industrie wurden in der Werkstatt von Władysław Ekielski und Antoni Tuch auf der Grundlage von Zeichnungen von Mączyński angefertigt.

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Haus „Unter dem Globus“ vor dem Krieg. Quelle: NAC – Nationales Digitales Archiv

Mehoffer-Saal des Hauses „Under the Globe“

Das repräsentativste Interieur des Gebäudes befand sich im ersten Stock. Ursprünglich wurde der Entwurf Stanisław Wyspiański anvertraut, doch schließlich übernahm Józef Mehoffer die Ausführung und schuf einen Saal von außergewöhnlicher Tiefe und reichhaltiger Ornamentik. Die Wände des Saals wurden in drei Zonen unterteilt. Der untere Bereich ist mit hellen Täfelungen versehen, die mit von Volksschmuck inspirierten Messingdetails verziert sind. Die oberen Bereiche sind mit geometrischen und floralen Motiven mit grünen, gelben und roten Akzenten gefüllt. Den Plafond ziert ein Gemälde mit acht sich windenden Schlangen inmitten von Pfauenfedern. Auch das Mobiliar und die Beleuchtung wurden nach Mehoffers Entwürfen gestaltet, die eine maximale Kohärenz der gesamten Raumkomposition gewährleisten. Nachdem die Büste von Kaiser Franz Joseph I. 1918 entfernt worden war, kam das Relief des polnischen Adlers zum Vorschein.

Das Haus „Unter dem Globus“ und sein Schicksal

Das Haus „Pod Globusem“ überstand den Zweiten Weltkrieg unversehrt. Nach 1950 wurde das Gebäude von Institutionen aus Politik und Wirtschaft übernommen. Unwissenheit und mangelnde Pflege des Denkmals führten bald zu einer Reihe von unvorteilhaften Modernisierungen. Die Innenräume des Gebäudes wurden unterteilt, die farbenfrohen Polychromien übermalt und ein Teil des reichen Mobiliars einfach entfernt. Ein weiterer schwerer Schlag für das Gebäude war die Durchbohrung der Arkaden im Jahr 1953, die nicht unbemerkt blieb. Damals betrachtete niemand das Mietshaus als kulturelles oder architektonisches Gut, sondern eher als ein Verwaltungsgebäude, das seiner früheren Bedeutung beraubt war.

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Literarischer Verlag stellt Glanz wieder her

Die Situation des Hauses änderte sich erst in den 1970er Jahren, als die Räumlichkeiten des Gebäudes von Wydawnictwo Literackie angemietet wurden. Daraufhin begann eine schrittweise Restaurierung, die in mehreren Etappen durchgeführt wurde. Konservatoren rekonstruierten die beschädigte Einrichtung auf der Grundlage von Archivmaterial und erhaltenen Elementen, so dass das Haus „Pod Globusem“ wieder zu einem Schmuckstück der Krakauer Architektur werden konnte. Gleichzeitig wurde eine Reihe von Modernisierungen vorgenommen, um das Gebäude auf den heutigen Stand zu bringen.

Pod Globusem Buchhandlung

Das vergessene Erdgeschoss des Gebäudes wurde 2006 durch die Buchhandlung Pod Globusem wiederbelebt, die einige Jahre später unter der Leitung von Romuald Loegler umgestaltet wurde. Die Räumlichkeiten wurden zu einem Treffpunkt für Leser und zu einem Ort für literarische Veranstaltungen, Workshops und Gespräche mit Autoren. Es wurde von Künstlern besucht, die mit der polnischen Kultur verbunden sind, darunter Sławomir Mrożek, Jerzy Stuhr und Roma Ligocka. In den 1990er Jahren wurde der Rand der Weltkugel mit dem Namen des Verlags Wydawnictwo Literackie beschriftet, der die Restaurierung des Objekts finanzierte.

Das Haus „Unter dem Globus“ als Ikone des Jugendstils

Das Haus „Pod Globusem“ mit seinem charakteristischen Turm ist auch heute noch einer der interessantesten Vertreter des Krakauer Jugendstils. Mit seiner avantgardistischen Form, der Vielzahl an Details und seiner zeitlosen Gestalt steht dieses Monument ganz oben auf der Liste der Gebäude, die man bei einem Besuch der Stadt Krakau unbedingt gesehen haben muss.

Quelle: zabytek.pl

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