Klein und schön. Ferienhaus in der Nähe von Krakau

Auf dem Nachbargrundstück, direkt neben einem modernistischen Ferienhaus aus den 1960er Jahren, entstand sein zeitgenössischer Verwandter – ein kleines, aber markantes Gebäude, das vom Krakauer Büro Vostok entworfen wurde. Das neue Ferienhaus versucht nicht, seinem Vorbild nachzueifern, sondern tritt mit ihm in einen subtilen Dialog, der sich aus der Familiengeschichte und der lokalen Landschaft speist. Es ist eine Architektur, die Erinnerung und Gegenwart verbindet und gleichzeitig ihre eigene, sehr klare Geschichte erzählt.

Investorin und Autorin des Innenraumdesigns ist Natalia Horak, die sich von ihrer Familiengeschichte zu diesem Ferienhaus inspirieren ließ.

In den 1960er Jahren gab meine Großmutter Alicja einen gewagten Entwurf für ein Ferienhaus in Auftrag, dessen Konstruktion auf zwei Pfählen basiert, die die Betonplatte der Terrasse tragen. Das für damalige Verhältnisse sehr revolutionäre Haus schien die Umgebung zu überragen. Ich habe meine Kindheit in diesem Haus verbracht. Ich habe beschlossen, auf dem Grundstück nebenan ein Haus zu bauen, das mit dem meiner Großmutter korrespondiert”, gesteht Natalia Horak.

Das erste der beiden Häuser war für seine Zeit ein architektonisches Manifest. Auf zwei Pfählen errichtet, mit einer über den Hang hinausragenden Betonterrasse, wirkte es, als schwebe es in der Luft. Für die Enkelin, die dort ihre Kindheit verbrachte, wurde es zu einem Ort, der ihre Sensibilität und Fantasie prägte.

Das neue Haus ist nur 69 Quadratmeter groß, aber seine Form ist äußerst eindrucksvoll. Die Architekten von Vostok schlugen einen Baukörper mit einer charakteristischen, sanften Dachkrümmung vor, die dem Ganzen Leichtigkeit verleiht. Die große Verglasung des Wohnzimmers öffnet den Innenraum zur Umgebung hin, und der verlängerte Boden des Erdgeschosses geht fließend in die Terrasse über und schafft so einen einzigen, zusammenhängenden Nutzraum. Durch diese Lösung wirkt das Haus – obwohl es kompakt ist – viel größer, und die Grenze zwischen Innenraum und Natur verschwindet fast vollständig.

Die Materialien wurden unter Berücksichtigung des lokalen Kontexts und der Harmonie mit der Natur ausgewählt. Lärchenholz aus den umliegenden Wäldern verleiht der Fassade einen warmen, edlen Ton. Flussstein aus einem nahe gelegenen Bach bringt Struktur und Schwere ins Spiel, die die Leichtigkeit der Holzkonstruktion ausgleichen. Im Inneren ist das Haus mit hellem, mit amerikanischem Ahorn furniertem Sperrholz verkleidet – ein Material mit einem zarten Farbton, der subtil mit dem rosa Schimmer des Lärchenholzes korrespondiert. Dies ist eine bewusste Entscheidung, die es dem Innenraum ermöglicht, seine Frische zu bewahren und gleichzeitig einen kohärenten Dialog mit der Außenhaut des Gebäudes herzustellen.

Das zentrale Element des Wohnbereichs ist die Eschentreppe, die zum Obergeschoss führt. Ihr Muster und ihre Proportionen betonen die Steinwand und schaffen eine fast skulpturale Komposition. Aus dem gleichen Holz wurden die maßgefertigten Küchenmöbel und das speziell für dieses Haus entworfene Geländer gefertigt – Details, die von der Sorgfalt zeugen, mit der jeder Zentimeter des Raumes gestaltet wurde.

Die Einzigartigkeit des Hauses wird jedoch vor allem durch seine Lage bestimmt. Auf einem Hügel gelegen, bietet es einen Panoramablick auf die Umgebung. Sorgfältig angeordnete Fenster rahmen wechselnde Ausblicke ein: mal auf den Wald, mal auf die Wiese, mal auf die tiefer gelegenen Häuser. Es ist eine Architektur, die es nicht nur ermöglicht, die Landschaft zu beobachten, sondern sie geradezu zu zelebrieren. Das Haus ist ganzjährig bewohnbar, sodass man hier den gesamten Zyklus der Natur erleben kann – vom Morgennebel bis zum winterlichen Licht, das sich im Schnee spiegelt.

Architektonischer Entwurf: Vostok

Innenarchitektur: Natalia Horak // Lessness

Fotos: Mood Authors

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