Kasachstan baut den Aralsee wieder auf. In den letzten 20 Jahren wurde im nördlichen Teil des Gewässers eine deutliche Verbesserung der hydrologischen Bedingungen festgestellt. Offiziellen Angaben zufolge ist der Wasserstand dort um 42 % gegenüber dem niedrigsten gemessenen Stand gestiegen, und der Salzgehalt ist um 75 % gesunken. Dadurch kehren Fischarten in das Gewässer zurück und die Fischerei erlebt einen Aufschwung. Der Wiederaufbauprozess betrifft jedoch nur den Teil des Sees, der in Kasachstan liegt.
Der Aralsee – der Weg zur ökologischen Katastrophe
Noch Mitte des 20. Jahrhunderts war der Aralsee der viertgrößte See der Welt. Gespeist von den Flüssen Amu-Darja und Syr-Darja, die aus den Bergen Zentralasiens entspringen, prägte er über Jahrhunderte hinweg die Lebensbedingungen in der Region. Die Situation änderte sich drastisch in den 1960er Jahren, als die Behörden der Sowjetunion einen Großteil des Wassers beider Flüsse für die Bewässerung ausgedehnter Baumwollplantagen umleiteten. Der Zufluss zum See ging rapide zurück, was einen Schrumpfungsprozess in Gang setzte. Infolge unsachgemäßer Bewirtschaftung verlor das Gewässer etwa 90 % seines ursprünglichen Volumens und zerfiel in vier separate, stark versalzene Wasserflächen. Der südliche Teil, der in Usbekistan liegt, verschwand fast vollständig und hinterließ die salzige Aralkum-Wüste. Der Niedergang der Fischerei und die Verschlechterung der Gesundheitsbedingungen der Einwohner wurden zum Symbol für eine der größten Umweltkatastrophen des 20. Jahrhunderts.

Der Kokaral-Damm und die regionale Zusammenarbeit
Der Durchbruch kam 2005, als Kasachstan den Bau des Kokaral-Staudamms abschloss, der den nördlichen Aralsee vom südlichen Teil trennte. Die Konstruktion stoppte den Wasserabfluss und ermöglichte eine allmähliche Anhebung des Wasserstandes im nördlichen Becken. Von großer Bedeutung war auch das Abkommen zwischen den für die Wasserwirtschaft zuständigen Ministern Usbekistans, Tadschikistans, Kirgisistans und Kasachstans, das die Aufteilung der Flusszuflüsse regelt. Innerhalb von 20 Jahren hat sich die Fläche des nördlichen Beckens um 36 % vergrößert und das Volumen fast verdoppelt. Daten der Weltbank zeigen, dass der Wasserstand derzeit um die Hälfte höher ist als in der Zeit des größten Rückgangs. Seit 2023 wurden etwa 5 Milliarden Kubikmeter Wasser in den See geleitet, wodurch sich seine Ressourcen auf 24,1 Milliarden Kubikmeter erhöhten.
Der Aralsee – neue Wasserpolitik und Auswirkungen
Als Reaktion auf die zunehmenden Probleme mit Wasserknappheit in Zentralasien, die durch den Klimawandel noch verschärft werden, wurde 2023 in Kasachstan ein Ministerium für Wasserressourcen und Bewässerung eingerichtet. Außerdem wurden neue Vorschriften für die Wassernutzung verabschiedet, die die Situation im Einzugsgebiet des Syr Darya verbessert haben. Minister Nurzhan Nurzighitow teilte mit, dass die Ziele für die Erhöhung des Wasservolumens schneller als ursprünglich erwartet erreicht wurden. Parallel dazu werden Analysen zu weiteren Maßnahmen durchgeführt, darunter die Erhöhung des Kokaral-Damms um zwei Meter und der Bau von hydrotechnischen Anlagen zur Stabilisierung des Wasserstands in den nahe gelegenen Seensystemen. Die finanzielle Unterstützung für diese Studien wird von der Weltbank bereitgestellt. Die Maßnahmen sollen die Wasserqualität verbessern, die Aufwirbelung salzhaltiger Sedimente vom freigelegten Grund verringern und die lokale Wirtschaft stärken.

Rückkehr der Fische und Wiederaufbau der Wirtschaft der Region
Die Ergebnisse dieser Maßnahmen sind auch in der Natur sichtbar. Im Unterlauf des Syr Darya sind 20 Fischarten wieder aufgetaucht, die zuvor verschwunden waren. In der Region gibt es derzeit 10 Fischverarbeitungsbetriebe, von denen vier über Zertifikate verfügen, die den Export in Länder der Europäischen Union ermöglichen. Jährlich werden 4.000 bis 5.000 Tonnen Fisch aus dem Aralsee und 160 Seen des Bezirks Kyzylorda ins Ausland exportiert, unter anderem in die EU-Länder, nach China und Russland. Diese erfreuliche Entwicklung betrifft jedoch nur den nördlichen Teil des Gewässers. Der südliche Teil in Usbekistan steht kurz vor dem Verschwinden, der westliche Teil ist fast vollständig verschwunden und der östliche Teil ist seit 2014 vollständig ausgetrocknet. Beide Länder führen Aufforstungsmaßnahmen auf dem freigelegten Grund durch, um die Ausbreitung giftiger, salzhaltiger Stäube zu begrenzen.
Der Aralsee und seine Zukunft
Trotz dieser zweifellos positiven Veränderungen bleibt die Lage weiterhin prekär. In den letzten Jahren hat der Syr Dschar eine Phase niedriger Wasserstände erlebt, was sich direkt auf den Pegel des Sees auswirkt. Von entscheidender Bedeutung ist der Zustand der Gletscher im Tienschan- und Pamir-Gebirge, aus denen das Wasser für den Amu-Darja und den Syr-Darja stammt. Ihr rasches Abschmelzen infolge der globalen Erwärmung könnte in Zukunft den Zufluss auf ein Niveau reduzieren, das nicht ausreicht, um den wiederhergestellten Stausee zu erhalten.

Der Aralsee – eine Tragödie für viele Länder
Die tragische Geschichte des Aralsees ist ein Paradebeispiel für die Folgen übermäßiger menschlicher Eingriffe in Flusssysteme. Die aktuellen Maßnahmen Kasachstans zeigen, dass mit einer konsequenten Wasserpolitik und regionaler Zusammenarbeit eine teilweise Regeneration des degradierten Gewässers möglich ist, deren Dauerhaftigkeit jedoch von klimatischen Faktoren und weiteren wirtschaftlichen Entscheidungen in der gesamten Region abhängt.
Quelle: euronews.com, astanatimes.com
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Der Aralsee Mitte des 19. Jahrhunderts und heute. Quelle: Zeichnung: A. Petermann – „Journal of the Royal Geographical Society”, London 1853 und Google Earth
Das Gewässer im Jahr 1985 und 2026. Quelle: NASA und Google Earth








