Das Eckhaus der Familie Próchnicki an der Adresse Koszykowa 70 in Warschau durchläuft derzeit die wichtigste Phase seiner Nachkriegsgeschichte. Seit 2023 wird es renoviert, um die Folgen des Zweiten Weltkriegs und der Vereinfachungen aus den 1960er Jahren rückgängig zu machen. Das Gebäude hat bereits sein fehlendes Stockwerk und die Eckkuppel zurückerhalten, deren Form jedoch nur eine Anspielung auf den Entwurf aus dem frühen 20. Jahrhundert ist. Der Eigentümer hat sich für eine sparsamere, modernisierte Version entschieden.
Wiederaufbau statt Rekonstruktion
Der Entscheidung, das oberste Stockwerk und die Kuppel wiederherzustellen, ging eine Genehmigung des Denkmalschutzbeauftragten der Woiwodschaft Masowien voraus. Derartige Konstruktionen waren bei Eckmietshäusern zu Beginn des 20. Jahrhunderts beliebt. Bei der Koszykowa 70 entschieden sich die Investoren für eine Interpretation der historischen Form, ohne den Zustand vor den Zerstörungen im letzten Krieg originalgetreu wiederherzustellen. Das neue Dach hat eine andere Form, die kleineren Dachgauben wurden entfernt, während die größeren in einer veränderten Version wiederkehrten. Auch die Eckkuppel unterscheidet sich von ihrem Vorbild. Seine Proportionen und seine Bekrönung wurden verändert, und einige Details, die er vor 1939 hatte, wurden nicht wiederhergestellt.
Koszykowa 70 – Umfang der Renovierungsarbeiten
Das oberste Stockwerk des Próchnicki-Hauses wird zu modernen Wohnungen mit Zwischengeschossen umgebaut. Die Arbeiten an der Koszykowa 70 werden jedoch nicht mit der Inbetriebnahme des Aufbaus abgeschlossen sein. Derzeit werden die Fassade, der Flur und die Treppenhäuser renoviert. Das Projekt sieht auch eine Verschönerung des Erscheinungsbildes des Mietshauses vor, einschließlich der Entfernung von Satellitenantennen. Alle Phasen des Projekts werden unter der Aufsicht des Denkmalschutzbeauftragten durchgeführt. Dies gilt für stratigraphische Untersuchungen, die Auswahl der Farben für die Fassaden und die Steinelemente sowie die Abnahme der einzelnen Arbeiten, die von dieser Behörde genehmigt werden.

Das Próchnicki-Haus und seine bewegte Geschichte
Das Mietshaus wurde in den Jahren 1913-1914 nach einem Entwurf von Marian Kontkiewicz im Auftrag der Familie Próchnicki erbaut. Der Architekt schlug eine vom Neoklassizismus und Jugendstil inspirierte Form mit aufwendigen Verzierungen und einer beeindruckenden Eckkuppel vor. Diese sollte die Eleganz des Gebäudes unterstreichen und hervorheben. Der Zweite Weltkrieg brachte schwere Zerstörungen mit sich. Durch die Bombardierungen verlor das Gebäude seinen oberen Teil und einen Teil seiner kunstvollen Verzierungen, und die Nachkriegsrenovierung in den 1960er Jahren führte zu einer weiteren Vereinfachung der Fassade. Gesimse, Reliefs und Bossenwerk wichen glattem Putz, wodurch das Gebäude seine frühere Finesse verlor.
Koszykowa 70 in neuem Gewand
Die Koszykowa 70 hat sich nicht nur durch ihre Architektur in die Geschichte Warschaus eingeschrieben. In ihren Mauern lebten Vertreter der Vorkriegs-Elite, darunter Józef Piłsudski mit seiner Familie und während der Besatzungszeit Norbert Barlicki, ein Aktivist der PPS, der in Auschwitz ermordet wurde. Die derzeitige Renovierung hat die Präsenz dieses Gebäudes im Stadtzentrum erneut unterstrichen, auch wenn sich die neue Bekrönung vom Vorkriegsvorbild unterscheidet. Die wiederaufgebaute Kuppel und das Dachgeschoss vervollständigen die Komposition des Eckhauses, das 80 Jahre lang auf diesen Moment gewartet hat.
Quellen: Społeczni Opiekunowie Zabytków – Warszawa(Soziale Denkmalpfleger – Warschau),warszawa1939.pl
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